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Wie die Fotoausstellung in der Kapelle St. Luzia den Trierer Höhenstadtteil in Bewegung bringt.

Stadtteil-Gemeinschaft : Filscher Heimat schafft Perspektiven

Wie die Fotoausstellung in der Kapelle St. Luzia den Trierer Höhenstadtteil in Bewegung bringt.

Fotoausstellung in der Dorfkapelle – das mag vielleicht nicht sonderlich spannend klingen, im Falle des Trierer Höhenstadtteils Filsch ist es das aber.

Denn dort sind normalerweise Ausstellungen ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt keinen Kindergarten, keine Schule, kein Bürgerhaus, und die letzte Gaststätte, das „Filscher Häuschen“, machte vor zwölf Jahren dicht.

Aber es gibt die Kapelle St. Luzia – und eine rührige Interessengemeinschaft Filscher Kapelle, die jetzt das Gemeindeleben in Schwung bringt. Erste große Aktion ist die frisch in dem 2018 renovierten Gotteshaus eröffnete Fotoausstellung „Filsch – unsere Heimat“.

Schon die Vorbereitung hat – im positiven Sinn – für mächtig Wirbel gesorgt. „Unser Aufruf, alte Bilder zur Verfügung zu stellen, wurde fleißig befolgt“, berichtet die Initiatorin Margit Müller (50). „Viele Familien haben ihre Alben nach besonderen Fotos durchsucht, um unsere Idee zu unterstützen.“ Nicht nur Alt-Filscher fühlten sich angesprochen: „Man kann sagen, dass eine Welle der Begeisterung in die Umgebung geschwappt ist: Kinder und Kindeskinder interessieren sich für die Heimat der Familie. Das freut uns sehr.“

Mit dem Ausleihen der Bilder war es nicht getan. Die Namen der Abgebildeten wurden notiert und vielfach das Aufnahmedatum recherchiert. Margit Müller: „Wir haben alles fein säuberlich katalogisiert und viele kleine Geschichten zu den Bildern aufgeschrieben.“

Schließlich war eine „wohlüberlegte Auswahl“ zu treffen, denn der Platz in der Kapelle ist begrenzt. Knapp 100 alte Fotos aus den Jahren 1910 bis 1970 wurden eingescannt und von Designerin Heike Matzat professionell aufbereitet.

Der Andrang zur Ausstellungseröffnung war so groß, dass viele Besucher vor der Tür den per Lautsprecher nach draußen übertragenen Reden lauschten. Kulturdezernent Thomas Schmitt lobte das „vorbildliche und identitätsstiftende Engagement“ der Interessengemeinschaft, und Pastor Michael Bollig freute sich darüber, dass die Kapelle nun über die beiden monatlichen Gottesdienste hinaus „als neuer Ort der Gemeinschaft, an dem Menschen zusammenfinden“, dient.

Wohl wahr. Wie Margit Müller berichtet, hat es bereits eine „Familienzusammenführung“ gegeben: „Ich hatte Kapellendienst und kam mit einem Ehepaar ins Gespräch, das schon seit vielen Jahren in der Ahnenforschung unterwegs ist.

Die Frau hat nach ihren Vorfahren in Filsch gesucht. Gleich war mir klar, wer gemeint war.“ Sie habe die Filscherin angerufen – „und eine Viertelstunde später war sie da. Was für eine Freude der beiden Frauen, die sich seit der Kinderzeit nicht mehr gesehen hatten!“

Gemeinsam hätten sie sich die Fotos der Verwandtschaft angesehen und seien dann noch zum Kaffee zu der Filscherin nach Hause gegangen.„Das ist genau das, was uns ganz besonders freut. Menschen, die lange nicht mehr miteinander gesprochen haben, finden wieder über die Ausstellung zueinander.“

Die Fotoschau kann bis einschließlich Freitag, 5. Mai, besucht werden. Die Kapelle ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

Mittwochs steht jeweils ein Gesprächsnachmittag auf dem Programm: Von 14 bis 17 Uhr erzählen ältere Filscher von früher und erläutern die Fotos näher. Am 17. April sind Mathilde Willems (82) und ihre Schwester Maria Petsch (87) an der Reihe.

Am Sonntag, 5. Mai, findet um 14 Uhr ein Gottesdienst zum Gedenken an mittlerweile verstorbene Personen auf den Fotos statt.

 Spannender Rückblick: In der 1780 erbauten Filscher Kapelle St. Luzia wird die Ausstellung mit knapp 100 Fotos aus den Jahren 1910 bis 1970 gezeigt.
Spannender Rückblick: In der 1780 erbauten Filscher Kapelle St. Luzia wird die Ausstellung mit knapp 100 Fotos aus den Jahren 1910 bis 1970 gezeigt. Foto: Roland Morgen

Vom großen Interesse ermutigt, plant die Interessengemeinschaft weitere Veranstaltungen in der Kapelle, zum Beispiel Lesungen und offene Singtreffs.