Wie aus Schrott Kunst wird

Böse Zungen lästern zuweilen über moderne Kunst. Das sei doch alles nur Schrott, lauten Vorurteile. Yvonne Drautzburg aus Trier macht tatsächlich aus Schrott Kunst.

Trier-Ehrang. Alles hat mit einem Schweißkurs angefangen. Den hatte sie sich zum Geburtstag gewünscht. Und war sofort Feuer und Flamme. "Andere Frauen freuen sich über einen Tanzkurs", sagt Yvonne Drautzburg. "Bei mir war\'s der Schweißkurs. Seitdem stehe ich täglich in meiner Garage und bin am Schweißen." Um sie herum türmen sich die unglaublichsten Gebilde. Schrott in allen Variationen. Bleche, Stangen, Schrauben.
Menschen ganz nah


Nach den Berufsjahren als Diplom-Designerin für Kommunikation wollte die Triererin nach der Geburt ihrer Kinder etwas "völlig anderes" machen: "Ich habe die Herausforderung gesucht. Wollte etwas machen, das ich bezwingen kann." Der Funke sprang über - beim Schweißkurs. Da wusste sie es auf einmal: "Du sammelst Schrott und machst daraus etwas Tolles."
Seitdem zieht es Yvonne Drautzburg auf die Schrottplätze der Region, was nicht immer ganz ungefährlich ist. Und darum lässt Ehemann Uwe seine Frau auch nicht alleine "da draußen". Das Kommando auf dem Schrottplatz aber hat sie. "Die Form der Teile spricht mich an und dann sammle ich ein, was mir gefällt und was mein Mann noch tragen und transportieren kann."
Zu Hause in Trier-Ehrang legt sie die Teile auf dem Boden aus. Sie kombiniert, schiebt, dreht und wendet sie, bis schließlich Figuren entstehen, die mystischen Fabelgeschichten entsprungen zu sein scheinen. "Ich habe Kunstgeschichte und Ägyptologie studiert. Die alten Völker inspirieren mich bei meiner Kunst."
Während die zierliche Frau mit den langen dunklen Haaren die Schutzbrille aufsetzt, zur Flex greift und die Funken sprühen lässt, bekommt der mannshohe Frosch, den sie gerade ohrenbetäubend laut traktiert, noch ein Krönchen aufs Haupt. "Ideen zucken wie Blitze durch meinen Kopf. Es ist die Art der Zusammenstellung, das Verhältnis von Form und Größe, was meinen Objekten neues Leben einhaucht."
"EisenArtig" nennt die Künstlerin ihre Werke. Mal sind sie majestätisch erhaben, mal beschwingt, witzig oder auch erotisch. In einer Luxemburger Galerie stellt die Triererin in diesem Herbst bereits zum dritten Mal aus, und auch die Trierer Kunstszene beginnt, sich für die Schrottkünstlerin zu interessieren. Ihr Garten ist ein Skulpturenpark. Auf vielen Objekten funkeln Steine, schimmert Gold oder liegt Patina.
Neulich erst hat Yvonne Drautzburg eine Kiste mit Hufeisen im Internet ersteigert. "Was ich damit mache, weiß ich noch nicht." Aber: "EisenArtig aber wird\'s auf jeden Fall!"