Wenn Stoffe Geschichten erzählen

Beim Stichwort Textil-Innenausstattung denkt man an moderne Farben, Muster und Stoffe. Manchmal jedoch stößt ein Textil-Innenausstatter bei seiner Arbeit auf alte Geschichten, wie Franz Jochem Loch und seine Frau Marga berichten. Ihr Unternehmen hat gerade sein 50-jähriges Bestehen gefeiert.

Franz Jochem und Marga Loch bei der Stoffauswahl. TV-Foto: Bianca Theisen

Trier. Franz Josef Loch eröffnete das Geschäft "Raum & Idee" 1959. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Margot und vier Mitarbeitern machte er es sich zur Aufgabe, aus tristen Wohnungen Räume zum Leben und Wohlfühlen zu schaffen. "Am Sortiment hat sich nichts geändert, auch das Näh-Atelier gab es schon damals", sagt der Sohn und jetzige Inhaber Franz Jochem Loch.

Er übernahm die Firma 1981 nach dem allmählichen Rückzug des Vaters vollends und führt es seither gemeinsam mit seiner Frau Marga.

Was sich geändert habe, sei die Kundschaft, sagt Marga Loch. "Die Leute werden immer anspruchsvoller und beratungsintensiver, denn sie haben sich oft schon selbst im Internet informiert. "Früher habe man lediglich Stoff für neue Gardinen gewollt. Heute solle der auch mit dem Muster des Sofas und der Struktur des Teppichs abgestimmt werden, bis hin zum Tischläufer.

Für die Fantasie eines Innenausstatters sind das paradiesische Zustände: "Denn der Sinn ist, das Ganzheitliche des Raumes - alles mit Textilien auszustatten", lautet Lochs Firmenphilosophie. Auch der Wunsch, alte Möbel zu restaurieren, ist ein neueres Phänomen. Seit etwa zehn Jahren intensiviert der Betrieb die Polsterung wieder.

Dabei stoßen die Mitarbeiter bisweilen auf mehrere Lagen unerwarteten Stoffs. Denn nicht immer wurde die abgenutzte Schicht entfernt, bevor der neue Bezug angebracht wurde.

"Einmal haben wir eine ganze Fotogalerie als Ersatz für den stärkenden Karton am Sesselrücken gefunden. Ein anderes Mal einen Rosenkranz und alte Zeitungen", erinnert sich Marga Loch. So geben die alten Möbel nicht nur die Zeichen ihrer Zeit preis. Sie bieten auch Anlass für neue Geschichten, wenn sie erst einmal frisch gepolstert in die Wohnung ihrer Besitzer zurückkehren. "Das Alte erhält heute mehr Wertschätzung als vor 50 Jahren", meint Franz Jochem Loch.