Wider das Klischee

Erstmals steht eine Frau an der Spitze des Caritasverbandes Trier: Sandra Bartmann löst als neue Direktorin Bernd Kettern ab, der zum Diözesan-Caritasverband wechselt. Bekannt wurde die 39-Jährige als Stadtratsmitglied der Grünen.

Trier. Eine Grüne als Chefin einer kirchlichen Wohlfahrtsorganisation - und das ausgerechnet in Trier. Dieses Anti-Klischee ist für Sandra Bartmann "absolut kein Widerspruch und keine politische Frage. Ich bin gläubige Katholikin und hatte noch nie ein Problem damit, christliche Verantwortung zu übernehmen." Für die Trierer Kirche zu arbeiten, sei "ein persönliches Ziel gewesen, seit ich meine Diplom-Arbeit an der Uni Trier geschrieben habe", sagt die 39-jährige Diplom-Psychologin.

600 Mitarbeiter in 61 Einrichtungen und Diensten



Thema der Arbeit war das "Leitungsverhalten von Pfarrern", entstanden ist sie im Zusammenarbeit mit dem Generalvikariat: "Daraus haben sich viele Kontakte ergeben und Freundschaften entwickelt. Die Arbeit war für mich viel mehr als nur formaler Studien-Abschluss. Sie hat dazu geführt, dass ich in der Trierer Kirche Heimat gefunden habe." Beruflich verschlug es die aus dem Bergischen Land stammende Wahl-Triererin (seit 1992) aber zunächst nach Luxemburg. Fast zehn Jahre lang pendelte sie ins Großherzogtum, wo sie für verschiedene internationale Konzerne als Personalleiterin arbeitete. Ein Wohnort-Wechsel kam nicht infrage: "Ich fühle mich als echte Triererin und will es bleiben." Seit 2000 wohnt sie in direkter Nachbarschaft zum Dom.

In ihrer Wahlheimat bekannt geworden ist Sandra Bartmann als Kommunalpolitikerin. Von 1999 bis 2004 gehörte sie für die Grünen dem Stadtrat an. Schwerpunktthema: Sozialpolitik. Aus beruflichen Gründen verzichtete sie bei der Kommunalwahl 2004 auf einen vorderen Stadtrats-Listenplatz, kandidierte aber für den Ortsvorsteher-Posten in Trier-Mitte/Gartenfeld und erreichte für Grünen-Verhältnisse astronomische 31 Prozent in einem Dreier-Bewerberfeld. Das Rennen machte damals CDU-Frau Ricarda Kuhner. Eine Rückkehr in die "große Kommunalpolitik", sprich Stadtrat, ist für Sandra Bartmann heute kein Thema mehr. Ihr frisch bestätigtes Mandat im Ortsbeirat Trier-Mitte will sie aber wahrnehmen - "im Rahmen meiner verbleibenden Möglichkeiten".

Der Caritas-Job sei ein ausfüllendes Programm, aber auch ein erfüllendes: "Aus christlicher Verantwortung heraus bleibt es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unser Ziel, vielen Menschen in Not in qualifizierter Weise Hilfen anbieten zu können. Dies ist angesichts immer leerer werdender Kassen eine besondere Herausforderung. Ich bin sehr stolz, nun am caritativen Auftrag der Kirche mitzuarbeiten." Als Direktorin und Mitglied des fünfköpfigen Vorstands trägt Sandra Bartmann Verantwortung für 61 Einrichtungen und Dienste der Caritas in Trier und Trier-Saarburg mit mehr als 600 Mitarbeitern. Sie tritt die Nachfolge von Bernd Kettern (48) an, der nach 15 Jahren Abteilungsleiter und Vize-Direktor des Diözesan-Caritasverbandes wird.

Bartmanns Amtseinführung und Ketterns Verabschiedung findet am Donnerstag, 9. Juli, nach einem Gottesdienst in der Jesuitenkirche (15 Uhr) auf dem Gelände des Priesterseminars, statt.