Wenn eine Verwaltung die Mehrwertsteuer vergisst - Anbau in Welschbillig rund 70 Prozent teurer als geplant
Trier/Welschbillig · Nach neuen Schätzungen kostet der Anbau an das Welschbilliger Feuerwehrgerätehaus wahrscheinlich rund 120 000 Euro. Ursprünglich waren 70 000 Euro genannt worden. Bei dieser Summe war von der Verbandsgemeindeverwaltung Trier-Land unter anderem die Mehrwertsteuer nicht berücksichtigt worden.
Trier/Welschbillig. Es ist ein wenig so, als ob man ein günstiges Auto kauft und später feststellen muss, dass die Reifen und die Windschutzscheibe vergessen worden sind. Und am Ende ist es dann doch nicht mehr das erhoffte Schnäppchen. In der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats Trier-Land lagen die neuen Kosten für den Bau einer Feuerwehreinsatzzentrale auf dem Tisch. Und die sind von den 2014 geschätzten 70 000 Euro auf inzwischen rund 120 000 Euro gestiegen. Innerhalb von rund vier Monaten.
Bereits in ihrer März-Sitzung hatten die Ratsmitglieder darüber gestritten, wie die Einsatzzentrale gebaut werden soll. Einig sind sich alle Fraktionen, dass die aktuelle Lage untragbar ist. Auf engstem Raum drängen sich die Feuerwehrleute, um größere Hilfseinsätze in der Verbandsgemeinde Trier-Land zu koordinieren. Der Ursprungsplan sah deshalb vor, gut 30 Quadratmeter Raum an das vorhandene Feuerwehrgerätehaus anzubauen. Einige Mitglieder des Rats wollten dabei untersucht wissen, ob der Aufbau von Containern am Ende günstiger ist als ein Anbau in Massivbauweise. Neben den Kosten stellten sie eine weitere Überlegung an. Falls die Welschbilliger nicht mehr die Einsatzzentrale besetzen wollen oder können, kann ein Containerbau an einen anderen Standort versetzt werden. Schon zu diesem Zeitpunkt stand für viele Ratsmitglieder fest, dass ein massiver Bau unterm Strich günstiger ist als eine Containerlösung. Und siehe da: Die Verwaltung hat gerechnet. Und herausgefunden, dass die massive Bauweise günstiger ist, da es dafür unter anderem mehr Landeszuschuss gibt und diese länger hält.
Die Fachleute haben nun allerdings auch herausgefunden, dass die Baukosten zu niedrig angesetzt waren. Unter anderem erscheinen in der Aufstellung nun auch die Posten Mehrwertsteuer (19 000 Euro) oder Baunebenkosten (15 000 Euro), die unter anderem Architektenhonorare umfassen. Ein Architekturbüro soll eingeschaltet werden, da die Verwaltung nach eigener Darstellung keine Kapazitäten hat, selbst zu planen.Zuständigkeit unklar
Warum erst jetzt alle Posten auf der Rechnung auftauchen, konnte Bürgermeister Wolfgang Reiland in der Sitzung nicht so genau sagen. Das müsse intern geklärt werden. Es gab auch keine konkrete Nachfrage aus der Mitte des Rats, wer letztendlich das unvollständige Zahlenwerk zu verantworten hat.
Nicht allein die Kostensteigerung um rund 70 Prozent sorgte im Rat für Unmut. Vor allem die SPD wollte sich nicht mit den Berechnungen der Verwaltung anfreunden. Denn die hat entsprechend der Vorgaben der doppischen Buchführung für Container eine geringere Abschreibungsdauer angesetzt. Der Gesamtaufwand für einen massiven Anbau liegt bei jährlich rund 4000 Euro, der Aufwand für die Container bei jährlich rund 10 000 Euro. Unterm Strich blieben die Sozialdemokraten bei ihrer ablehnenden Haltung.
Damit nicht genug. Laut der Vorlage für den Verbandsgemeinderat sollen Technik und Innenausstattung der neuen Feuerwehreinsatzzentrale rund 79 000 Euro kosten. Wird das Welschbilliger Feuerwehrgerätehaus so, wie derzeit vorgesehen gebaut und eingerichtet, werden damit rund 200 000 Euro fällig.Meinung
Zustimmung könnte kippen
Das ist ja mal ein geduldiger Verbandsgemeinderat. Da steigen die Baukosten für einen eher übersichtlich großen Anbau mal eben um 70 Prozent, und niemanden scheint das nachhaltig zu interessieren. Noch nicht einmal eine stichhaltige Begründung muss Bürgermeister Wolfgang Reiland liefern. Stattdessen ist von internem Klärungsbedarf die Rede. O.K. Fehler können selbst einer nahezu perfekt arbeitenden Behörde passieren. Sollten die Kosten für die Einsatzzentrale jedoch aus unerwarteten Gründen erneut weiter massiv steigen, wird an einem nicht allzu fernen Punkt die Zustimmung für das Projekt kippen. Das sollte nicht passieren. Deshalb muss schnell und deutlich klargemacht werden, dass man sich auf die Aussagen der Verwaltung auch verlassen kann. Da sollte zu bewerkstelligen sein. Oder? h.jansen@volksfreund.de