1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Wenn Gedanken wie Seifenblasen zerplatzen

Wenn Gedanken wie Seifenblasen zerplatzen

Vorschulkinder lernen in einem Projekt, was es heißt, wenn Menschen dement sind. Beim Kontakt mit Erkrankten zeigen sie deshalb kaum Berührungsängste.

Trier (red) Wie erklärt man Kindern, dass beispielsweise ihre Großeltern an einer schwerer Krankheit leiden? Vorschulkinder der Kindertagesstätten Herz-Jesu und St. Bonifatius in Trier, beides Einrichtungen in Trägerschaft der katholischen KiTa gGmbH, haben über einen Zeitraum von neun Monaten gelernt, was es heißt, wenn Menschen an Demenz erkrankt sind. Sie konnten im Rahmen von Begegnungen mit den älteren Menschen sowohl im Demenzzentrum Trier als auch in der Awo-Senioreneinrichtung Härenwies frühstücken, basteln, singen, malen oder einfach erzählen.
In Kooperation mit den Leitungskräften der Kindertagesstätten wurden die Kinder durch eine Mitarbeiterin des Demenzzentrums Trier/Schwerpunkt-Beratungs- und Koordinierungsstelle an zehn Vormittagen spielerisch zum Thema Demenz und Alter geschult. Sie erfuhren, was passiert, wenn Senioren an Demenz erkranken und sich nicht mehr erinnern können. Auf spielerische Art und Weise wurde den Kindern erklärt, was es bedeutet, wenn die Gedanken im Kopf zerplatzen und nicht festgehalten werden - so wie man auch Seifenblasen nicht festhalten kann. Die Erinnerungen verschwinden, und die Oma oder der Opa wissen vielleicht nicht mehr, dass sie gestern einkaufen waren.
Die Mädchen und Jungen lernten, dass es vielen alten Menschen so ergeht und man trotzdem ganz normal mit ihnen umgehen kann. Es ging aber auch um das Wahrnehmen von Gefühlen, das Demenzerkrankten erhalten bleibt, und um Respekt und Wertschätzung gegenüber Menschen, die anders sind.
Nach den Schulungen trafen die Kinder regelmäßig mit den älteren Menschen zusammen und gestalteten gemeinsam einen Vormittag. Unterstützt wurden diese Treffen sowohl von Fachkräften des Sozialdienstes der Senioreneinrichtung und ehrenamtlichen Kräften des Demenzzentrums als auch von den Erzieherinnen und Erziehern der Kindertagesstätten. Die Begegnungen waren emotional sehr intensiv. Die Hemmschwelle der Kinder zur Kontaktaufnahme mit der älteren Generation war dabei meist sehr gering. Die Älteren fühlten sich zu den unbefangen auftretenden Kindern hingezogen. Die sozialen Kompetenzen der Kinder zeigten sich zum Beispiel darin, dass sie die älteren Menschen an der Hand begleiteten und sie beim Spielen mit Vornamen anfeuerten. Die Begegnungen erinnerten die Demenzpatienten teilweise an die eigene Kindheit oder weckten ein Gefühl der Fürsorge den Kindern gegenüber. Sie erzählten aus ihrer eigenen Kindheit und schilderten beispielsweise, wie der erste Schultag damals verlief und wie die Schulranzen aussahen. Sie blühten regelrecht auf.