1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Wie die Aktien in Trier und Umgebung stehen

Wie die Aktien in Trier und Umgebung stehen

Das Börsenjahr am Trierer Parkett war gekennzeichnet von einer desolaten Gesamtentwicklung auf dem kommunalen Finanzmarkt. Zudem galt es, sich von bewährten festverzinslichen Wertpapieren wie dem Josef-Peter-Mertes-Aufsichts-Trust und den Peter-Schwenkmezger-Uni-Obligationen zu verabschieden.

Trier. Im September kam es zu einem bislang einmaligen Vorgang: Die Börsenaufsicht nahm die Babic-Bonds vom Markt, nachdem sich der Gebietsleiter des Lebensmittelhandel-Zulieferers NPD (Handelsware: braune Soße mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum) als gewöhnlicher Kleinkriminineller entpuppt hatte. Safet Babics Firma war 2009 von rund 400 Trierer Kleinaktionären an der Stadtratsbörse etabliert worden.
Zum selben Zeitpunkt tauchte erstmals die kommunale Produktionsgenossenschaft "Die Linke" am Trierer Markt auf. Doch statt sich mit der Konkurrenz auseinanderzusetzen, versuchten die Kollektivisten, sich untereinander die Geschäftsanteile streitig zu machen und überzogen sich wechselseitig mit Enteignungsverfahren. Bis Chairman Johannes Verbeek entnervt ausstieg.
Zu dieser Zeit war sein Kollege Berti Adams von der Cooperative für dauernde Unwägbarkeiten (CDU) schon gar nicht mehr dabei. Adams hatte als Trierer Lokalfürst bei der Neuemission an der Mainzer Landtagsbörse einen herben Kurssturz auf ein Allzeit-Tief erlebt. Hieß es im Wahlkampf "Berti grillt", wurde der Metzgermeister am Ende selbst abgekocht. Inzwischen hat er sich in die angestammte Wurstbranche zurückgezogen.
Als Vorstandsvorsitzender des maroden Großkonzerns Kulturstadt Trier AG musste Thomas Egger nach dem Aus für die Antikenfestspiele auch bei den Stamm-Geschäftszweigen Theater und Museen auf die Kostenbremse treten. Kleine Zulieferbetriebe wie Karussell und Casino meldeten Insolvenz an, das Premiumprodukt Brot und Spiele kämpfte mit Absatzschwierigkeiten und war auf Stützungskäufe der öffentlichen Hand angewiesen. Seit Jahren verspricht der Kultur-Boss Strukturkonzepte - irgendwann muss er liefern.
Zur Achterbahnfahrt geriet das Börsenjahr beim lokalen Tochterunternehmen der römischen Jesus-Christ-Inc. Der Generalbevollmächtigte Stephan Ackermann wurde von den Analysten zunächst als Retter gefeiert, nachdem er beim Mutterkonzern eine schwierige Altlastensanierung erfolgreich gemeistert hatte. Doch im Herbst kam die Gewinnwarnung, am Jahresende musste Ackermann gravierende Managementfehler einräumen.
Wie man mit guter Führungsarbeit und ruhiger Hand ein Unternehmen aus der Dauerkrise führt, zeigt das Kicker-Konsortium Eintracht Trier. Ein zurückhaltender Vorstand, der einen ausgewiesenen Fachmann wie Roland Seitz als Personalchef ungestört arbeiten lässt: So gelingt vielleicht der Wiederaufstieg vom viertklassigen Provinzparkett in den bundesweiten Handel.
Als echtes Stehaufmännchen entpuppte sich einmal mehr der Eifeler Holzfällerbetrieb Michael Billen OHG. Noch vor Jahresfrist wurden seine Geschäftsanteile als wertlose Pennystocks gehandelt, aber dank treuer Stammkundschaft, einem an Penetranz grenzenden Beharrungsvermögen und gutem juristischen Consulting gelang ein geradezu unglaubliches Comeback.
Und gleich noch einmal Eifel-Power: Nachdem die Unternehmen aus der Stadt Trier bei den Spitzenwerten des Mainzer Aktien-Indexes MAX schon seit Jahren kein Bein mehr auf den Boden bekommen, konnte sich nun mit dem Ulrike-Höfken-Ökofonds ein zweiter Betrieb aus der Region an der Spitze etablieren - neben der urspünglich in der Pfalz beheimateten Malu-Dreyer-Sozialsupport-AG, die ihren Firmensitz vor einigen Jahren nach Trier verlegt hat.
Dass sich persönlicher Einsatz amortisiert, erlebte das Start-Up-Unternehmen Schmitt&Marx. Die beiden pensionierten Lehrer lieferten mit ihrem Erfolgsprodukt "Trierer Wörterbuch" die publizistische Begleitmusik zur aktuellen Mundart-Hausse.
Der Trierer Börsen-Bulle des Jahres dürfte manchen überraschen. Denn die einstige "Entwicklungsgesellschaft Petrisberg" und heutige "Gesellschaft für urbane Projektentwicklung" ist ein stiller Riese. Seit fast zehn Jahren hat EGP-Chef-Entwickler Jan Eitel - er stammt noch aus der Personalküche der legendären Headhunter Schröer&Dietze - das einstige Franzosen-Reservat am Petrisberg derart erfolgreich vermarktet und gestaltet, dass sein Unternehmen von Trier-West bis Castelnau inzwischen überall gefragt ist, wo die Stadt auf Fortkommen hofft. Eine einsame Erfolgsstory inmitten der tristen Trierer Baisse.