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Teuer und begehrt: Wohnen auf der Sonnenseite Triers

 Historie trifft Moderne: Im denkmalgeschützten Haus Porta-Nigra-Platz 5 und dem Neubau Petrusstraße 1 (rechts) – beides Projekte der Firma Ifa – kostet der Quadratmeter Eigentumswohnung um die 3650 Euro.
Historie trifft Moderne: Im denkmalgeschützten Haus Porta-Nigra-Platz 5 und dem Neubau Petrusstraße 1 (rechts) – beides Projekte der Firma Ifa – kostet der Quadratmeter Eigentumswohnung um die 3650 Euro. FOTO: Roland Morgen
Trier/Schillingen. Wer es hochwertig haben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Ganz besonders in Trier. Ein Investor sagt, woran es liegt. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Der Ansturm auf die Wohnungen im frisch fertiggestellten Neubau in der Petrusstraße gegenüber der Porta Nigra war groß. „Alle 18 waren bereits im vergangenen Sommer verkauft“, meldet Investor Wolfgang Schäfer (62), Gründer und Geschäftsführer der Ifa Gesellschaft für Immobilien (Schillingen). Auch nebenan in dem von der Ifa aufwendig renovierten Altbau von 1905 ist alles längst weg – trotz Quadratmeterpreisen von 3650 Euro. Da schluckt der Normalverdiener, der Branchenkenner nicht: Andernorts in Trier werden locker 4200 Euro je Quadratmeter verlangt – und gezahlt. „Wir sind also längst nicht die teuersten Anbieter“, betont Schäfer und fügt hinzu: „Unsere Preise sind auch keine Mondpreise. Sie haben ihre Berechtigung.“

Bauen in Trier sei eine kostspielige Angelegenheit: „Da fängt mit exorbitant hohen Grundstückspreisen an und geht mit einer Fülle von Auflagen etwa für Schall- oder Brandschutz weiter.“ Wer bauen will, müsse neben Geld auch Zeit haben: Drei Jahre und acht Monate habe es gedauert, bis er die Baugenehmigung für ein Projekt in der benachbarten Paulinstraße erhalten habe und 2017 endlich loslegen konnte. In jenem Fall spielte auch die Archäologie eine Rolle. Der Neubau ist mitten auf einem römischen Gräberfeld entstanden. Deshalb waren ausgedehnte Grabungen des Landesmuseums nötig, an denen sich der Investor, wie in Trier üblich, finanziell beteiligt hat. Lange Bebauungsplanverfahren seien keine Trierer Spezialität: „Ich kann der Stadtverwaltung keinen Vorwurf machen. In Koblenz oder Kaiserslautern geht es auch nicht schneller.“ Leise (System-) Kritik ist dennoch zu vernehmen: „Das liegt an den Strukturen in der Verwaltung.“

Und „billiger bauen“ ist laut Schäfer „keine Option, um Endpreise zu senken. Ein Rohbau kostet immer das gleiche Geld. Das gilt auch für eine Eigentums-Wohnanlage. Spielraum für Preisgestaltung eröffnet sich erst mit der Ausstattung und den Extras.“ Luxuswohnungen sind begehrt. Abnehmer sind laut Ifa zwei etwa gleich groß Gruppen: Kapitalanleger und Eigennutzer. Auffallend: „Viele Menschen aus dem Umland wollen in die Stadt.“

Die Ifa ist gut und überregional im Geschäft. Allein in Trier hat das 1993 gegründete Schillinger Unternehmen bislang rund 500 Wohnungen gebaut oder in der Realisierung und dabei nach eigenen Angaben etwa 150 Millionen Euro investiert. Den Erfolg der Ifa führt Schäfer „nicht zuletzt auf den Einsatz eines festen Stammes von qualifizierten Handwerksunternehmen zurück. Unter uns geht es sehr familiär zu.“

Auch wenn diese Firmen sich zunehmend mit Nachwuchsproblemen konfrontiert sehen. Josef Frank (59) aus Beuren/Hochwald, Geschäftsführer der Waderner Firma Schunk und Ritz (Dachdeckerei, Klempnerei, Zimmerei) spricht Klartext: „Wir bekommen kaum noch Fachkräfte. Die Perspektive, bis 67 arbeiten zu müssen, schreckt ab. Die Zeiten, da Lehrstellenbewerber Schlange standen, sind längst vorbei. Vor 20 Jahren waren es noch 70 bis 80 Interessenten. Für den Ausbildungsstart 1. August 2018 lag mir genau eine Bewerbung vor.“ Folge: „Ich habe Kunden, die müssen mittlerweile ein Jahr auf mich warten.“ Die Ifa gehöre nicht dazu: „Wir arbeiten gut und vertrauensvoll zusammen. Die Chemie stimmt.“

Kurt Hassler (56), Inhaber der gleichnamigen Bauelemente-Firma aus Weiskirchen im Hochwald, pflichtet bei: „Die Ifa verlangt keine Billigmacherei. Dort kann ich handwerkliche Qualität durchsetzen.“

Vielleicht auch bald bei einem weiteren Ifa-Projekt in Trier. Schäfer will 60 Sozialwohnungen bauen, und zwar dort, wo der Laie es wohl nicht vermutet: auf dem städtischen Parkplatz in der Maarstraße (Stadtteil Nord). Das 1660 Quadratmeter-Areal will er überbauen: „Ich habe der Stadt diesen Vorschlag gemacht und warte auf Antwort.“ Er sieht gute Chancen: „Die Landesregierung hat ein vorbildliches Förderprogramm für sozialen Wohnungsbau aufgelegt. Aber das nützt nichts, wenn kein Baugrund zur Verfügung steht.“ Die 60 öffentlichen Parkplätze sollen nicht verloren gehen, sondern ins Bauvorhaben integriert werden. Das, so Wolfgang Schäfer, würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Dringend benötigten Wohnraum schaffen in Verbindung mit einer intelligenten Lösung für öffentlichen Parkraum.“

 Auf diesem öffentlichen Parkplatz in der Maarstraße (Trier-Nord) möchte die Ifa 60 Sozialwohnungen bauen – und die öffentlichen Stellplätze integrieren.
Auf diesem öffentlichen Parkplatz in der Maarstraße (Trier-Nord) möchte die Ifa 60 Sozialwohnungen bauen – und die öffentlichen Stellplätze integrieren. FOTO: Roland Morgen