Wie die Aktien an der heimischen Börse stehen

Wie die Aktien an der heimischen Börse stehen

Ein Umbruch-Jahr geht zu Ende. Unter den Bullen des Trierer Aktien-Indexes sind fast ausnahmslos neue Gesichter. Langjährige Werte müssen hingegen kämpfen, um ihre Position zu halten, oder sie kündigen gar wie die Klaus-Jensen-OB-AG ihren Rückzug vom Parkett an. Im kommenden Jahr hätte eine Neubewertung von Jensens Aktien angestanden.

Trier. In der 15-jährigen Geschichte des TAX hatte es bislang kein Unternehmen geschafft, den letzten Platz auf der Skala zu verteidigen. Diese zweifelhafte Ehre kann nun die Angelika-Birk-GmübH für sich beanspruchen. Diese Gesellschaft mit überaus beschränkter Haftung sollte den Trierer Schulmarkt restrukturieren und zukunftsfähig machen. Stattdessen ist die Kundschaft frustriert, die leitenden Mitarbeiter des Unternehmens befinden sich auf der Flucht - und die Sanierungsziele wurden allesamt verfehlt. Die ECE-Protzbau-KG war zu Jahresbeginn noch Kandidatin für einen TAX-Spitzenplatz. Ihr Vorstandsvorsitzender Gerd Wilhelmus trat schon auf wie einst Napoleon bei der Übergabe des Trierer Stadtschlüssels. Doch die renitenten Treverer verhinderten die Emission der ECE-Aktie.
Während ECE förmlich in die Stadt hineindrängte, tat und tut die Deutsche Bahn AG alles Menschenmögliche, um den Verkehr von und nach Trier nach Leibeskräften zu be- und verhindern. Auch ein Besuch von Bahnchef Rüdiger Grube brachte ein paar Versprechungen, aber wenig reale Fortschritte. Eine Berg- und Talfahrt erlebte in diesem Jahr der Eintracht-Trier-Trust, ein Unternehmen aus der Sportbranche mit hohem Traditionsfaktor. Ins Jahr 2013 war man mit einem Höhenflug der Aktie gestartet, mancher dachte sogar an den Aufstieg aufs bundesweite Parkett. Dann wechselten sich Hausse und Baisse im Wochenrhythmus ab, der Sprung nach oben wurde verpasst. Die Eigentümer behielten die Nerven, vertrauten weiter ihrem Manager Roland Seitz - und können zum Jahresende wieder gestiegene Kurse vermelden.
So ähnlich erging es dem Kultur-Branchenriesen Theater Trier Inc. Das Konsortium Stadt Trier hatte als Eigentümer in Erwägung gezogen, die Aktien des chronisch defizitären Unternehmens komplett abzustoßen, die Belegschaft zu entlassen und die Dienstleistungen künftig extern einzukaufen. CEO Gerhard Weber gelang es, die Kundschaft gegen die Pläne zu mobilisieren. Den Komplett-Buyout konnte er verhindern, die Liquiditätsprobleme bleiben allerdings ungelöst.
An der Berliner Regierungs-Börse konnten sich zwei Staatsanleihen aus Trier erfolgreich platzieren: Bernhard Kaster verteidigte bei der Ausschüttung am 22. September seinen Status als Platzhirsch, erhielt aber mit Katarina Barley wieder ernsthafte Konkurrenz.
Zwei Neu-Emissionen sorgten für die größten Schlagzeilen am Trierer Kommunal-Markt. Zunächst platzierte die CDU mit der Hiltrud-Zock-Ich-AG ein erfolgreiches Ein-Frau-Unternehmen auf der Pole Position für die 2014 anstehende Kür des Trierer Stadtoberhaupts. Die SPD konterte mit Wolfram Leibe von der Headhunter-Firma "Agentur für Arbeit", dem die Experten bei der Berufsberatung seines Unternehmens offenbar die Kommunalverwaltung als Betätigungsfeld empfohlen hatten. Beim TAX 2014 wird sich zeigen, wer der Bär und wer der Bulle ist.
Wer immer vor zehn Jahren entschieden hat, die Arena Trier nicht als städtisches Amt, sondern als GmbH zu betreiben: Er hat klug entschieden. Zum runden Geburtstag zeigt sich Triers große Event-Location unter Chairman Wolfgang Esser als flexibles, erfolgreiches, skandal- und pannenfreies Muster-Unternehmen mit Tendenz zur Steigerung der Marktmacht.
Wovon Trier einige mehr gebrauchen könnte, sind Selfmade-Men vom Schlag eines Axel Reichertz. Ein Mann, eine Idee, langer Atem, ordentlich Druck von außen, die richtigen Mitstreiter: So gelang es ihm, die Aktien der Trierer Skater-Szene vor dem drohenden Total-Verfall zu bewahren. Ein einsatzfreudiger Oberbürgermeister, eine spendable Stiftung und viel Eigen-Engagement — am Ende stand die Rettung eines Skaterhallen-Standorts für Trier.
Und noch ein letztes Beispiel für innovatives Denken und Handeln an der Nahtstelle von Wirtschaft und Gemeinnutz. Im scheidenden Jahr war der Bulle ein Elefant: Zum TAX-Sieger 2013 krönte sich die "Elephant Parade", eine Gemeinschaftsproduktion lokaler Künstler und Wirtschaftsleute. Basierend auf ehrenamtlichem Engag ement, einer charmanten Idee und einem Produkt, das das Publikum regelrecht verzückte. Mehr davon!

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