Werkstatt der Schreiberlinge

TRIER. Einmal so schreiben können wie Thomas Mann: dem Traum vom Schriftstellerdasein kamen elf Studierende zumindest ein klein wenig näher. Sie besuchten eine Schreibwerkstatt mit der Freiburger Autorin Annette Pehnt.

Ruhe liegt über dem Seminar-Raum, die Sonne scheint durchs Fenster. Zehn Frauen und ein Mann sitzen an den in U-Form angeordneten Tischen, die Köpfe über Schreibblöcke gebeugt. Nur das Kratzen der Stifte auf dem Papier durchbricht die Stille. Ab und zu halten einige inne, schauen gedankenverloren aus dem Fenster, und schreiben dann weiter. Die Studierenden der Universität haben die Möglichkeit genutzt, einmal auszubrechen aus dem akademischen Alltag. Von der Autorin Annette Pehnt wollten sie in einer zweitägigen Schreibwerkstatt, die vom "Trier Center for American studies" und von der Nikolaus-Koch-Stiftung unterstützt wurde, lernen, kreativ zu schreiben.Erfahrungen aus den USA

Pehnt selbst ist promovierte Anglistin, hat ihre akademische Laufbahn aber beendet und konzentriert sich ganz aufs Schreiben. 2001 erschien ihr Erstlingswerk "Ich muss los" (2001), im vergangenen Jahr dann der zweite Roman "Insel 34." Die Idee zum Wechsel von der Akademikerin zur Schriftstellerin kam ihr während eines USA-Aufenthalts, wo sie an mehreren Schreib-Workshops teilnahm und ihren Spaß am kreativen Schreiben entdeckte. Diese Erfahrung will sie an die Trierer Studierenden weitergeben. Im Verlauf des Workshops erarbeitet sie zusammen mit den Teilnehmern, wie man Situationen erfindet sowie Schauplätze und Figuren kreiert. Das Endprodukt steht hinten an: "Wir arbeiten prozessorientiert. Wichtiger als ein makelloses Ergebnis ist der Vorgang des Schreibens an sich", sagt Annette Pehnt, ehe sie die erste Schreib-Übung erklärt. Die Aufgabenstellung: einen beliebigen Gegenstand beschreiben, den die Teilnehmer an diesem Tag mitgebracht haben. Bananen, Bürsten oder eine Magister-Arbeit rücken in den Mittelpunkt des Interesses. Auch die Autorin selbst macht mit, schließlich "bekomme ich hier genauso neue Ideen wie ihr”.Training für das Selbstbewusstsein

Nach zehn Minuten werden die Ergebnisse präsentiert. Am Anfang zögern einige noch, den anderen ihre Texte vorzulesen. Die Scheu legt sich aber bald. Nach der Einstiegsübung wird es schwieriger. Annette Pehnt übt mit den Studierenden, Roman-Anfänge zu schreiben und Material zum Schreiben zu finden. Postkarten und Kontakt-Anzeigen werden als Hilfsmittel benutzt, um Schauplätze und Situationen zu kreieren. In jeder Übung zeigt sich die Vielfalt innerhalb der Gruppe, die unterschiedlichsten Ergebnisse kommen zustande. Doch Kritik der Autorin braucht dabei keiner zu fürchten: Annette Pehnt gibt unsicheren Teilnehmern Tipps, warnt vor abgedroschenen Wendungen und lobt, wenn ihr etwas gut gefällt. Denise Dräger, eine der Teilnehmerin des Workshops, hat in der Schreibwerkstatt "Selbstbewusstsein zum Schreiben gewonnen." Außerdem eine wichtige Erkenntnis: "Ich weiß jetzt, dass man aus allem eine Geschichte machen kann."

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