Wer zu spät kommt...

Es ist legitim, dass die Stadt die Zweitwohnsitzsteuer einführen möchte. Denn sie kann es sich nicht mehr leisten, diesen Schritt nicht zu tun. Die Finanzlage ist so katastrophal, dass die prognostizierten 1,5 Millionen Euro jährlich dringend benötigt werden, um ein Mindestmaß an freiwilligen Leistungen für Sport, Kultur und Vereine aufrecht erhalten zu können.

Trier muss weiter in seine Infrastruktur investieren, um attraktiv zu bleiben - nicht zuletzt als Universitäts-Standort. Andere Uni-Städte sind bei der Zweitwohnsitzsteuer bereits vorgeprescht. Eine Kommune, die hier spät oder garnicht reagiert, muss zusehen, wie ihre Einwohner abwandern; nämlich diejenigen, die anderswo studieren oder arbeiten und dann dort ihren Erstwohnsitz anmelden, um der Zweitwohnungssteuer zu entgehen. Die Frage ist allerdings, ob Trier es heute noch nötig hätte, eine weitere Steuer einzuführen, wenn man sich in den 90er-Jahren nicht so dilettantisch bei dem Versuch angestellt hätte, die Studenten auf freiwilliger Basis zu ködern. Statt offen und ehrlich für den Erstwohnsitz zu werben, wurden die neuen Bewohner in unpersönlichen Schreiben mehr oder weniger genötigt, die Vollbürgerschaft eintragen zu lassen. Kein Wunder, dass da viele auf stur geschaltet haben. Jetzt scheint die Verwaltung den richtigen Ton zu treffen. Es ist auch wichtig, dass der OB diese Angelegenheit zur Chefsache gemacht hat. Denn er kann am ehesten deutlich machen, wie sehr Trier auf seine Erstwohnsitz-Einwohner angewiesen ist. a.follmann@volksfreund.de