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Was macht der explosionsartige Anstieg an Teststationen mit der Atmosphäre unserer Stadt?

Trierer Stadtbild : Wie die Corona-Teststationen die Innenstadt verändern

Ich mache mich auf den Weg von der Porta Nigra zur Südallee. Mit im Gepäck: die Frage, wie die vielen neuen Teststationen die Atmosphäre in unserer Innenstadt prägen. Stolze 19 Corona-Teststellen finde ich. Vom schicken Testzentrum über umgebaute Ladenlokale bis zum Pavillon am Straßenrand ist alles dabei.

Es ist ein regnerischer Dienstag in der ältesten Stadt Deutschlands. Draußen nasskalt und eklig, drinnen leergefegt. Die meisten Lokale sind entweder gottverlassen oder haben überhaupt noch nicht geöffnet. Kein Wunder: Es ist Dienstagvormittag, kurz nach 10 Uhr. Wer sein Restaurant oder Café trotz der geltenden Corona-Auflagen geöffnet halten möchte, profitiert von den Testzentren um die Ecke. Davon gibt es in der Trierer Innenstadt inzwischen genug. Links und rechts liest man an jeder Ecke Schilder mit der Aufschrift „Teststation“, „Kostenlose Bürgertests“ oder „Corona-Test“. Auf der Webseite der Stadt werden für den Trierer Innenstadtbereich 27 Teststellen aufgeführt. Zumeist sind die Stationen in Ladenlokalen untergebracht: Leerstehende Läden, Kneipen oder Eisdielen halten her. Es gibt aber auch kuriose und witzige Locations, in denen die Tests gemacht werden.

Corona-Test-Hotspot in der Simeonstraße

Ich starte meine Suche nach den ultimativen Teststationen an der Porta Nigra, dem bekanntesten Wahrzeichen unserer Stadt. Schon nach wenigen Metern fällt mir die Erste ins Auge, direkt an der Porta-Bushaltestelle. Die Fahne des Testcenters weht im kalten Februarwind. Außen große Plakate an den Glastüren, innen eine sporadisch ausgestattete Testtheke. Wenige Meter weiter - in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Karstadt-Gebäudes in der Simeonstraße - offenbart sich mir ein erster Corona-Test-Hotspot. Gleich drei Schnellteststationen direkt an einem Fleck. Eine Teststelle befindet sich in einer riesigen Holzhütte. „Der Weihnachtsmarkt ist doch vorbei“, denke ich mir. Bei der zweiten Station wird draußen vor dem Eingang des Gebäudes getestet, die Dritte ist indoor und erinnert mich mit ihrer grellen Neon-Leuchtreklame an einen Dönerladen. Der Mitarbeiter erklärt mir, dass durch die hohen Infektionszahlen aktuell sehr viel los sei und nun auch viele zum Freitesten nach der Quarantäne vorbeikommen.

Weiter geht es in Richtung Hauptmarkt. Doch im restlichen Teil der Simeonstraße fällt mir keine einzige Station mehr auf, auch auf dem Domfreihof gibt es derzeit keine Teststelle. Ich bin verwundert, das hätte ich nicht gedacht. Am Stockplatz gibt es dafür gleich zwei: eine beim Nachtclub Ghost, die täglich erst um 17 Uhr öffnet und eine, bestehend aus zwei riesigen Metallcontainern direkt vor der Volksbank. Die beiden massiven grauen Container verändern das optische Erscheinungsbild des Stockplatzes gehörig, mich stört es nicht wirklich. Wer sich den Schlenker in Richtung Treviris-Passage spart, findet erst am Pranger in der Grabenstraße die nächste Corona-Teststation. Mit einer der beiden Mitarbeiterinnen komme ich ins Gespräch. Sie erzählt mir, dass sie ursprünglich aus dem Saarland kommt und in Trier die neuen Mitarbeiter einarbeitet. Der Betreiber Checkpoint.de ist derselbe wie an der Porta, die Teststelle am Pranger die Zweite in Trier neben Dutzenden Stationen in ganz Deutschland. Die Räumlichkeiten werden wohl erst seit einem Tag genutzt.

Teststationen in der Trierer Neustraße

Vorbei an der Teststation von NMM Solution in der Brotstraße, die sich gegenüber der „Blauen Hand“ befindet und seit April 2021 schon in Betrieb ist, gehe ich in die Neustraße. Hier gibt es inzwischen ebenfalls eine bunte Vielfalt an Teststationen, mindestens vier sind es an der Zahl. Gleich neben dem Backwerk kommt die Erste, die so simpel wie keine andere ist. Es sind 4 Grad Außentemperatur. Ich friere. Trotz Zwiebelprinzip und 4 Lagen Klamotten obenrum. Ein kurioses Bild: Die junge Mitarbeiterin sitzt in einem kleinen Pavillon, der unter einem Hausvorsprung steht. Das frei stehende Testzelt wird nur von einen kleinen Heizstrahler geheizt. Gemütlich sieht anders aus, ich beneide sie nicht.

