Wenn Papa depressiv ist: Auryn-Verein hilft Kindern

Meine Hilfe zählt : Wenn Papa depressiv ist: Auryn-Verein hilft betroffenen Kindern

„Meine Hilfe zählt“: Damit die Verantwortung nicht zu groß und die Einsamkeit auszuhalten ist, hilft die Fachstelle Auryn betroffenen Kindern. Dafür ist sie auf Spenden angewiesen.

Ben, 12, hat lange nicht begriffen, was mit seinem Papa los ist. Sein Vater ist depressiv, und der Junge hat schon früh gelernt, die eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen. „Papa geht es heute nicht gut, Papa braucht Ruhe“, hat er oft gehört. In der Familie dreht sich alles um die Erkrankung. Ben, der in Wirklichkeit anders heißt, gehört zu den rund drei Millionen Kindern, die deutschlandweit mit einem psychisch kranken Elternteil aufwachsen.

„Psychische Erkrankungen sind immer noch ein Tabuthema“, sagt Gabriele Apel von der Fachstelle Auryn in Trier. Dort finden Kinder wie Ben Hilfe und Unterstützung. Apel ist Diplom-Sozialarbeiterin sowie Gestalttherapeutin und hat Auryn 2001 ins Leben gerufen.
Bens Eltern hatten sich an Auryn gewandt, weil sie bemerkten, dass der Junge immer leiser wurde, schulische Probleme hatte und sich immer weniger zutraute. Seit zwei Jahren besucht er eine der drei Gruppen von Auryn – und ist aufgeblüht.

Heute ist Ben viel fröhlicher, und auch seine schulischen Leistungen sind deutlich besser.
In den Gruppen – für Fünf- bis Sieben-, Acht- bis Elf- und Elf- bis Vierzehnjährige – wird unter Anleitung geredet, gemalt, geflachst, oder die Kinder gehen zur Reittherapie.
„Die Gruppe gibt den Kindern Sicherheit, sie haben Spaß, Abwechslung und sie werden als Kind gesehen, können Kind sein“, sagt Apel. Denn häufig übernähmen Kinder psychisch kranker Eltern sehr viel Verantwortung, teils viel zu viel. Psychologen sprechen dann von Parentifizierung, einer Rollenumkehr zwischen Eltern und ihrem Kind. Ben war immer sehr besorgt, dass es seinem Vater gut ging. Er hat ihn geschont und viele Aufgaben im Haushalt übernommen, auch um seine Mutter zu entlasten.

Auryn Trier. Foto: TV/Auryn Trier
Auryn Trier. Foto: TV/Auryn Trier
Auryn Trier. Foto: TV/Auryn Trier
Auryn Trier. Foto: TV/Auryn Trier

„Mit unserer Arbeit haben wir die gesamte Familie im Blick“, sagt Apel. Denn die Fachleute von Auryn haben auch ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Eltern. Sie helfen etwa den kummervollen Eltern, die richtigen Worte zu finden. „Wir kennen die verschiedenen psychischen Erkrankungen aus unserer jahrelangen Praxis und wissen um die Gefühle, Erwartungen und Reaktionen auf beiden Seiten“, sagt die Therapeutin. Oder wenn Eltern sich um die Entwicklung des Kindes sorgen, sie unsicher oder überlastet sind, ist die Fachstelle Anlaufstelle. In einem vertraulichen Gespräch können Eltern sich ihre Sorgen von der Seele reden und Hilfe erfahren. Die Situation sei für beide Seiten schwer, sagt Apel. Die Kinder oft ohne Netz und Boden, die Eltern wollten Eltern sein.
Die Fachfrau rät: „Je jünger die Kinder Hilfe bekommen, umso besser ist der Verlauf für die Kinder und dass sie gesund bleiben.“
Der Verein Auryn finanziert sich zu 90 Prozent aus Spenden. Glücklich ist Apel über die neue Schirmherrin, die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Anke Krenn.
Auryn benötigt Unterstützung für die Gruppenarbeit – für die Betreuung der Kinder durch Fachpersonal, für Bastelmaterial und Verpflegung sowie für das heilpädagogische Reiten. TV-Leserinnen und -Leser können das „Meine Hilfe zählt“-Projekt von Auryn unter der Nummer 57496 unterstützen und mit jedem Cent dazu beitragen, dass Kinder wie Ben aufgefangen werden.

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