"Wenn wir es nicht machen, macht es keiner"

"Wenn wir es nicht machen, macht es keiner"

SAARBURG. Wolfgang Klotzbücher hat ein Herz für wilde Tiere: Gleich neben dem Greifvogelpark in Saarburg, den er im vierten Jahr leitet, wird der Falkner eine Pflegestation für Wildtiere einrichten. Am 8. März ist symbolischer Spatenstich.

Wildtiere haben einen schweren Stand bei den Menschen. "Sie gehören keinem, also fühlt sich auch niemand für sie verantwortlich", beschreibt Wolfgang Klotzbücher. Der Falkner und Vorsitzende des Vereins "Wildtierpflegestation Saarburg" schätzt indes die Situation anders ein. Kein Wunder: Seit Jahren beschäftigt sich Klotzbücher tagein, tagaus hautnah mit dieser Thematik."Tür an Tür" mit Wildtieren

Der 41-Jährige lebt quasi "Tür an Tür" mit Wildtieren, hat vor drei Jahren den Greifvogelpark am Engelbach zwischen Saarburg und Mannebach angelegt - wo neben Greifvögeln unter anderem Waschbären, Frettchen, Esel und Ziegen leben. Täglich um 11 und 15 Uhr bietet er Flugschauen an. "Vor diesem Hintergrund sind wir ohnehin bereits Anlaufstation für alle, die verletzte oder kranke Wildtiere haben und nicht wissen, was sie damit machen sollen", sagt Klotzbücher. Bis März vergangenen Jahres brachten viele ihre Tiere in die Auffangstation nach Wiltingen. Über viele Jahre hatte sich Vereinsmitglied Jürgen Meyer mit seiner Familie im Privathaus der kranken Wildtiere angenommen. Überwiegend Vögel, Igel und kleine Säugetiere seien bei Meyer abgegeben worden. "Jürgen Meyer hat sich mit großem Engagement der Aufgabe gewidmet und sich im Laufe der Jahre ein unheimliches Wissen rund um die Tiere angeeignet", schwärmt Klotzbücher. "Nachdem das in seinen Privaträumen auf Dauer nicht mehr zu leisten war, entstand die Idee, eine Pflegestation an den Greifvogelpark anzugliedern", sagt der Falkner. Die Idee wird nun in Kürze Realität: Ein symbolischer Spatenstich ist am Donnerstag, 8. März, auf dem Gelände am Engelbach. "Danach wollen wir so schnell wie möglich loslegen", sagt Klotzbücher. "Sobald das bestellte Holz da ist, starten wir." Komplette Neubauten sind für die Pflegestation - die die einzige weit und breit sein wird - nicht notwendig. Die Stadt hat zwei Holz-Blockhäuser - einen ehemaligen Forststützpunkt und ein Gerätehaus - ausräumen lassen und an Klotzbücher verpachtet. Umgebaut werden soll zunächst der Geräteschuppen - vier Volieren und eine Außenvoliere sind dort vorgesehen. "Wir müssen Wände einziehen, einen Durchbruch für die Außenvoliere machen, den Einbau einer Fußbodenheizung vorbereiten und das Holzhaus neu isolieren." In dem zweiten Blockhaus werden ein Behandlungsraum für verletzte und kranke Tiere, ein Quarantäne-Raum und ein kleines Büro eingerichtet. "Das Büro benötigen wir unter anderem, weil jedes Tier, das bei uns landet, registriert wird." Vorgesehen ist an diesem Haus auch "eine Art Babyklappe", wie Klotzbücher es nennt. "Es soll künftig möglich sein, dass jemand auch nachts ein gefundenes Tier im Blockhaus abgeben kann." Mehr als 700 Tiere, darunter mehrheitlich Vögel, aber auch viele Igel und Siebenschläfer, sind 2006 gebracht worden.Oberste Devise: Zurück in die Natur

Oberstes Ziel ist nach Auskunft Klotzbüchers stets das "Auswildern": "Wir wollen die Tiere gesund machen, pflegen und sie zurück in die Natur lassen." Zu 65 Prozent sei das im vergangenen Jahr gelungen. 30 Prozent seien gestorben, fünf Prozent in Pflege. Klotzbüchers Planung für das Projekt steht, einzig an der endgültigen Finanzierung hapert es derzeit noch. Auf 180 000 Euro seien die Gesamtkosten geschätzt. 40 000 Euro stünden nach momentanem Stand inklusive bereits zugesagter Spenden und Zuschüsse zur Verfügung. Klotzbücher: "Wir sind gezielt auf Sponsorensuche und sprechen darüber hinaus Baufirmen an, ob sie uns die eine oder andere Leistung unentgeltlich anbieten." Klotzbücher selbst wird sich - gemeinsam mit Tierärzten der Region - ehrenamtlich um die Pflegestation kümmern. Seine Motivation: "Als Falkner ist man Tierfreund und beobachtet und liebt die Natur. Und eines ist klar: Wenn wir dieses Projekt nicht angehen, macht es keiner."