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Wie barrierefrei ist Trier? Schülerinnen testen Stadtrundgang und einen Wanderweg im Rollstuhl

Wie barrierefrei ist Trier? Schülerinnen testen Stadtrundgang und einen Wanderweg im Rollstuhl

Aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers hat eine Projektgruppe der Berufsbildenden Schule für Wirtschaft die Stadt erkundet. Ihr Fazit: Man kommt in Trier meist zurecht, aber vieles könnte verbessert werden.

Trier. Wie ist es, wenn Rollstuhlfahrer in Trier einen Stadtrundgang mitmachen möchten? Und wie tauglich sind die Wanderwege in der Region für Rollis? Im Rahmen eines Abschlussprojekts mit der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) hat eine Schülerinnengruppe der Berufsbildenden Schule (BBS) für Wirtschaft die Stadt im Rollstuhl erkundet. Ziel war es, Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.
Zunächst setzten sich die sechs Schülerinnen zwischen 18 und 22 Jahren mit dem Thema Barrierefreiheit auseinander und stellten fest: Menschen sind nicht an sich behindert, doch die Umwelt behindert sie, beispielsweise, wenn sie mit dem Rollstuhl nicht überall hin können.
Die Schülerinnen befragten zwei Experten: Hejo Kessler, der ein Wohnheim der Lebenshilfe leitet, und Heike Unterrainer, Mitglied des Trierer Behindertenbeirats. Beide führten Schwierigkeiten für Rollstuhlfahrer in der Innenstadt auf: das holperige Kopfsteinpflaster, hohe Bordsteine, kurze Ampelphasen. Öffentliche Gebäude, Kneipen und Veranstaltungszentren seien oft nicht barrierefrei, in Geschäften seien Umkleidekabinen zu klein, Behindertentoiletten seien abgesperrt.
"Es ist nicht so einfach, einen geeigneten Ort für ein Treffen zu finden", stellte Heike Unterrainer fest. Insgesamt werde Trier aber immer barrierefreier, auch in Bezug auf andere Behinderungen: In Lokalen gebe es Speisekarten in Blindenschrift oder spezielle Apps. Im Großraumkino Cinemaxx gebe es eine App für Hörgeschädigte.
Für die Erkundungen teilten sich die Schülerinnen in zwei Gruppen auf, wobei jeweils eine Schülerin im Rollstuhl saß. Beim Stadtrundgang musste Miriam (18) steile Rampen und unebenes Pflaster bewältigen. Sie stellte fest, dass viele Trierer Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt im Rollstuhl gut zu erreichen waren. Für Behindertentoiletten hatte die Gästeführerin einen Schlüssel dabei. Schwierigkeiten gab es mit manchen Eingangstüren wie zum Beispiel zum Dom, die schwer zu öffnen waren. Die Krypta konnte sie nicht ansehen. Und eines fiel ihr auf: "Ich wurde oft von den Leuten angestarrt."
Neda (19) war im Rollstuhl auf einem Wanderweg auf dem Petrisberg unterwegs. Hier gab es vielfältige Schwierigkeiten: Wege waren oft steil oder steinig, teilweise auch matschig, oder es lagen Äste herum. Im Wald mussten Schranken umfahren werden, oft gab es Unebenheiten. "Der Wanderweg ist für Rollstuhlfahrer alleine nicht zu bewältigen", stellte sie fest.
Am Ende ihres Projekts waren die Schülerinnen sich einig: "In Sachen Barrierefreiheit könnte man in Trier noch vieles verbessern. Wir finden es gut, dass sich immer mehr Menschen für dieses Thema interessieren."
Den Bericht haben die Schülerinnen Sultan Bayar, Daphne Beckendorf, Susanna Meninno, Neda Lajevardy, Miriam Quaré und Jennifer Rothgerber erstellt.