Wie ein Uhrwerk

TRIER. (ae) Ihren 90. Geburtstag feiert Christina Stoffel aus Ehrang. Dazu gratuliert ihr besonders herzlich der Trierische Volksfreund . Seit 50 Jahren versorgt Stoffel nämlich Ehranger Abonnenten zuverlässig mit ihrer Morgenlektüre.

Ein älteres Haus in Ehrang. Die Tür öffnet sich und heraus kommt forschen Schrittes eine rüstige Dame von etwa 75 Jahren. Wenigstens glaubt man das, bis sie sich als diejenige vorstellt, die heute im Kreis Ihrer Familie den 90. Ehrentag erlebt. Zahlreiche Gratulanten waren schon da, wie das Blumenmeer im Wohnzimmer beweist. Zwei Töchter mit Ehemännern, drei Enkelkinder und zwei Urenkelinnen kamen natürlich zuerst. Glückwünsche erhielt Frau Stoffel vom VDK, aus dem Rathaus und sogar von ihrem Hausarzt. Dieser dürfte sie allerdings recht selten zu Gesicht bekommen, denn sie erfreut sich trotz ihres hohen Alters recht guter Gesundheit. Kein Wunder: "Zeitungen tragen hält fit", meint sie. Jeden Morgen um drei Uhr steht sie auf und hat ihre Runde bereits knapp zwei Stunden später beendet. Zuverlässig wie ein Uhrwerk - und das 50 Jahre lang. Das sind mindestens 50 Gründe für Marco Schmidt, den für die Trierer Zusteller zuständigen Gebietsleiter des Verlags, und Beate Kappes von der Personalabteilung, der Jubilarin persönlich die Hand zu schütteln. Diese erzählt, dass sie noch lange nicht ans Aufhören denkt. "Solange ich noch laufen kann, trage ich den TV aus." Auf diese Weise nimmt sie Anteil am Geschehen im "Dorf". In ihrem Bezirk kennt und schätzt sie jeder. Veränderungen bleiben ihr nicht verborgen. "Ich bin zwar erst seit 1939 in Ehrang", meint die gebürtige Isselerin, "aber ich merke schon, dass in Ehrang nichts mehr los ist, seit es zu Trier gehört. Die Straßen gehen kaputt und es gibt kaum noch Geschäfte." Treue Alt-Ehranger Abonnenten gebe es immer weniger, dafür zögen viele neue Einwohner zu und wieder weg, was natürlich ständige Veränderungen nach sich ziehe. Beschwerden hat es noch nie gegeben. "Wenn alle so wären wie Frau Stoffel, wäre ich arbeitslos", meint Marco Schmidt.