Wieder freie Fahrt ins Ruwertal

Wieder freie Fahrt ins Ruwertal

Nach zehn Jahren Planungs-, Protest- und Bauzeit ist die Loebstraße saniert - zumindest zum Teil. Wann der Abschnitt zwischen VW-Autohaus und Verteilerkreis ausgebaut wird, ist offen.

Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Trier Am 17. November 2010, es ist ein Mittwoch, lässt Norbert S. seinen Ärger raus: Als die Polizei hinter ihm in der Loebstraße herfährt, reißt er vor lauter Wut das Lenkrad rum und umfährt die Schlaglöcher im Asphalt demonstrativ in großen Bögen. Die Polizei macht das Blaulicht an. Schließlich gerät der Rentner aus Ruwer mit seinen Schlangenlinien immer wieder auf die Gegenfahrbahn. Doch der damals 74-Jährige setzt seine Guerillafahrt fort, immer rum um die Asphaltkrater. Soll die Polizei doch sehen, welche Gefahren die Rumpelpiste provoziert. "Bei den Schlaglöchern muss man ja Angst um sein Auto und sich selbst haben!", beschwert sich Norbert S. anschließend beim TV - auch über den Strafzettel, den die Ordnungshüter ihm verpassen.
Die Sanierung der Loebstraße, die Triers Norden mit dem Ruwertal verbindet, ist da schon lange geplant - und etliche Male aufgeschoben (siehe Chronik unten). Am morgigen Freitag endet die zehnjährige Sanierungsgeschichte voller Umplanungen, Anwohnerproteste und Verzögerungen: Nach gut zwei Jahren Bauzeit werden Sperrungen und Umleitungen aufgehoben, die Baustellenampeln abgebaut und die Loebstraße für den Verkehr freigegeben.
Nicht alle Anlieger sind zufrieden: "Vor der Zufahrt zu unserer Waschstraße gibt es jetzt einen sechs Zentimeter hohen Bordstein", schimpft Holger Sürken, Geschäftsführer von Best Car Wash. "Für viele tiefergelegte Autos ist das zu hoch - wir haben jeden Tag Beschwerden." Dem städtischen Tiefbauamt habe er das Problem vor Ort erörtert, "aber interessiert hat das niemanden - die Pläne wurden einfach ohne Rücksicht auf unsere Bedürfnisse umgesetzt". Dabei habe er schon durch die Straßensperrung inklusive langer Umleitungen starke Einbußen verkraften müssen.
Die Firma Natus gehörte ehemals zu den Hauptkritikern der Sanierungspläne. "Wir sind für die Stärkung des Radverkehrs, aber an der Loebstraße gehört einfach kein Radweg hin - schließlich gibt es zum Verteilerkreis hin und auch in die Ruwerer Straße gar keine Anschlüsse ans weitere Radwegenetz", betont Geschäftsführer Frank Natus heute noch. Dass er auch für den ungewollten Radweg Anliegerbeiträge zahlen musste - seine Firma müsse für den Straßenausbau rund eine Viertelmillion Euro an die Stadt überweisen - ärgere ihn. "Aber insgesamt sind wir sehr froh, dass die Straße endlich saniert ist! Die Löcherpiste war ein katastrophales Aushängeschild für Trier und auch für unsere Firma."
Wolfgang Spieles, Regionalleiter der Tüv-Prüfstelle weiter vorne in der Loebstraße, findet den Radweg dagegen gut. "Vorher waren die Radfahrer auf dem Bürgersteig vor den Zufahrten zu den ansässigen Firmen unterwegs - das war viel zu gefährlich!", sagt er. Die Verschmälerung der Fahrbahn von 8,50 auf 6,50 Meter erschwere LKW- und Busfahrern nun allerdings die Zufahrt zum Tüv-Gelände. "Da muss jetzt jeder Zentimeter ausgenutzt werden."
Die Handwerkskammer, ebenfalls Anlieger der Loebstraße, hatte vormals insbesondere kritisiert, dass Straßenausbau und neuem Radweg etliche ihrer Parkplätze zum Opfer fallen würden. "Das ist auch so gekommen", sagt HWK-Sprecher Thomas Sandner. "Zum Ausgleich haben wir von der benachbarten Firma Natus allerdings ein Gelände angemietet, das wir als Stellfläche nutzen", sagt Sandner, "so kommen wir zurecht."
Ein Video von der sanierten Loebstraße finden Sie unter www.volksfreund.de/videos

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