Wenn Tanz verbindet...

TRIER/LUXEMBURG. Einen Querschnitt durch den Einfallsreichtum des zeitgenössischen Tanzes der Region zeigt das "Danz Festival Letzebuerg" noch bis zum bis 1. Juli im Grand Théatre. Heute um 20 Uhr stehen behinderte und nicht behinderte Tänzerinnen und Tänzer aus Trier mit einem Beitrag aus dem Bereich "Dance-Ability" auf der Bühne.

Nervosität ist nicht zu spüren im Workshop-Raum der Trierer Tufa bei dieser letzten Probe vor dem Auftritt beim Luxemburger Tanzfestival. "Das Stück steht, wir wissen, dass es klappt", sagt Maja Hehlen, die für ihre sieben Mittänzer und -tänzerinnen Jan Wülfing, Ann Cherel, Sonja Hammes, Alice Andersson, Ele Geulen, Gudrun Koerzel und Marina Idazcyk den Beitrag für das Tanzfestival in Luxemburg choreografiert hat. Ein besonderes Projekt, das die künstlerischen Leistungen von Menschen mit und ohne Behinderung verbindet. Die Idee dazu war im vergangenen Jahr bei der Werkstattperformance "W.I.R." entstanden, als Maja Hehlens Gruppe "BewegGrund" mit Improvisationstanz in Rollstühlen begeisterte und damit den Grundstein für eine Kooperation mit dem Improvisations-Ensemble "ExisTanz" des Tufa-Tanzvereins legte. "Wir haben dann geschaut, was an Material da ist und wie wir das zusammenfügen können", erzählt Maja Hehlen. Etwa zeitgleich lief die Video-Bewerbung für das "Danz Festival", die schließlich in der Einladung mündete, den heutigen Festival-Abend mit einem viertelstündigen Auftritt in der Kategorie "Newcomer" zu eröffnen. Seit Dezember wird geprobt

Seit Dezember proben die Tänzerinnen und Tänzer. "Seither ist aus der anfänglichen Improvisationsarbeit ein Stück entstanden, eine Geschichte, die in einer Bar angesiedelt ist", sagt Maja Hehlen. "Es ist spannend, von alltäglichen Situationen auszugehen und sie künstlerisch umzusetzen", meint die Choreografin, "denn oft bietet gerade das Triviale Raum für tiefsinnige Betrachtungen." Und das kommt in der Probe deutlich rüber, auch ohne dass Kostüme, Bühnenbild oder Beleuchtung zusätzliche Akzente setzen. In konzentrierten und fein abgestimmten Bewegungen, die die Möglichkeiten eines jeden berücksichtigen, befassen sich die Akteure mit dem Thema Individualität und Vielfalt in der Gemeinschaft. Sie verkörpern Charaktere, die sich zufällig begegnen, in Beziehung treten, wieder loslassen und zum Schluss dennoch ein Ganzes bilden. Das wirkt teilweise skurril überzeichnet, vor allem, wenn Katharina Bihler und Gisbert Löcher, begleitet vom Pianisten Benedikt Schweigstill, dazu Zitate aus Ildikó von Kürthys "Herzsprung" sprechen. Und es geht dank der tänzerischen Leistungen tief unter die Haut, wenn beispielsweise Jan Wülfing im E-Rollstuhl im Duo mit Maja Hehlen knisternde erotische Spannung erzeugt oder Sonja Hammes im Solo einer zarten verletzbaren Seele Ausdruck gibt. Wenn die Gruppe heute Abend auf der großen Bühne steht, hat sie Grenzen überwunden und Verbindungen geschaffen, menschlich und geografisch.