Wenn Festspiele zum Finanzloch werden

Wenn Festspiele zum Finanzloch werden

TRIER. Tragödien spielen sich nicht nur auf der Bühne ab. Der Stadtrat sollte am Dienstagabend die Abdeckung des 170 000 Euro tiefen Finanzlochs beschließen, das die Antikenfestspiele 2005 hinterlassen haben. Eine knappe Mehrheit rettete Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink, der dennoch harte Schläge einstecken musste.

Es gibt Schlüsselbegriffe in kommunalen Beschlussvorlagen, die viel Adrenalin frei werden lassen und bereits im Vorfeld Garanten für eine intensive Diskussion sind. "Überplanmäßige Mittelbereitstellung" steht ganz oben auf dieser Liste: Ein Projekt ist plötzlich wesentlich teurer als ursprünglich geplant und beschlossen. Vorhang auf für den aus finanzieller Sicht schmerzhaften Rückblick auf die Antikenfestspiele 2005.Dieses Musical war kein Hit

170 000 Euro sollten "überplanmäßig bereitgestellt" werden. Dieses dicke Minus hat zwei maßgebliche Ursachen: Statt der kalkulierten 75 Prozent schaffte das eigens für Trier produzierte Musical "Quo vadis" im Amphitheater nur eine Zuschauer-Auslastung von 45 Prozent, was fehlende Einnahmen in Höhe von 110 000 Euro bedeutete. Dazu kamen weitere Zusatzkosten für die "Herrichtung der Spielstätte". Die Beschlussvorlage der Verwaltung zählt auf: "Erhebliche" Kosten für Licht- und Tonausstattung, "kostenintensive" Herstellung des Bühnenbilds, "hohe Aufwändungen" für den Auf- und Abbau der Tribünen. Außerdem, auch das verrät die von Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink unterzeichnete Vorlage, seien mündliche Vereinbarungen "aufgrund persönlicher Umstände des Komponisten trotz intensiver Bemühungen des Intendanten" nicht eingehalten worden. Man habe beispielsweise einen neuen Librettisten beauftragen müssen. Der Kulturausschuss wurde mit diesem Problemkatalog im November konfrontiert, blieb dabei aber hinter geschlossener Tür. Die Ratsdiskussion am Dienstagabend fand dagegen öffentlich statt, und es fielen harte Worte. Peter Spang (SPD) richtete das Wort direkt an Ulrich Holkenbrink: "Gravierende Versäumnisse und Fehler des Intendanten hätten verhindert werden können, aber der Kulturdezernent hat sich einfach zurückgelehnt und abgewartet, was da kommt." Ignaz Bender (CDU) bemühte sich, die Wogen zu glätten: "Wir können das Theater nicht auf dieser Rechnung sitzen lassen." Nach ähnlichen Defiziten in den Jahren 1999 und 2001 hatte der Stadtrat die bis dahin zuständige Festspiel GmbH aufgelöst und das Festival direkt dem Theater angegliedert - um gerade solche Haushaltsüberschreitungen auszuschließen.Künstlerische Freiheit erhalten

Aaron M. Braun (Bündnis 90/Die Grünen) warf ein, dass "die keine Erfolgsgarantie umfassende künstlerische Freiheit erhalten bleiben muss", rügte aber, das Budget sei "am Kulturausschuss vorbei" überzogen worden. Auch Hermann Kleber (UBM) verschonte den Kulturdezernenten nicht. "Es handelt sich um ein unbegreifliches Defizit, das überwiegend hausgemacht ist." Wie so oft kam die kleine FDP-Fraktion erst dran, als alle anderen sich bereits verbal ausgetobt hatten. Man sei über dieses Finanzloch sehr verwundert, betonte Karl-Josef Gilles. Mit 24 gegen 19 Stimmen nahm der Rat die Zusatzkosten an. Nur die CDU war komplett dafür, aus allen anderen Fraktionen kamen Gegenstimmen. Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink verzichtete auf eine Stellungnahme und ließ die Vorwürfe im Raum stehen.

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