Widerstand gegen mehr Leuchten

In der Wilhelm-Leuschner-Straße in Trier-Nord werden derzeit Versorgungsleitungen der Stadtwerke verlegt. Bei der Gelegenheit sollen auch die 46 Jahre alten Laternen erneuert werden. Anwohner wehren sich: Sie sollen mit 75 Prozent an den Kosten beteiligt werden.

Streit um die Leuchten: In der Wilhelm-Leuschner-Straße sollen die alten Pilzlaternen durch eine größere Anzahl neuer und hellerer Modelle ersetzt werden. TV-Foto: Dorothee Quaré

Trier-Nord. Die Laternen in der Wilhelm-Leuschner-Straße sind veraltet: Seit 1963 ist dort nichts mehr an der Wasser-, Licht- und Gasversorgung gemacht worden. Daher sollen neue Lampen her, die Anwohner werden laut Auskunft der Stadt mit 75 Prozent an den Kosten beteiligt.

Dagegen haben sie sich gewehrt: Anwohner Günter Steinmetz gründete eine Bürgerinitiative und legte Widerspruch beim Rathaus ein. Die Hauptkritikpunkte: Den Anwohnern wurde kein Mitspracherecht eingeräumt, etwa bei der Frage, welche Modelle verwendet werden und wieviele zusätzliche Leuchten notwendig sind.

"Außerdem möchten wir nur 60 Prozent der Kosten tragen, da die Wilhelm Leuschner-Straße keine Anliegerstraße ist", sagt Steinmetz. Unter anderem führe sie zu einem der größten Trierer Arbeitgeber, dem Brüderkrankenhaus und werde bei Veranstaltungen im Stadion als Parkraum genutzt. Und das letzte wichtige Argument: "Die Seitenwege der Wilhelm Leuschner-Straße werden von Anwohnern der Zurmaiener- und der St. Mergener-Straße genutzt, die dort regelmäßig ihre Mülltonnen und -säcke abstellen, sich über die Wilhelm Leuschner-Straße Möbel liefern lassen. Warum müssen diese dann nicht auch für die Laternen dort zahlen? Es geht doch um ‚rechtliche und tatsächliche Zufahrt'."

Die Stadt hat mit einer Anliegerversammlung reagiert, bei der sich Vertreter der Stadt, darunter der Leiter des Tiefbauamts, Wolfgang van Bellen, den Fragen der zahlreich erschienenen Bürger stellten. "Über all die Jahre wurden die Seitenwege nicht beleuchtet, warum dann jetzt? Jedes Haus hat doch seine Beleuchtung!" und "Wir wollen nicht, dass uns ins Schlafzimmer hineingeleuchtet wird!", argumentierten erboste Anwohner. Zudem käme bei einer Grundstücksgröße von 200 Quadratmetern Kosten von rund 450 Euro auf sie zu, erfuhren sie.

Die Stadt kontert mit Fragen der Verkehrssicherheit und antwortet auf die Argumente Steinmetz': Die in der Stadt überall eingesetzten "Bega-Leuchten" seien DIN-gerecht und kostengünstig in der Beschaffung. Für die Grundstücke der St. Mergener-Straße bestehe keine direkte Möglichkeit der Zufahrt zur Wilhelm-Leuscher-Straße, sie seien über die Benediktinerstraße erschlossen.

"Die Grundstücke der Zurmaienerstraße, die an die Seitenwege angrenzen, werden im Rahmen der Beitragserhebung miteinbezogen", teilt Jürgen Backes, Pressesprecher der Stadtverwaltung, mit. Und zuletzt: "Die Beleuchtungseinrichtung dient in erster Linie den jeweiligen Grundstückseigentümern der Wilhelm-Leuschner-Straße." Daher müssten diese 75 Prozent der Kosten tragen, zumal die Straßenbeleuchtung in erster Linie dem fußläufigen Verkehr diene. Backes: "Der auf der Fahrbahn dominierende Kraftfahrzeugverkehr ist wegen seiner Ausstattung mit eigener Beleuchtung weitaus weniger auf die Straßenbeleuchtung angewiesen als der Fußgänger."

Günter Steinmetz stellt trocken fest: "Ich habe in dieser Angelegenheit mit einem Rechtsanwalt gesprochen, der mir von vorherein wenig Hoffnungen gemacht hat. Trotzdem erwarte ich von einer bürgerfreundlichen Stadt, dass sie im Vorfeld Kontakt mit den Anwohnern aufnimmt und nicht einfach über deren Köpfe hinweg entscheidet!"