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Wenn die Schulaula zum Nachtlokal wird

Wenn die Schulaula zum Nachtlokal wird

Alkohol, Drogen, käufliche Liebe - damit möchte eine Schule nicht unbedingt Schlagzeilen machen. Wenn aus diesen Themen aber am Max-Planck-Gymnasium eine Revue im Stil der frühen 1930er Jahre wird, dann ist allen Beteiligten der Applaus sicher - auch der des Schulleiters.

Trier. "Irgendwo auf der Welt gibt\'s ein kleines bisschen Glück", singt Lene, während sie von der Liebe träumt. Sie ist mit ihren 23 Jahren die jüngste der drei Animierdamen in der NachtLebenRevue des Trierer Max-Planck-Gymnasiums. Ihre älteren Kolleginnen machen sich da weniger Illusionen über die Männerwelt. Die lesbische Rita ohnehin nicht, und Agathe wartet zwar immer noch auf eine große Karriere, flüchtet sich aber immer mehr in Alkohol und Kokain. So sitzen die drei bevorzugt am Tresen der Bar zum Krokodil und warten auf männliche Kundschaft.Die Revue, die die Schüler aufführen, ist gespickt mit Schlagern aus den Jahren um 1930. Lehrerin Anne Kröninger war auf die Produktion der Bremer Vocal-Artisten aufmerksam geworden und hatte dieses Stück als Abwechslung zu den bisherigen Musical-Aufführungen des Gymnasiums vorgeschlagen. Lassen sich Schüler spontan von den Hits ihrer Urgroßeltern begeistern oder winken sie bei solch alten Kamellen erst einmal ab? "Weder noch", sagt Yasmin Mergen, die die Rolle der Rita übernommen hat. "Wir wussten eigentlich gar nicht so genau, was uns erwartet." Gespannt war auch Ulrich Möllmann, einer der Autoren der Revue, denn auch für ihn war es eine Premiere: Erstmals hat er die Produktion an eine Schule verkauft, stand Schülern und Lehrern stets beratend zur Seite und ließ es sich nicht nehmen, zur ersten Aufführung persönlich von der Weser an die Mosel zu kommen. "Respekt!", lobte er anschließend, "Respekt für das, was die Schüler in wenigen Monaten auf die Beine gestellt haben."Mal heiter, mal melancholisch

Das gilt zuerst natürlich für die drei Protagonistinnen - neben Yasmin Mergen sind dies Lena Bottermann als Lene und Sarah Klasen als Agathe, deren Solo-Darbietungen von Liedern wie Zarah Leanders "Nur nicht aus Liebe weinen" oder Marlene Dietrichs "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" mit Szenenapplaus bedacht werden. Auch die männlichen Hauptdarsteller Lorenz Bier-Schorr als Fritz und Tobias Wagner als Betrunkener singen und spielen mit der gleichen Begeisterung. Immer wieder wechselt die Stimmung zwischen Heiterkeit beim Tanz und Melancholie auf der Bank unter der Laterne vor der Tür.Doch nicht nur zu hören gibt es einiges auf der Bühne: Insgesamt zwölf Tänzerinnen und zwei Tänzer haben überzeugende Choreographien, um den frechen, frivolen und feucht-fröhlichen Charakter der Revue zu unterstreichen. Begleitet werden die Darsteller von Mitgliedern des Schulorchesters unter Leitung von Carmen Teuber, die Regie hat mit Stephan Vanecek ein ehemaliger Schüler übernommen. Nach dem großen Finale mit dem Lied "In der Bar zum Krokodil" gibt es viel Beifall vom Publikum. Und was sagt Schulleiter Ludwig Weyand dazu, dass sich seine Lehranstalt zumindest auf der Bühne in einen Tempel der Lust und des Lasters verwandelt? "Das ist das wahre Leben", kommentiert er lachend und fordert: "Zugabe!"Weitere Vorstellungen am Samstag, 28., und Sonntag, 29. Mai, sowie am Mittwoch, 1. Juni.Mitwirkende:Lene: Lena Bottermann; Agathe: Sarah Klasen; Rita: Yasmin Mergen; Fritz: Lorenz Bier-Schorr; Betrunkener: Tobias Wagner; Tänzer: Nils Winkler, Martin Polotzek; Tänzerinnen: Maria-Luisa Bondarenko, Charlotte Fruböse, Svenja Hännigsen, Svenja Ortwig, Thora Ottenhausen, Katharina Pugachova, Joana Reuter, Jana Weber, Sophia Welter; Musiker: Beatrice Braun, Nico Clemens, Henrik Dewes, Beatrice Gügel, Lukas Maier, Lukas Mich, Martin Müller, Michael Müller, Joshua Ternes, Nicolas Wagner, Milan Wallbaum, Anne Kröninger; Technik: Chris Monzel, Jan Monzel; Beleuchtung: Arne Proß, Florentina Rath, Raphael Zingen; musikalische Leitung: Carmen Teuber; Regie: Stephan Vanecek, Frank Feder.