Wie die Grünen von der Europa- bis zur Stadtteilebene den Wahlabend in Trier dominieren.

Kommunalwahl in Trier : Die Grünen galoppieren allen davon

Sowohl bei den Ortsvorsteherwahlen in Trier als auch beim Trendergebnis für den neuen Stadtrat dominiert die Umweltpartei den Sonntagabend.

„Weil wir Trier lieben“ – dieser Satz steht auf den T-Shirts, die viele der Trierer Grünen am Sonntagabend beim Verfolgen der ersten Zwischenergebnisse in der Europahalle tragen. Es scheint so, als liebe Trier sie auch. Es wird zwar am Wahlabend noch kein Endergebnis der Stadtratswahl geben, sondern nur einen Trend ohne kumulieren und panaschieren, aber dieser Trend ist eindeutig.

Um 21.40 Uhr, nach der Auszählung von 51 der 104 Trierer Stimmbezirke, liegen die Grünen mit 29,2 Prozent deutlich vor der CDU mit 20,6 Prozent. Wäre dies das endgültige Ergebnis, dann wären die Grünen mit 16 Sitzen die stärkste Fraktion im Stadtrat, vor der CDU mit 12 und der SPD mit 11 Sitzen.

Das ist noch nicht alles. Die Grünen holen in Trier auch das beste Ergebnis bei der Europawahl. Das vorläufige Endergebnis liegt um 21.50 Uhr vor: Die Umweltpartei liegt mit 25,7 Prozent vor der CDU und der SPD.

Auch damit ist die Liste der Erfolge nicht zu Ende. Kurz vor 22 Uhr führen alle von den Grünen aufgestellten Kandidaten bei ihren jeweiligen Ortsvorsteherwahlen: Ole Seidel in Kürenz, Michael Düro in Trier-Mitte/Gartenfeld und Nicole Helbig in Trier-Süd.

In Trier-Nord liegt vor 22 Uhr sogar schon das vorläufige Endergebnis vor. Dort liegt der grüne Kandidat Dirk Löwe mit 34,5 Prozent vor dem christdemokratischen Amtsinhaber Christian Bösen (26,5 Prozent). Beide werden sich in der Stichwahl wiedersehen.

Kurz nach 22 Uhr folgt auch das vorläufige Endergebnis in Trier-Süd: Amtsinhaberin Jutta Föhr (SPD) zieht im Endspurt mit 36,9 Prozent an ihrer grünen Mitbewerberin Nicole Helbig (35,8 Prozent) vorbei.

Welche Szenen spielen sich bei solchen Zahlen in der Europahalle ab? Jubel, Lieder, Tanzen auf den Tischen? Nichts von alldem. Die Kandidaten und Leistungsträger der Grünen wirken eher, als könnten sie es selbst nicht glauben. Sie verfolgen und kommentieren die sich auf den Bildschirmen ständig aktualisierenden Ergebnisse ruhig und ohne erkennbare Emotionen.

Spitzenkandidatin Anja-Reinermann-Matatko tanzt bei der Wahlparty im Café Lott immer noch nicht auf den Tischen, wirkt aber erlöst und voller Freude. „Das ist doch klar bei einem solchen Ergebnis“, sagt sie. „Wir haben das Thema Umwelt sowohl im Wahlkampf als auch in unserer Ratsarbeit seit Jahren kompetent besetzt, und die Themengebiete Umwelt und Klima sind momentan die stärksten Inhalte, die die Menschen bewegen.“

Was wird geschehen, wenn die Grünen die stärkste Trierer Ratsfraktion werden? Reinermann-Matatko lächelt: „Dann kommt das Umweltdezernat, keine Frage.“ Ob sie das völlig ernst meint, wird sich zeigen müssen. Ein solches Dezernat ist seit vielen Jahren ein Ziel der Grünen.

Wird es neue Koalitionen geben, neue Verantwortungsgemeinschaften wie die zwischen der CDU und den Grünen? Wieder lächelt die Spitzenkandidatin. „Mal sehen. Vielleicht wird das ja gar nicht nötig sein. Dann sind wir selbst unsere neue Verantwortungsgemeinschaft.“

Um 22.10 Uhr folgt das vorläufige Endergebnis der Ortsvorsteherwahl in Kürenz. Wie auch Jutta Föhr in Trier-Süd zieht Amtsinhaber Bernd Michels (CDU) im Endspurt an seinem grünen Konkurrenten Ole Seidel vorbei – mit am Ende einer einzigen Stimme Vorsprung. Beide holen jeweils 33,1 Prozent, auch hier winkt die Stichwahl.

In der Europahalle ist nicht jedem nach Feiern zumute. Markus Nöhl (SPD) sagt: „Der Bundestrend hat sich auch in Trier durchgeschlagen. Wir werden dieses für uns unbefriedigende Ergebnis natürlich genau analysieren und daraus unsere Schlüsse ziehen.“ Was soll er auch anderes sagen.

Im großen Saal der Europahalle wird auch um 22.30 Uhr noch mit einer Intensität gezählt, dass die frei werdende Energie mit Händen  greifbar scheint. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) und Maylin Müllers, die Leiterin der Wahlabteilung im Trierer Rathaus, scheinen überall gleichzeitig zu sein. „Nach der Wahl und der Feststellung aller Ergebnisse werde ich erst einmal ausschlafen“, sagt Müllers lachend. Es klingt so, als habe sie das schon länger nicht mehr getan.

Bis zum späten Sonntagabend bleibt der Trend für die Stadtratswahl stabil. Um 23.40 Uhr sind 99 der 104 Stimmbezirke ausgezählt. Die Grünen holen demnach 29,1 Prozent der Stimmen und damit 16 Sitze. Danach folgen die CDU (22,5 Prozent, 13 Sitze), die SPD (19,4 Prozent, 11 Sitze), die AfD (7,3 Prozent, 4 Sitze), die Linke (6,6 Prozent, vier Sitze), die FDP und die UBT (jeweils 5,5 Prozent und drei Sitze), die Partei (2,4 Prozent, ein Sitz) und die Freien Wähler (1,7 Prozent, ein Sitz). Das vorläufige Endergebnis wird im Lauf des Montags vorliegen.

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