Wie im falschen Film

Prost Neujahr. Ich hoffe, Sie sind gut hineingekommen ins neue Jahr. Bei mir war's nicht ganz so einfach. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Ich wollte mir den Luxus gönnen, den Jahreswechsel auf dem Hauptmarkt zu erleben.

So ganz gediegen. Aber irgendwie kam ich mir vor wie im falschen Film. Meine Bärbel hat das Szenario mit "bürgerkriegsähnliche Zustände" beschrieben. Was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Schon lange vor Zwölf ging das Geböllere los, und um Mitternacht war es gar nicht mehr auszuhalten. Da flogen neben schwerkalibrigen China-Krachern auch leere Flaschen durch die Landschaft.

Also Flucht ergriffen Richtung Kornmarkt. Aber auch dort tobte eine Wallung, als hätte die Eintracht gerade 10:0 gegen Saarbrücken gewonnen. Mit den enthemmten Teenies kann ich nicht mehr mithalten. Weder vertrage ich so viel Hochprozentiges in so kurzer Zeit, noch kann ich so laut grölen. Auf dem Viehmarkt war er auch nicht viel besser, nur hat man dort mehr Platz, gefährlichen Situationen auszuweichen. Zum Beispiel, wenn einer eine Silvesterrakete auf den Boden legt und anzündet. Mich hat das Ding um fünf Meter verfehlt, ehe es an der Ungers-Vitrine explodierte. Damit war ich dann endgültig bedient und befolgte gerne Bärbels Vorschlag "Nix wie hemm!"

Meinen Glauben an die Menschheit habe ich am Freitagmorgen wiedergefunden, als ich meinen Kater ausführte: Schon um halb Zehn waren die Jungs von der Straßenreinigung mit den Aufräumarbeiten auf den Schlachtfeldern zugange. Bis zur Mittagszeit sahen unsere Plätze schon wieder ziemlich piccobello aus. Sauwer!