Im Trierer Testzentrum in der Europahalle geht es einige Meter weiter deutlich angenehmer zu. Während sich viele Stationen plakativ inmitten der Fußgängerzone befinden, könnte man die Teststelle an der Europahalle auf den ersten Blick fast für einen Geheimtipp halten, liegt sie doch an der Hinterseite des Gebäudes. Es ist inzwischen kurz nach 11 Uhr, die Station hat gerade erst geöffnet und zwei Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Die Location: gepflegt und hübsch. Hier lassen sich die Leute offenbar gerne testen, auch jetzt kommen schon die Ersten.

Trotz Regen verschlägt es mich ans Ende der Neustraße: Hier gibt es drei weitere Testmöglichkeiten, die allesamt sehr einfach in Ladenlokalen eingerichtet sind. In dieser Ecke sind Corona-Teststationen präsenter als die kleinen Cafés, für die die Trierer Neustraße eigentlich bekannt ist. Mit dem Mitarbeiter einer Schnellteststation gegenüber des Angela-Merici-Gymnasiums wechsle ich ein paar Worte. Der Laden war schon dicht, bevor der vordere Teil zur Teststation umgebaut wurde, erzählt er mir. Pro Tag werden dort mindestens 20 bis 30 Tests gemacht, an „guten Tagen“ hingegen sogar bis zu 100 Tests. Und das obwohl die Station lediglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet hat. Pro Schnelltest erhalten offizielle Teststationen übrigens 11,50 Euro vom Bund, wobei 3,50 Euro auf die Sachkosten des Tests entfallen. Weitere acht Euro werden für die Durchführung der Tests erstattet. Das kann lukrativ sein, denn der Aufwand scheint überschaubar: Neben dem Lohn fallen Kosten für die Tests, das Buchungssystem sowie Utensilien wie Masken, Kittel und Handschuhe an.

Corona-Teststationen rund um den Viehmarkt

Die Aussage einer Frau, mit der ich mich zuvor kurz unterhalten hatte, bringt mich auf dem Rückweg durch die Neustraße zum Nachdenken: „Schon verrückt, wenn man überlegt, dass in diesen ganzen Teststellen vorher mal Geschäfte, Kneipen oder Restaurants waren.“ Ganz Unrecht hat sie nicht, die Stadt hat sich in den vergangenen zwei Jahren stark verändert. Ich schlendere erst über den Viehmarkt, dann durch die Fahrstraße. Anschließend biege ich in die Nagelstraße ab. Zwei kleine unauffällige Teststationen treten in Erscheinung, stören die Atmosphäre in der Stadt aber ganz und gar nicht.

Wie viele Teststationen gibt es in der Fleischstraße?

Am unteren Ende der Fleischstraße befindet sich im Gebäude der Waffle Brothers die nächste Corona-Teststelle, die auf der Straße mit einem großen Schild angekündigt wird: „Kostenloser Corona-Schnelltest mit Zertifikat!“ Rein da? Die meisten Menschen laufen vorbei. Viel ist in den Teststationen am Vormittag noch nicht los. Weiter geht es durch die Fleischstraße. Das Trierer Kopfsteinpflaster nass, gespiegelte Gebäude auf dem Boden. Meine vier Lagen sind inzwischen durchnässt, also schnell zurück Richtung Porta! Im Posthof finde ich eine weitere Teststelle, die allerdings noch geschlossen hat. Erst um 12 Uhr werden hier die Pforten geöffnet. Nach einem kleinen Ausflug in die Trier Galerie, wo ich im zweiten Obergeschoss eine Corona-Teststation der Malteser finde, ist das Ladenlokal gegenüber des Galeria Kaufhofs in der Fleischstraße die letzte Teststelle, die mir auffällt. Satte 19 Möglichkeiten, die ich auf Anhieb entdecke, um sich in der Trierer Innenstadt auf das Coronavirus testen zu lassen.

19 Teststationen in der Innenstadt: Fluch oder Segen?

Stören die Teststationen mich nun? Nein, nicht wirklich. Sehen sie teilweise heruntergekommen und schäbig aus? Ja, leider schon. Vielerorts spüre ich, dass die Teststationen aus dem Boden gestampft wurden. Provisorisch wird ein Pavillon zu einer spannenden Konstruktion aufgebaut oder ein leer stehendes Ladenlokal spartanisch eingerichtet. Nicht schick. Aber definitiv funktional. Denn auch wenn die hier und da kuriosen Teststellen „uus schee Städtchi“ verändern, so sind die vielen Teststationen ein wichtiger Teil unseres bundesweiten Wegs, um der Infektionslage Herr zu werden. Doch eine Frage bleibt: Was passiert mit zwei Dutzend Teststationen, wenn die Corona-Pandemie doch eines Tages vorüber ist?

Hier geht es zur Bilderstrecke: Von Porta bis Südallee: Was machen die Corona-Teststationen mit unserer Stadt?