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Wenn sich in Trier kein Rad mehr dreht

Wenn sich in Trier kein Rad mehr dreht

Das 430 Kilometer lange Trierer Straßennetz kann sehr schnell so massiv überlastet sein, dass sich im Stau kein Rad mehr dreht. Die Optimierung dieses Netzes ist der zentrale Baustein des Mobilitätskonzepts 2025.

Für Berufspendler von und nach Trier, für Bewohner und Gäste der Römerstadt sowie quasi für jeden, der sich innerhalb ihrer Grenzen motorisiert von A nach B bewegen will, ist die Quintessenz des Mobilitätskonzepts längst gelebter Alltag. Für die enorme Masse an Fahrzeugen, die sich täglich durch Trier bewegt, ist das Straßennetz bereits an normalen Werktagen zu eng. Schon kleinere Störungen wie ein wegen Baumarbeiten gesperrtes kurzes Stück einer Fahrspur der Uferstraße führen sofort zu längeren Wartezeiten. Größere Baustellen und Unfälle lassen dann kaum noch Bewegung zu, die Stadt wird zur Standmeile.
Das Mobilitätskonzept 2025 ist ein Rahmenplan für die Kommunalpolitik. Welche seiner Inhalte umgesetzt werden, liegt im Ermessen des aktuellen und der zukünftigen Stadträte und Landesregierungen. Zu den Lösungsansätzen gehören sowohl bekannte Projekte wie Nordumfahrung und Moselaufstieg als auch neue Ideen. Der TV stellt einzelne Punkte vor.

Nordbrücke: Eine Brücke über die Mosel zwischen dem Verteilerkreis Trier-Nord und der B 53 bei Biewer soll die bestehenden Moselbrücken, insbesondere die Kaiser-Wilhelm-Brücke, sowie die Moseluferstraßen durch die Schaffung einer direkteren Verbindung zwischen Biewer, Pfalzel und Ehrang mit den Gewerbegebieten und der nördlichen Innenstadt entlasten. Als Alternative schlägt das Mobilitätskonzept eine Nordbrücke auf Höhe des Stadions vor, die zusammen mit dem Wasserwegdurchbruch eine kernstadtnahe Nordtangente bilden würde.

Moselbahn- und Wasserwegdurchbruch: Diese Doppellösung würde die Metternichstraße über das Moselbahngelände hinweg direkt mit der Kürenzer Straße verbinden und damit eine nicht durch enge Wohnbebauung führende Achse schaffen, die später durch die Weiterführung des Wasserwegs zur Zurmaiener Straße ergänzt werden soll. Unsere Grafik zeigt weitere Details.
Avelertal: Dieses Kapitel umfasst mehrere Varianten, den Verkehr aus dem Avelertal in einer für alle Beteiligten erträglichen Art und Weise durch Alt-Kürenz in Richtung Trier-Nord und in die Trie rer Innenstadt zu führen.

Der Weg zur Innenstadt: Autofahrten durch die Altstadt will das Mobilitätskonzept vermeiden. Die Ost- und Westtrasse mit ihren Zufahrten vom Alleenring sollen die Haupterschließung bilden. In Verbindung mit einer Entlastung der Nordallee durch eine Nordtangente und einer Verkehrsberuhigung der Paulinstraße soll geprüft werden, ob die Zufahrt über den Simeonstiftplatz aufgegeben werden kann, um bei der Umgestaltung des Porta-Nigra-Umfelds mehr Fläche für Rad- und Busverkehr zu erhalten.
Das Mobilitätskonzept umfasst Optimierungen für jede Art der Fortbewegung. Der TV stellt die Schwerpunkte vor. Nach den bereits erschienenen Kapiteln Fußgänger, Radfahrer und Autoverkehr folgen in den nächsten Tagen Bus und Bahn.Meinung

 Heike Mertes-Biewer (47), Morscheid: "Die Straßen sind kaputt. Derzeit wird eine Str aße nach der anderen aufgerissen, überall steht man im Stau."
Heike Mertes-Biewer (47), Morscheid: "Die Straßen sind kaputt. Derzeit wird eine Str aße nach der anderen aufgerissen, überall steht man im Stau." Foto: Sarah Schumm
 Kurt Fellmann (46) aus Trier: "Die Ampelführung in Trier ist schlecht. Eine grüne Welle kann man selbst dann nicht nutzen, wenn man 50 fährt."
Kurt Fellmann (46) aus Trier: "Die Ampelführung in Trier ist schlecht. Eine grüne Welle kann man selbst dann nicht nutzen, wenn man 50 fährt." Foto: Sarah Schumm
 Benjamin Dietzen (27), Trier: "Auf Palliens Hauptstraße steht man fast immer. Außerdem ist die Stadt verstopft, wenn es auf Samstag zugeht."
Benjamin Dietzen (27), Trier: "Auf Palliens Hauptstraße steht man fast immer. Außerdem ist die Stadt verstopft, wenn es auf Samstag zugeht." Foto: Sarah Schumm
 Julia Fellmann (27) aus Leiwen: "Im Berufsverkehr steht man oft sehr lange im Stau. Sehr voll ist es am Moselufer Richtung Saarstraße."
Julia Fellmann (27) aus Leiwen: "Im Berufsverkehr steht man oft sehr lange im Stau. Sehr voll ist es am Moselufer Richtung Saarstraße." Foto: Sarah Schumm

Eine Frage der Mehrheiten
Der Verkehr in und um Trier ist nicht nur ein gewaltiges Problem, sondern auch wertvolles politisches Kapital. Welches große Straßenbauprojekt als sinnvoll gilt und welches nicht, ist deshalb keine ausschließlich sachlich und pragmatisch erörterte Frage. Mehrheiten können sich mit jeder Wahl ändern. Was eben noch als gute Lösung galt, wird plötzlich als unvertretbar abgetan. Ein neuer Koalitionspartner regiert auf Landesebene mit, und schon wird ein großes Projekt gegen den Protest der lokalen Gremien einfach abgesägt. So erging es dem Moselaufstieg. Ob auch nur ein einziges der im Mobilitätskonzept 2025 festgehaltenen Projekte jemals Realität wird, ist deshalb keine technische, sondern eine rein politische Entscheidung. Sie hängt davon ab, wie sehr Stadt, Land und Bund in ihren aktuellen Konstellationen verkehrspolitisch harmonieren. j.pistorius@volksfreund.de