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Wie Crème Caramel in der Wüste

Wie Crème Caramel in der Wüste

TRIER. Kann man mit geschlossenen Augen lächeln? Eigentlich nicht, aber die Berliner Chansonière Mouron schafft dies spielend. Neben ihrem ausgeprägten Mimiktalent überzeugt sie jedoch vor allem musikalisch. Gemeinsam mit ihrem Pianisten begeistert sie mit dem "vis-à.vis"-Programm das leider mehr als überschaubare Publikum in der Tuchfabrik.

Verquere Künstlerwelt - man steckt nicht wirklich drin in den Mechanismen des Musikgeschäftes. Das letzte Trier-Konzert von Mouron und Terry Truck war bis auf ebendiesen letzten Platz ausverkauft, dieses Mal fanden nicht mal zwanzig Leute den Weg in die Tufa, und dass obwohl das Schneechaos längst beseitigt ist. Doch davon lässt sich die Dame mit dem ausdrucksstarken Gesicht nicht beeindrucken. Zwei Stunden lang wächst sie auf der Bühne über sich hinaus, singt, schauspielert und scherzt mit Terry Truck, ihrem Kompagnon am Klavier. Dieser streut mit very britischem Akzent Anekdötchen ins sonst frankophile Chansonprogramm und bildet mit der mal humorig-agil mal melancholisch-fragil auftretenden Sängerin ein Duo, das vor Spielfreude strahlt. Eine schier unerschöpfliche Themenvielfalt erzählt von Linkshändern, die jenseits des rechten Weges früh lernten, dass anders sein durchaus ein Gewinn sein kann, vom verpassten Père Noël, von mutigen Lebensphilosophien wie "Qui ne risque rien, n'a rien" (Wer nichts wagt, gewinnst nichts), von der unerfüllten oder unglücklich endenden Liebe, vom Wunsch nach "dessert dans le désert" (einem Nachtisch in der Wüste) und anderem. Requisiten werden sparsam, aber gekonnt eingesetzt. So jongliert sie, während sie ein musikalisches Paris-Porträt zeichnet, mit Baskenmütze und Strohhütchen oder funktioniert den Mikrofonständer gestenreich und gekonnt, in einen imaginären menschlichen Gegenpart um. Am ausdrucksvollsten sind jedoch die Augen Mourons. Scheinbar schwere Augenlider spielen im gleißenden Scheinwerferlicht mit den Zuschauern und bergen ein unendliches Potenzial an Ausdrucksmöglichkeiten. Generell scheint die in Marseille geborene Musikerin gerne über den Bühnenrand hinaus zu agieren. Vis-à-vis mit ihrem Publikum versprüht sie zwei Stunden lang ein französisches Flair, welches sich auch nicht von der von links brummenden Box beeindrucken lässt. Angesichts des Könnens und der Klasse des Chansonduos wäre es nur fair, wenn die nächste Vorstellung wieder ausverkauft wäre - mit Musikbegeisterung lassen sich sogar unkalkulierbare Mechanismen manipulieren. Nächster Termin in der Region: 13. März, Konzert im "Bel Etage" in Saarbrücken, 20 Uhr.