Wenn die Unterhose im Christbaum hängt
Seit rund zehn Jahren sind die Theaterstücke der SchmiTZ-Family, des Schwulen- und Lesbenzentrums in Trier, Kult. Meist sind die Karten zu ihren Vorstellungen in Windeseile ausverkauft. So auch beim aktuellen Stück "Wahnsinn! Weihnachten", das in der Trierer Tufa rund 400 Fans verzückte.
Trier. Anspruchsvolles Laientheater mit ausgefallenen Kostümen, einer Prise Lokal-Kolorit und natürlich der Botschaft der Toleranz sind das Erfolgsrezept der SchmiTZ-Family.Toleranz als Botschaft
Hatten die Theatermacher Berthold Hirschfeld, Alex Rollinger und Klaas Michel bislang mit Stücken wie "Mord auf der Mosel" (einer Adaption von "Tod auf dem Nil"), dem "Ring des Konstantin" oder "Vogelfrei im Eifelland" auf derbe Komödien gesetzt, so kam das aktuelle Stück "Wahnsinn! Weihnachten" trotz allen Humors doch etwas ernster daher. Schließlich war diesmal das Thema Toleranz zentrales Motiv des Stücks. Kein Wunder, dass zu Beginn die Melodie der Fernseh-Serie "Lindenstraße" erklang. Die Geschichte: In der schwul-lesbischen Wohngemeinschaft von Irmgard (Petra Schmitt), Tobias (Dietmar Kruppert), Jimmy (Klaas Michel) und Paulette (Stefan Kronauer) übernachtet der Sohn (Philipp Gonder) des spießigen Hausmeisterpaars Thekla und Alois Lauer (Christian Sailler und Edgar Sonnen) nach einer ausgelassenen Weihnachtsfeier. Nur wissen die Eltern nichts von der schwulen Ausrichtung ihres Sohnes. Verschärfend kommt hinzu, dass ausgerechnet die Mutter des Transvestiten Paulette, Roswitha Kloschinsky (Ingo Könen), sich nach vielen Jahren angekündigt hat. Selbstredend, dass sie nichts vom Schwulsein ihres Sohnes weiß. Herzensbrecher Jimmy (Klaas Michel), eine besserwisserische Lesbe (Petra Schmitt), die Mutter von Tobias (Kerstin Thielen), ein immer mal wieder an die Tür klopfender Zeuge Jehovas (Thomas Hintermayer) und ein Metzgermeister (Günther Thommes) mit seinen Gehilfen (Sascha Klebig und Marco Willger) komplettieren das Personal-Tableau des Schauspiels in drei Akten.Das Finale steigt schließlich auf dem Weihnachtsmarkt, auf dem sich nach diversen Diskussionen und Verwechslungen alle wieder lieb haben. Selbst der Hausmeister sieht nun ein, dass Homosexuelle ganz normal sind und stellt erstaunt fest, dass Schwule auch ein Bierfass anschließen können. Das Stück beeindruckt mit spritzigen Dialogen und mitreißenden Gesangs- und Tanzeinlagen. Dietmar Kruppert überzeugt mit dem Sinatra-Hit "New York, New York", und Philipp Gonder beweist mit dem Song "Mein Stil" Gesangstalent. Bühnenbild und Kostüme zeigen Liebe zum Detail. Das reicht von den typischen grauen Schuhen des Hausmeisters, den fantasievollen Kostümen des Transvestiten Paulette (als Weihnachts-Engelchen einfach hinreißend) bis zum mit Unterhosen dekorierten Weihnachtsbaum.Das Publikum honoriert das Stück mit lang anhaltendem Applaus im Stehen. Die SchmiTZ-Family bietet zwar Laientheater - das aber tut sie auf höchstem Niveau.