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Wie Trier mit den Corona-bedingten Einschränkungen umgeht

Corona-Krise : Mal Andrang, mal tote Hose in der City

Klopapier? Jein! Abstand halten? Hält nicht jeder für nötig! Die Coronakrise führt zu immer neuen kuriosen Situationen.

Was ist denn da los? Wochenmarkt in Trier – und am sonst stets belagerten Stand vom Hofgut Serrig ist um 11 Uhr nichts los. „Die sind alle schon wieder weg“, klärt Sebastian Brömmelhaus (41), der Mann hinterm Tresen, auf. Bereits bei Eröffnung um 7 Uhr habe es eine riesige Schlange gegeben, und jetzt – vier Stunden und mehr als 150 bediente Kunden später – ist kaum noch etwas aus dem Sortiment da. Schnitzel? „Fehlanzeige!“ Hähnchen: „Auch längst weg!“ Für Brömmelhaus keine ganz neue Erfahrung: „Am Samstag in Konz war’s schlimmer. Da hat man mir die Bude regelrecht auseinandergenommen.“ Nun ist er gespannt, wie es am Freitag wird: „Dann sind wir ja wieder auf dem Viehmarkt.“

Am Dienstag jedenfalls ist der Andrang für 11 Uhr an einem Markttag erstaunlich übersichtlich. „Die sind jetzt alle bei Aldi. Da gibt es wieder Klopapier“, scherzt eine Obst- und Gemüseverkäuferin. Stimmt nicht ganz. Da gab es wieder den begehrten Artikel, von dem niemand so recht weiß, warum er so stark nachgefragt ist, erklärt eine Mitarbeiterin des Discounters. „Aber es gibt wieder Nudeln“, tröstet sie.

In der Fleischstraße analysieren zwei ältere Männer lautstark die aktuelle Versorgungslage. „Ist ja wie in der DDR“, flucht einer. „Stimmt nicht!“, korrigiert der andere. „Da wusste man immerhin, dass es auch nächste Woche keine Bananen gibt.“

Aber wer weiß in diesen vorösterlichen Tagen schon, wohin der Hase läuft? Viele Gastronomen sowie Kaufleute, die nicht gerade mit Lebensmitteln handeln, zeigen sich dünnhäutig. Reaktionen wie „Presse? Ich sag nix!“ sind kein Einzelfall. Dafür sprechen Aushänge in Schaufenstern und an Ladentüren Bände. „Aufgrund der Coronakrise und um Sie und unsere Mitarbeiter zu schützen, haben wir all unsere Filialen auf unbestimmte Zeit geschlossen“, heißt es etwa an den Calchera-Eiscafés. Manche Mitbewerber auf dem sonst heftig umkämpften Markt sehen das am Dienstag weniger eng.

„Unverantwortlich!“ findet Apotheker Jörg von Ehr (55). In seine Apotheken lässt er nur so viele Kunden hinein, wie jeweils bedient werden können; drinnen sollen ein Absperrband und ein eigens aufgebauter „Spritzschuss“ Viren auf Distanz halten.

Covid-19 ausbremsen – das ist noch ein Wunschtraum. Im Moment bremst Covid-19 das öffentliche Leben aus. Und ständig werden neue Stufen der allgemeinen Verunsicherung erreicht.

Wie damit umgehen? „Versuchen, das Positive in dem ganzen Schlamassel zu sehen“, rät eine 54-jährige Heiligkreuzerin. „Ich persönlich kümmere mich jetzt, da ich nicht nach Luxemburg zur Arbeit kann, verstärkt um meinen Kleingarten. Dazu ist jetzt die beste Zeit.“

Für den stadtbekannten Trierer Jürgen Junk (Spitzname: „Bonsai“) sollte die beste Zeit des Jahres in wenigen Tagen anbrechen. Mit seiner Lebensgefährtin wollte er wieder für drei Wochen nach Mumbai/Indien reisen, um dort seinen Geburtstag am 16. April zu verbringen – diesmal den 70. „Doch da haben wir uns zu früh gefreut. Keine Visa, keine Flüge. Nix.“ Und stattdessen? „Abwarten und Whisky trinken. Indischen, wohlgemerkt.“

 Was mag da wohl noch kommen? Jeden Tag gibt es wieder eine neue Nachrichtenlage zum Coronavirus.
Was mag da wohl noch kommen? Jeden Tag gibt es wieder eine neue Nachrichtenlage zum Coronavirus. Foto: Roland Morgen
 Geht wegen Corona sicherheitshalber auf Abstand: Apotheker Jörg von Ehr hat zudem einen Spritzschutz auf dem Tresen aufgebaut.
Geht wegen Corona sicherheitshalber auf Abstand: Apotheker Jörg von Ehr hat zudem einen Spritzschutz auf dem Tresen aufgebaut. Foto: Roland Morgen
 „Bitte Abstand halten!“ – Vorsichtsmaßnahmen in Trierer Stadtbussen.
„Bitte Abstand halten!“ – Vorsichtsmaßnahmen in Trierer Stadtbussen. Foto: Roland Morgen
 Akkordarbeit auf dem Trierer Wochenmarkt, aber Sebastian Brömmelhaus (Hofgut Serrig) ist gut gelaunt: „Am Samstag in Konz war’s schlimmer.“
Akkordarbeit auf dem Trierer Wochenmarkt, aber Sebastian Brömmelhaus (Hofgut Serrig) ist gut gelaunt: „Am Samstag in Konz war’s schlimmer.“ Foto: Roland Morgen

Auf den Straßen eilen die Menschen entweder schweigend aneinander vorbei – oder diskutieren lebhaft miteinander. Wie zwei Männer in der Brotstraße. „Haste schon gehört? Jetzt sind auch die Puffs zu.“ „Nein, ist mir neu.“ Stimmt aber.