Wermutstropfen im Weinglas

Triers neue Weinkönigin (Stefanie Weinberger) war schnell gefunden, die Suche nach einem Protektor verlief bislang erfolglos. "Deshalb kann ich nicht garantieren, dass es 2008 noch ein Trierer Weinfest geben wird", orakelt Olewigs Winzerchef Peter Terges.

Trier-Olewig. Manchmal wird man fündig, ohne zu suchen. Für die Trier-Olewiger Winzer, die seit 58 Jahren das Trierer Weinfest ausrichten und die Majestäten küren, stellte sich die Frage nach der neuen Weinkönigin diesmal gar nicht erst.Stefanie Weinberger: Noch Prinzessin, bald Königin

"Hätte sie abgelehnt, dann hätten wir großes Pech gehabt. So aber war völlig klar, dass an Stefanie Weinberger kein Weg vorbei führt", erklärt Oberwinzer Peter Terges (53) und liefert die Begründung gleich mit: "Sie ist waschechte Olewigerin, gehörte schon als Kind unserer Winzertanzgruppe an und macht zurzeit an der Seite von Weinkönigin Ursula Bach einen sehr guten Job als Prinzessin."Mit dem Karrieresprung geht für Stefanie Weinberger ein Traum in Erfüllung: "Ich wollte schon immer Weinkönigin werden", sagt die 22-Jährige, die nun das nachholt, was Mutter Cornelia (geborene Becker) sich einst verwehrte: "Sie war 1976 Prinzessin, hat es dann aber abgelehnt, noch ein Jahr als Königin dranzuhängen."Die öffentliche Krönungsfeier am Mittwoch, 1. August, im Olewiger Klostergarten gilt im Hause Weinberger als "das Top-Ereignis des Jahres". Es gibt nur ein kleines organisatorisches Problem: Zwei Dutzend Freunde und Bekannte von der Technischen Hochschule Aachen, an der Stefanie Weinberger Französisch und Englisch für das Lehramt an Gymnasien studiert, wollen zur Krönung und zum Trierer Weinfest (3. bis 6. August) nach Olewig kommen: "Ich weiß noch nicht, wo ich die Leute alle unterbringen soll." Die "Fan-Unterstützung" ist aber hoch willkommen. Stefanie Weinberger betrachtet sie nicht zuletzt als Ausdruck erfolgreicher Überzeugungsarbeit. Gemeinsam mit der ebenfalls in Aachen studierenden Noch-Königin Ursula Bach (27) habe sie in den vergangenen Monaten "viele Leute in Nordrhein-Westfalen auf den Moselwein-Geschmack gebracht".Bislang ergebnislos geblieben sind hingegen die Bemühungen von Winzerchef Peter Terges, einen Schirmherren für die 59. Weinfest-Auflage zu finden. Ein Problem von existenzieller Bedeutung: "In diesem Jahr könnten wir notfalls und ausnahmsweise das Fest ohne fremde Unterstützung ausrichten. Das würde aber vermutlich so sehr an die Substanz gehen, dass es 2008 kein Trierer Weinfest mehr gibt." Schirmherrschaft kostet 5000 Euro

Und damit vermutlich auch keine Weinkönigin, die Triers Rebensäfte bei jährlich rund 50 Einsätzen in der Region sowie bei festlichen Anlässen in Luxemburg, Metz und Olewigs elsässischer Partnergemeinde Barr repräsentieren.Die Frage nach dem Protektoren-"Anforderungsprofil" beantwortet Terges so: "Er sollte 5000 Euro mitbringen, wenn er eines der traditionsreichsten Feste in der ältesten Stadt Deutschlands weiter bestehen lassen will." Im vergangenen Jahr hatten die Stadtwerke die Schirmherrschaft übernommen. Alleine der Fest-Samstag zog 25 000 Besucher an.