Wie geht’s weiter mit der Kirche in Trier-Heiligkreuz?

Kostenpflichtiger Inhalt: Hohe Sanierungskosten : Wie geht’s weiter mit der Kirche in Heiligkreuz?

Einen der größten Kirchenräume in Trier gibt es in Heiligkreuz. Doch wegen der hohen Sanierungskosten steht dessen Zukunft auf dem Spiel. Ein Förderverein will das verhindern.

Wenn der Friedrich-Spee-Chor zum Konzert in die Kirche Heiligkreuz einlädt, bleibt selten einer der 600 Plätze leer. „Wenn kein großer Chor singt, könnten hier sogar 800 Menschen Platz finden“, versichert Elisabeth Ruschel. „Schließlich bieten wir nach dem Dom den größten Raum in einer katholischen Kirche in Trier.“ Die langjährige Ortsvorsteherin ist Vorsitzende des noch jungen Fördervereins Kirche Trier-Heiligkreuz. Wenn sie daran zurückdenkt, was zu dessen Gründung vor einem Jahr geführt hat, schwingt noch immer Fassungslosigkeit in ihrer Stimme mit.

Mit mehreren Vertretern sei das Bistum zum Gespräch mit dem Pfarrgemeinderat erschienen. „Auf intensive Nachfrage ist uns mitgeteilt worden, dass wir auf der Liste der Kirche stehen, die in den kommenden Jahren zur Profanierung anstehen. Die haben uns gesagt: In zehn Jahren reißen wir das ab.“ Das will das Bistum auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds zwar so nicht bestätigen. Die Sorge in Heiligkreuz scheint aber dennoch berechtigt.

„Bei einer Überprüfung durch Fachleute ist ein Sanierungsbedarf festgestellt worden, dessen Kosten auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag innerhalb der nächsten 15 Jahre geschätzt wurde“, sagt eine Bistums-Sprecherin. Das Bistum könne eine Förderung (60 Prozent der zuschussfähigen Kosten) derzeit nicht in Aussicht stellen. „Die Frage nach einer Profanierung stellt sich nicht, da das Kirchengebäude in Trier-Heiligkreuz ohne Einschränkung genutzt werden kann und Gottesdienste regelmäßig stattfinden.“

 Wie lange das noch so sein kann, scheint angesichts der nicht mehr lange aufschiebbaren Renovierungsarbeiten an Dach und Fassade fraglich. Auch im 15 000 Kubikmeter großen Innenraum des 1960/61 nach Plänen des Kölner Architekten Gottfried Böhm gebauten Gotteshauses besteht nach 60 Jahren Handlungsbedarf. Die Feuchtigkeitsschäden an den Wänden und die teilweise kaputten Alabasterfenster fallen jedem Gottesdienst- und Konzertbesucher sofort ins Auge. Wie teuer es wäre, all das zu reparieren, ist nur grob geschätzt und deckt sich mit den Angaben des Bistums: In jedem Fall wird ein siebenstelliger Betrag notwendig sein.

Der Trierer Architekt Michael Schwarz war Anfang der 70er Jahre Mitarbeiter im Büro Gottfried Böhm. Im erweiterten Vorstand des Fördervereins setzt sich der Dozent der Hochschule Trier ebenfalls für den Erhalt der Kirche Heiligkreuz ein, deren Planung vor mehr als 60 Jahren an der mittelalterlichen Kapelle aus dem Jahr 1050 im Herzen von Alt-Heiligkreuz ausgerichtet war. „Ich halte die Schäden nicht für so gravierend“, sagt er. „Das lässt sich beheben.“

Davon überzeugt ist auch Stefan Grabowsky, der Vorsitzende des VfL Trier arbeitet als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins unter anderem am Konzept für eine Konzert- und Veranstaltungsreihe, mit der Geld für die Sanierung gesammelt werden soll. „Wir werden im kommenden Juli Ort für die Eröffnungswoche des Mosel-Musikfestivals sein und planen auch eine Reihe von eigenen Veranstaltungen.“

Elisabeth Ruschel gibt sich kämpferisch: „Unsere Kirche quillt an Ostern, in den Kartagen und an Weihnachten über. Wir können auf diesen großen Raum einfach nicht verzichten.“ Sie verweist auf die historische Kapelle und den in ihrer Zeit als Ortsvorsteherin aufwendig sanierten Kreuzweg der sieben Fußfälle. Der führt aus der Innenstadt zur Kirche Heiligkreuz und ist einer der ältesten in Trier. „Wenn das Bistum sagt, wir sind kein geistliches Zentrum, dann organisieren wir eben eine Wallfahrt, um das zu ändern.“

Sie engagieren sich mit dem Förderverein für die Erhaltung der Kirche Heiligkreuz: (von links) Architekt Michael Schwarz, Vorsitzende Elisabeth Ruschel und ihr Stellvertreter Stefan Grabowsky. Foto: Rainer Neubert

Ob die Kirche Heiligkreuz in nicht zu ferner Zukunft ein ähnliches Schicksal erleiden wird wie die profanierten Kirchengebäude St. Paulus in Trier-Mitte, Maria Königin in Trier-West/Pallien oder Christi Himmelfahrt in Trier-Ehrang, scheint unvermeidbar, sofern die Schäden nicht beseitigt werden. Der Förderverein will das nicht tatenlos abwarten. „Diese Kirche ist ein sehr, sehr wichtiger Ort“, betont Architekt Schwarz, der einige seiner Studierenden damit beauftragt hat, sakrale Räume im Bistum Trier genau zu untersuchen. Die Ergebnisse werden im kommenden Jahr in dem großen Gotteshaus in Heiligkreuz präsentiert.

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