Wie vom Zug überrollt

TRIER. (chj) Zwei Festivals in einem: Bei der sechsten Auflage des "Destination Metal Festivals" im Exhaus spielten zuerst Vader mit Vorprogramm, dann Napalm Death mit Vorprogramm.

Die Mauern müssen dick sein im Exilkeller. Denn die Trierer Veranstalter Alphadoubleplus und freakstone concerts haben fürs "Destination Metal Festival" ein Programm zusammengestellt, dass die Wände beben lässt. Eigentlich sind es zwei Programme, denn zuerst spielen Vader mit Vorgruppen (Inactive Messiah, Severe Torture, God Dethroned) und dann Napalm Death mit Vorgruppen (Mendeed, Born from Pain). Das hat zur Folge, das sich nach dem ersten Headliner die Publikumsreihen etwas lichten. Vader stammen aus Polen und waren Mitte der 80er-Jahre die erste Band, die bei einem westeuropäischen Label unterschrieb. Überhaupt zieht es sie gern in die Ferne, denn die Death-Metal-Combo gibt weltweit bis zu 150 Konzerte im Jahr. Als ob ihre Mähnen beim Headbanging nicht schon genug durch die Luft wirbelten, sorgen beim Auftritt im Exil zusätzlich Ventilatoren für einen stürmischen Effekt. "Die sind morgen alle krank" prophezeit eine Besucherin angesichts der schwitzenden Musiker nüchtern. Größere Gesundheitsrisiken bestehen jedoch für das Gehör. Wer bei Napalm Death auf eine Ohrversiegelung verzichtet, gehört die folgenden Tage an einen Tropf mit Kochsalzlösung. Die Briten sind rekordverdächtig, was Lautstärke, Geschwindigkeit und Brutalität angeht. Tatsächlich stand das Quartett schon im Guinness Buch mit dem schnellsten Song aller Zeiten. Eine Sekunde dauert das Stück "You suffer". Darin soll Barney Greenway den Text "You suffer. But why?" singen, es klingt aber wie "Uuuuah". Greenway bellt die Lyrics wie ein rasender Bullterrier. Mit der Mischung aus brachialem Gesang, wahnwitzig schnellem Schlagzeugspiel und Gitarrenriffs schufen Napalm Death Anfang der 80er-Jahre eine neue Musikrichtung, den Grindcore. Dass die Band vom Punk kommt, merkt man heute noch an den sozialkritischen Texten, die freilich nicht zu verstehen, sondern nur nachzulesen sind. Auftritte von Napalm Death klingen so, als würde ein Hochgeschwindigkeitszug über einen hinweg brettern. Das Schlagzeuggeknüppel, bei dem die Beats teilweise kaum noch separat wahrnehmbar sind, sondern wie ein einziges bedrohliches Donnergrollen wirken, und der rohe Gesang sorgen für ungezügelten Bewegungsdrang unter den 400 Zuhörern. Die Sicherheitskräfte auf der Bühne haben während des einstündigen Programms, bei dem einige Stücke nur ein paar Sekunden dauern, jedenfalls alle Hände voll zu tun.

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