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Wenn Liebe unvorsichtig macht

Wenn Liebe unvorsichtig macht

TRIER/SAARBURG. Wenn liebestolles Wild plötzlich auf der Straße steht, lässt sich eine Kollision kaum mehr vermeiden. Die Paarungszeit der Rehe steuert auf ihre Hochphase zu, Autofahrer müssen daher vermehrt mit Wildwechseln rechnen.

Alljährlich im Juli beginnt sie und erreicht um den 15. August ihre heiße Phase, die so genannte Blattzeit der Rehe, sagt Gundolf Bartmann, Kreisgruppenvorsitzender im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz und Leiter des Forstamts Trier. Die Folge: Von den frühen Abendstunden bis zum frühen Morgen müssen Autofahrer derzeit mit liebestollen Böcken und Ricken auf den Straßen rechnen. Bartmann: "Besondere Vorsicht ist von 20 bis 23 Uhr und morgens von 5 bis 8 Uhr, der Hauptaktivitätszeit der Tiere, geboten." Spezielle Duftstoffe machen die Böcke wild

Doch was macht die Ricken und Rehböcke zu solch einer Gefahr? Zwei im Verhalten der Tiere festgelegte Muster sind es, die die Tiere unvermittelt auf Straßen auftauchen lassen. Einerseits verfolgen normalerweise allein umherstreifende Böcke die Fährte einer brunftigen Ricke. Diese sendet in der Brunftzeit einen speziellen Duftstoff aus. Bei der Verfolgung werden selbst viel befahrene Straßen überquert. Und noch ein weiteres Merkmal des Paarungsrituals lässt die Tiere zur Gefahr werden: Bei Annäherung des Bocks flüchtet die Ricke in der Regel. Es kommt dann zu einer Hetzjagd, dem so genannten Treiben, welches durchaus über mehrere Kilometer gehen kann und quer durch die Landschaft führt. Auch Straßen stellen dabei kein Hindernis dar. Bartmann: "Die Treibjagd bedeutet Stress für die Tiere und lässt sie alle Vorsicht vergessen. Denn normalerweise achten Rehe auf Geräusche, wenn sie den Wald verlassen. Nicht so, wenn die Instinkte das Sicherheitsdenken ausschalten." Dies gilt auch in Bezug auf den eigenen Nachwuchs. Ricken lassen in der Brunftzeit sogar ihre Kitze unbeaufsichtigt, die dann alleine weiterlaufen und aufgrund mangelnder Erfahrung schnell Opfer des Straßenverkehrs werden, ergänzt der Forstamtsleiter. Bisher haben sich im Kreisgebiet Trier-Saarburg von Jahresbeginn bis Ende Juli 681 Wildunfälle ereignet, sagt Polizeisprecher Reinhard Rothgerber von der Polizeidienststelle Trier, "davon vermeldeten die Kollegen in Trier 58 Fälle, in Saarburg 264 Fälle, in Schweich 194 Fälle und in Hermeskeil 165 Fälle." Gebiete, in denen vermehrt mit Wildwechseln zu rechnen ist, sind laut Bartmann grundsätzlich diejenigen zwischen zwei Waldstücken und von Feld zu Wald. Von Wildschutzzäunen an Straßen, die entlang eines Waldgebietes verlaufen, hält der Forstamtsleiter hingegen wenig: "Die bedeuten lediglich eine Zerschneidung des Lebensraumes und behindern den natürlichen Wechsel der Tiere." Hilfreich wären allerdings so genannte Wildwarneinrichtungen in Form von Strahlern und Duftmarkierungen. Bartmann: "Die Strahler kann man sich als kleine Spiegel vorstellen, die die Scheinwerfer der Fahrzeuge in den Wald hinein reflektieren." Um das Risiko einer Kollision zu minimieren, rät Bartmann vor allem eines: Langsam und aufmerksam fahren. Und wenn ein Reh bereits vorbeigehuscht ist, sollte sich der Fahrzeugführer bewusst sein, dass ein weiteres Tier, sei es ein Rehbock oder Kitz, unmittelbar folgen kann. Doch was, wenn der Zusammenprall mit Wild nicht mehr zu vermeiden ist? "Auf jeden Fall keine Vollbremsung hinlegen, sondern vorsichtig ausweichen. Ist dies nicht möglich, lieber das Tier erwischen, als sich selbst in Gefahr zu begeben. Schließlich geht die Vermeidung des menschlichen Schadens vor." Hat man ein Reh angefahren, gilt: Anhalten, die Stelle sichern und sowohl die Polizei als auch den zuständigen Jagdpächter informieren.