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Wenn Opa plötzlich per Video telefoniert – So gehen Menschen mit den Corona-Beschränkungen um

Corona-Krise in der Region : Wenn Opa plötzlich per Video telefoniert – So gehen Menschen mit den Corona-Beschränkungen um

Besuchsverbot in Krankenhäusern und Altenheimen: Wie Angehörige mit Patienten und Bewohnern Kontakt halten können und wann Ausnahmen gelten.

Susanne Kunz (Name geändert) kümmert sich um ihre alten Eltern. Jeden Samstag kauft sie für die Senioren ein. Doch an diesem Samstag ist alles anders. Ihr Vater stürzt, Oberschenkelhalsbruch, Krankenhaus. Während der 92-Jährige in Trier operiert wird, meldet das Robert Koch-Institut, dass das soziale Leben weiter runtergefahren wird. Dänemark und Polen schließen die Grenzen.

Die Familie besucht den Patienten, bringt frische Wäsche vorbei, muntert ihn auf. Vier Tage später stehen Tochter und Ehefrau vor verschlossener Krankenhaustür. Eine Krankenschwester gesteht ihnen noch einmal zu, den Patienten zehn Minuten zu besuchen – nacheinander. Danach gibt Susanne Kunz nur noch die beschrifteten Taschen mit Kleidern zum Wechseln unten an der Pforte ab und kehrt um. „Grausam, ihn nicht besuchen zu dürfen“, sagt sie.

Logo Mutmacher PRINT Foto: TV/Schramm, Johannes

Per Telefon hält die Familie Kontakt zu ihm, fragt immer wieder beim Pflegepersonal nach, wie es ihm geht. Mittlerweile ist der Patient in einer Reha-Einrichtung. Ein Taxi brachte ihn hin.

So wie Susanne Kunz geht es vielen Familien. Türen zu Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen bleiben zu, um das Coronavirus einzudämmen, zum Schutz der besonders Gefährdeten und des Personals.
 Wie können Angehörige in Kontakt bleiben? Im Brüderkrankenhaus Trier etwa per  Telefon oder über Messenger-Dienste wie Facebook. Das W-Lan-Angebot sei bis auf weiteres kostenfrei, sagt Krankenhaus-Sprecher Marcus Stölb. Auch einige Briefe und Karten kämen an. Den Seelsorgern kommt dort momentan eine besondere Aufgabe zu. Sie stehen für Gespräche mit Patienten, Angehörigen und  Mitarbeitern des Krankenhauses bereit. Dabei gehe es um Gott und die Welt, auch mal nicht um Corona, sagt Stölb.

Kontakt nach draußen halten auch die Patienten im Klinikum Mutterhaus Trier über Telefon und Smartphones. Besonders ist im Mutterhaus Mitte, dass dort auch sehr junge Patienten liegen. „Eltern sprechen im Kinderbereich ihre Besuche unbedingt mit dem behandelnden Arzt ab“, sagt Klinikum-Sprecherin Kristina Kattler. Im Kreißsaal autorisierten Schwangere, wer sie bei der Entbindung begleiten und später besuchen dürfe.

Ein paar Kilometer weiter im Seniorenheim St. Martin in Schweich werden Senioren beim Telefonieren begleitet. Wer keinen Anschluss hat, bekommt ein Telefon zur Verfügung gestellt. Zum Skypen erhalten die Bewohner ein Tablet oder einen Laptop, um per Videotelefonie in Kontakt treten zu können. Der Sozialdienst hilft dabei. Auch eine gesonderte E-Mail-Adresse wurde eingerichtet, damit Familien oder Freunde ihren Lieben schreiben können – ohne zur Post gehen zu müssen. Die E-Mails werden ausgedruckt und weiter gereicht, auf Wunsch vorgelesen. Das sagt die Leiterin der Seniorenresidenz, Sylvia Blesius. „Und damit die Ostergrüße nicht zu kurz kommen, gestalten wir mit den Senioren Karten.“


 Ähnlich wie in Schweich handhabt es das Pflegeheim St. Irminen in Trier, um  den Bewohnern den Kontakt zur familiären Welt, von der sie abgeschottet sind, zu ermöglichen. Wer Hilfe beim Telefonieren oder Skypen brauche, bekomme sie, sagt Heimleiterin Birgit Alt-Resch. Wäsche, Geschenke oder Blumen könnten an der Pforte der Vereinigten Hospitien abgegeben werden. „Nachdem sie 24 Stunden dort gelegen haben und virenfrei sind, werden sie weitergeleitet“, sagt sie. Ehrenamtliche unterstützten die krisenbedingten Aktionen: Sie helfen bei der Telefonbrücke, wie das Telefonieren aus oder in die Einrichtung genannt wird. Sie schicken Grüße oder Geschenke ins Pflegeheim und erledigen Einkaufsdienste für die Bewohner. „Seit kurzem übertragen wir täglich über Fernsehgeräte am Nachmittag ein Betreuungsprogramm“, sagt Alt-Resch. Und Gottesdienste aus der Kapelle in alle Häuser der Vereinigten Hospitien. Katholische und evangelische Seelsorger aus Trier stünden für Telefongespräche bereit und besuchten die Bewohner  in Krisensituationen.

Die Türen aller vier befragten Einrichtungen gehen auf, sobald Patienten oder Bewohner in einem sehr kritischen Zustand sind oder Menschen im Sterben liegen. Dann können nahestehende Personen den Liebsten von Mensch zu Mensch zur Seite stehen.

Susanne Kunz telefoniert jetzt noch öfter mit ihrem Vater als vor Corona. Er sei einsam, vermisse die Familie, vor allem seine Frau, mit der er 65 Jahre verheiratet sei, sagt sie. Körperlich gehe es ihm gut.