Wenn die Seele ins Schleudern kommt

Wenn die Seele ins Schleudern kommt

Beim diesjährigen Delegiertentag des Stadtfeuerwehrverbandes Trier im Gerätehaus des Löschzuges Ruwer war die Notfallseelsorge (NFS) neben vielen anderen Tagesordnungspunkten das zentrale Thema.

Trier-Ruwer. Als die Notfallseelsorgerin Daniela Standard der Mutter mit den zwei Kindern die Nachricht überbracht hat, dass der Ehemann und Vater tot ist, bricht die Hölle los: Die Frau greift Standard regelrecht an, schüttelt sie an den Schultern, sprachlos. Eines der Kinder schreit aus vollem Hals los, während das andere stumm davonläuft.
Die beklemmende Szene zeigt beispielhaft, dass Menschen auf eine Todesnachricht so unterschiedlich wie unvorhersagbar reagieren. Als Standard sie im Gerätehaus des Löschzuges Ruwer den 60 Delegierten des Stadtfeuerwehrverbandes erzählt, könnte man die berühmte Nadel fallen hören: Viele der Anwesenden haben schon hochdramatische Einsätze miterlebt - und wissen noch so einige vor sich. "Fordern Sie uns zur Hilfe an", appelliert darum Standard, die auch Kürenzer Gemeindereferentin ist. Sie ist zusammen mit dem ebenfalls als Notfallseelsorger tätigen Konzer Diakon Martin Nober gekommen.
Die beiden seien immer dann gefragt, "wenn die Seele ins Schleudern kommt" - nicht nur die der direkt von Unfällen und Katastrophen Betroffenen, sondern auch die der Helfer von Polizei oder Feuerwehr.

Erste Hilfe, keine Therapie


Dann stünden sie bereit, sagt Nober: "Wir bieten einen Schutzraum für die Gestaltung und den Umgang mit Gefühlen bei Trauer und Abschied, bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse und das kollektive Betroffensein in Notfällen."
Dabei stellt Standard klar: "Wir sind keine Therapeuten, sondern leisten erste Hilfe für die Seele in Notsituationen und nach Gewalterfahrungen."
Dabei müsse die Seelsorge immer die Selbstbestimmung der Betreuten achten - besonders hinsichtlich der religiösen und weltanschaulichen Orientierung. Die Hilfe erfolge in der Zuwendung zu den von Unheil betroffenen Menschen und im solidarischen Aushalten ihrer Leiden. dis