Wer wird neuer Chef in Trier-Mitte/Gartenfeld?

Diskussionsrunde : Wer wird neuer Chef in Trier-Mitte/Gartenfeld?

Mehr als 70 Zuschauer verfolgen am Montagabend die Diskussionsrunde der Kandidaten, die  auch zu einem Plädoyer für die Bedeutung der Ortsbeiräte wird.

Die Diskussion taucht insbesondere vor Kommunalwahlen auf: Sind Ortsbeiräte als politische Gremien noch zeitgemäß? Haben sie noch die Chance, Dinge anzustoßen und zu verändern, oder stehen sie im Schatten des Stadtrats? Die Diskussionsrunde mit drei der vier Kandidaten für das Amt des Ortsvorstehers von Trier-Mitte im Zentrum des Vereins Schmitz am Montagabend zeigt das Interesse vieler Menschen an kleinen Gremien. Das Zentrum ist voll, einige Zuschauer müssen die Debatte im Stehen verfolgen.

Auch die Zahl der Kandidaten, die am 26. Mai Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld werden wollen, ist hoch. FDP-Kandidatin Isabelle Marie Kulle musste ihre Teilnahme an der Diskussionsrunde aus familiären Gründen kurzfristig absagen. Milena Meß, ursprünglich Kandidatin der Linken, ist dagegen nicht mehr im Rennen – denn sie ist ein paar Monate zu jung, wie sich jetzt herausgestellt hat. Wer Ortsvorsteher werden will, muss sein 23. Lebensjahr am Tag der Wahl, in diesem Fall am 26. Mai, vollendet haben.

So diskutiert TV-Redakteur Rainer Neubert, der Moderator des Abends, mit drei der vier antretenden Kandidaten. Mit dabei sind Gastronom Norbert Freischmidt (CDU), Informatik- und Rechtsexperte Michael Düro (Bündnis 90/Die Grünen) und die Hausfrau und Elternsprecherin der Egbertschule, Sylvia Mayer-Stenzel (SPD).

Die Egbertschule wird dann auch zum ersten großen Thema. Zum Hintergrund: Der Stadtrat hat 2016 den Grundsatzbeschluss gefasst, das Schulgebäude zu sanieren und zu erhalten. „Doch Planungssicherheit gibt es erst, wenn die Stadt endlich einen konkreten Baubeschluss hinbekommt“, sagt Mayer-Stenzel. „Stattdessen gibt es immer neue Hiobsbotschaften.“

„Die Grundschule gehört definitiv ins Gartenfeld“, sagt Freischmidt. Die von anfangs geschätzten 2,3 Millionen Euro auf 3,75 Millionen Euro gestiegenen voraussichtlichen Sanierungskosten kommentiert er mit Humor: „Baudezernent Andreas Ludwig nennt immer neue Zahlen, aber auch immer ehrlichere.“ Der Saal lacht. Auch Düro plädiert für Egbert. „Das Gartenfeld braucht diese Infrastruktur“, sagt er. „Die Ausweichlösung Kürenz hat sich festgefahren.“

Das zweite große Thema des Abends ist der Verkehr – ein zentrales Problem der Innenstadt, das von fehlendem Parkraum über eine lückenhafte Randinfrastruktur bis zum Individualverkehr reicht. Hier sind die Kandidaten unterschiedlicher Meinung. „Die Leute sollen wegkommen vom Auto“, fordert Düro. „Wir müssen den motorisierten Verkehr in seine Schranken wiesen. Fußgänger und Radfahrer sollen auf Triers Straßen keine Angst haben müssen.“ Dem widerspricht Norbert Freischmidt nicht, betont aber: „Es ist wichtig, dass die Stadt ausreichend Parkraum anbietet. Es ist inakzeptabel, den Anwohnern ihre Parkflächen wegzunehmen, wie es in der Hindenburgstraße geschehen ist.“ Sylvia Mayer-Stenzel fordert: „Die Verkehrsteilnehmer dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“ Konkret tritt sie dafür ein, die Neustraße zur Fußgängerzone zu machen.

Die Zukunft der Innenstadt, hier sind sich die Kandidaten einig, besteht aus vielen Elementen: einem flexiblen Einzelhandel (Michael Düro), Angeboten wie Park-and-Ride (Norbert Freischmidt) und der Verbindung zwischen Einkauf und Erlebnis (Sylvia Mayer-Stenzel).

Die Rolle der Ortsbeiräte ist das letzte große Thema des Abends, das auch die 70 Zuschauer zum regen Mitdiskutieren motiviert. Dabei zweifelt niemand an der Bedeutung der kleinen Räte und der Ortsvorsteher. „Der Ortsvorsteher ist die Schnittstelle“, sagt Michael Düro. „Er braucht das Mandat des Ortsbeirats und hat die wichtige Aufgabe, Konsens herzustellen.“ „Der Ortsbeirat ist ein wichtiges Team, das die Interessen der Menschen vor Ort vertritt“, ergänzt Sylvia Mayer-Stenzel. „man muss nicht im Stadtrat sitzen, um etwas für seinen Ortsteil erreichen zu können.“ Das jährliche Budget des Ortsbeirats Trier-Mitte/Gartenfeld beträgt 32 000 Euro. „Das ist nicht die Welt, aber man kann gezielt und sinnvoll damit arbeiten“, sagt Norbert Freischmidt, der seit 2004 in diesem Ortsbeirat sitzt.

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