Wie die evangelische Kirche an die Menschen rankommen will

Wie die evangelische Kirche an die Menschen rankommen will

Die Synode des Kirchenkreises vertritt fast 60 000 evangelische Christen in der Region. Darüber, wie die Kirche auch künftig relevant für die Menschen bleibt, machte sich das Gremium am Wochenende gemeinsam Gedanken.

Schweich. Professor Dr. Gerhard Wegner brachte es auf den Punkt: "Die Zukunft unserer Kirche hängt nicht von Trends ab, sondern von uns." Wegner ist Direktor des sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Anlässlich der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Trier am Samstag in Schweich führte Wegner in die Ergebnisse der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD ein. Unter dem Titel "Wie wird christlicher Glaube weitergegeben?" berieten die rund 90 Synodalen über die Zukunft ihrer Kirche. Laut Wegner ist dabei insbesondere die "Begegnung vor Ort entscheidend", sowohl mit Pfarrerinnen und Pfarrern als auch mit den Ehrenamtlichen der Gemeinden. "Wir sind über die lokale Ebene identifizierbar", sagte Wegner. Das mache das evangelische Spezifikum aus. Dabei seien insbesondere jene Kirchengemeinden erfolgreich, "die ihrer eigenen Kraft vertrauen. Nicht die, die den Trends folgen, sondern die, die schauen, was bei ihnen vor Ort möglich und machbar ist". Volkskirche funktioniere nach wie vor, allerdings werde die "Volkskirche kleiner, weil das Interesse an der Weitergabe des Glaubens weniger wird", analysierte der Professor.
Der Weg über Amtshandlungen


Die religiöse Sozialisation werde weniger und darüber gelte es, sich Gedanken zu machen. So genannte "Brücken in die Gesellschaft", die für ein entsprechendes Bindungsverhalten an Kirche und Kirchengemeinde sorgen können, seien unter anderem Amtshandlungen wie beispielsweise Taufe und Beerdigung, Angebote für Familien, die Arbeit der Diakonie, evangelische Kitas und Schulen, aber auch musikalische Angebote und Gruppen. Diese Angebote gelte es zu stärken. Die Verantwortung dafür liege, so Wegner, nicht bei "der Kirche" an sich: "Die Verantwortung liegt bei den Kirchenmitgliedern. Unsere Kirche ist Beziehungsgeschehen. Das ist eine schöne Verantwortung, die wir mit Lust tragen sollten."
Der Superintendent des Kirchenkreises Trier, Dr. Jörg Weber, nahm die Impulse als Stärkung für die Arbeit im Kirchenkreis auf: "Bildung und Diakonie sind unsere Schwerpunkte. Und es stärkt unsere Arbeit, wenn wir hören, dass es in unserer Kirche gerade das Engagement unserer Synodalen braucht." Die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung habe ergeben: Je stärker die Menschen mit der Kirche verbunden seien, desto größer sei ihr gesellschaftliches Engagement. "Die evangelische Kirche hat also eine hohe Bedeutung für unsere Gesellschaft", folgerte der Superintendent.
20 Gemeinden


Des Weiteren beschäftigte sich die Kreissynode mit der Finanzierung des Verwaltungsamtes ab 2017. Bereits vor zwei Jahren hatte die Kreissynode ein gemeinsames Verwaltungsamt des Kirchenkreises beschlossen, dessen Umsetzung bis 2017 erfolgt sein soll. Die Finanzierung der für die Verwaltung der Kirchengemeinden und des Kirchenkreises erforderlichen 1,15 Millionen Euro erfolgt aus Mitteln des innerkirchlichen Finanzausgleichs.
Die evangelische Kirchenkreis Trier ist der flächengrößte in der Evangelischen Kirche im Rheinland. In den 20 Gemeinden verteilt über nahezu den kompletten ehemaligen Regierungsbezirk Trier leben rund 57 000 evangelische Christen. red

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