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Wie der Doktor zum Landarzt wird

Wie der Doktor zum Landarzt wird

Wie kann die wohnortnahe medizinische Versorgung im Raum Saar/Hochwald gesichert werden? Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Studie, die der Kreis dazu in Auftrag gegeben hat, wird deutlich: Viel wird auf diesem Gebiet schon getan. Doch wirkliche Lösungen sind schwierig.

Trier/Saarburg/Hermeskeil. Eine Wortmeldung zum Schluss macht exemplarisch deutlich, worum es bei der Morostudie zur medizinischen Versorgung (siehe Extra) geht, die nun vorgestellt wurde. Noch gebe es in Zerf vier Hausärzte, sagte Volker Hartmann, einer dieser Mediziner. Doch bald gingen drei in Ruhestand. Und dann? Zwei Jahre lang habe er alles versucht, um neue Ärzte in den 1500-Einwohner-Ort zu bringen. Vergeblich. Einzige Möglichkeit, die sich nun biete: ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) einer kommerziellen Gesellschaft. Diese habe offensichtlich bessere Möglichkeiten, junge Ärzte zu akquirieren.
MVZ nur als äußerstes Mittel


Ein MVZ eines kommerziellen Anbieters? Das lässt bei Dr. Siegrid Ultes-Kaiser vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz die Alarmglocken schrillen. Sie stellt infrage, ob bei einer solchen Organisation tatsächlich der Patient und nicht der Kommerz im Mittelpunkt stünde. Als MVZ-Träger favorisiert sie ganz klar Kommunen oder Krankenhäuser - also das Modell, wie es in Konz und Saarburg praktiziert wird.
Doch gelten diese generell lediglich als äußerstes Mittel - so lautet wiederum die Empfehlung von Prof. Rüdiger Jacob von der Uni Trier. Er stellt die Ergebnisse der Morostudie in der Kreisverwaltung vor. Er skizziert wie auch Dr. Günther Mattheis, Präsident der Bezirksärztekammer Trier, die Problemlage im Kreis Trier-Saarburg. Demnach stellt sich die Versorgung mit Ärzten noch relativ gut dar. Die Betonung liegt auf noch. Denn mehr als die Hälfte der praktizierenden Mediziner geht bis 2020 in Ruhestand und Nachwuchs für sie zu finden, wird voraussichtlich schwierig. Bereits jetzt schätzen laut Jacob lediglich ein Drittel der niedergelassenen Ärzte ihre Chancen, ihre Praxis abzugeben, als gut ein. Das Problem mit dem Nachwuchs: Die ohnehin knappe Zahl der angehenden Mediziner möchte nicht aufs Land und auch keine eigene Praxis übernehmen. Laut Jacob sind mehr als 60 Prozent der Medizinstudierenden weiblich. Sie wollen am liebsten angestellt arbeiten, am ehesten im Krankenhaus oder einem MVZ oder ähnlichem - auf jeden Fall in größeren Teams. Teilzeit ist beliebt, ebenso ein urbanes Wohnumfeld. Die Partner üben meist ebenfalls einen akademischen Beruf aus. Die Mehrheit ist heimat- und familienorientiert.
Die Frage ist also: Wie bekommt man diese Mediziner dazu, in die ländliche Region zu kommen. In der Morostudie wird laut Jacob eine sektor- und fachübergreifende Versorgung, bei der Ärzte und andere medizinische Fachkräfte als Teams in der ambulanten und stationären Versorgung zusammenarbeiten, als optimal bezeichnet. Allerdings wird auch kritisch angemerkt, dass dies allein schon schwierig sei, weil ambulanter und stationärer Sektor getrennt seien und unterschiedlich finanziert würden. Die Kooperation mehrerer Versorgungseinrichtungen (Ärztehäuser, MVZ, ein oder mehrere Kliniken) oder auch deren Fusion wird empfohlen.
Jacob rät außerdem zum Regionalmarketing. So solle beispielsweise auch die Nähe zu Luxemburg betont werden. Die Kommunen können zudem Anreize in Form von Stipendien und Zuschüssen geben, sagt Jacob.
Eine Form, Mediziner in Ausbildung verstärkt anzulocken, wurde in der Region Trier bereits etabliert. So berichtet Mattheis von der Bezirksärztekammer von der Verbundweiterbildung in der Allgemeinmedizin. Dabei wird Ärzten eine komplette fünfjährige Facharztweiterbildung in stationären und ambulanten Stätten der Region aus einer Hand angeboten.
Lob für Weiterbildung in Region


Ultes-Kaiser von der KV lobt, dass Trier mit dieser Art Weiterverbildungsverbänden bundesweit mit gutem Beispiel vorangehe. Sie zählte Projekte der KV zur Nachwuchsförderung auf wie den Aufbau eines flächendeckenden Bereitschaftsdienstes und die Förderung von Niederlassungen in ausgewiesenen Regionen.
Ultes-Kaiser macht in der Diskussion deutlich, dass es einen bunten Strauß an Lösungen brauche, um die medizinische Versorgung zu sichern und nennt auch Arztmobile als eine Möglichkeit. Bei allen Versuchen gegenzusteuern rechnet Jacob künftig dennoch damit, dass die Wege der Patienten zum Arzt länger werden. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass mittel- und langfristig Ärzte nur noch in den Ober- und Mittelzentren wie Trier, Konz, Saarburg und Hermeskeil zu finden sind. Jacob: "Man kann Ärzte nicht zwingen, sich irgendwo niederzulassen."
Das Fazit von Joachim Christmann, Moderator der Kreisverwaltung, lautet am Ende: "Das Thema wird uns noch viele Jahre begleiten." Die Kreisverwaltung werde die Lösungssuche weiter betreiben. Impulse müssten jedoch auch aus der Ärzteschaft kommen.Extra

Im Rahmen des bundesweiten Forschungsprogramms "Modellvorhaben der Raumordnung" (Moro) will der Kreis Trier-Saarburg eine "Regionalstrategie für die Daseinsvorsorge" entwickeln. Das Thema medizinische Versorgung spielt dabei eine wichtige Rolle. Beispielhaft hat der Kreis dafür den Raum Hochwald-Saar von der Universität Trier genauer untersuchen lassen. Auch Bürger wurden dazu befragt. mai