Wiedersehen mit der kopflosen Trevererin
Trier · Aus der Arbeit des Rheinischen Landesmuseums berichten die jährlich erscheinenden Bände der Reihe "Funde und Ausgrabungen". Band 44 beleuchtet die archäologische Arbeit des Jahres 2012 und bietet spannenden Lesestoff, der ohne Fachchinesisch auskommt.
Trier. Es war einer der rätselhaftesten archäologischen Funde des vergangenen Jahres. Auf dem ehemaligen Klostergelände der Weißen Schwestern in Trier-Heiligkreuz, wo nun ein neuer Wohnkomplex entsteht, grub ein Landesmuseums-Team die fast 2000 Jahre alte Sitzstatue einer Frau aus. Der Kopf wie auch der rechte Arm fehlen. Die Überraschung aber bestand darin, dass diese Form der Darstellung - sitzende Frau nicht in römischer, sondern nobler Treverer-Tracht - bis dahin nur von Grabsteinen aus Mainz und Umgebung bekannt war. Prominentestes Beispiel ist Menimane, Frau des Mainzer Reeders Blussus, und wegen ihrer Grabstein-Inschrift einzig namentlich bekannte Trägerin dieser Kleidung, die in der Fachliteratur als "Menimane-Tracht" bezeichnet wird.
Menimane hat, das machte der Grabungsfund von Heiligkreuz klar, nun gewissermaßen eine "Schwester" in der Treverer-Hauptstadt Trier. Deshalb ziert die Abbildung der in Heiligkreuz gefundenen Statue aus Jurakalk den aktuellen Band 44 der Landesmuseums-Reihe "Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier". Den dazugehörigen Beitrag liefert Karin Goethert (70), frühere Vize- und kommissarische Direktorin des Landesmuseums. Sie erklärt die stilistischen Parallelen so: Den Typus Sitzfigur brachten Bildhauer aus Oberitalien mit, als sie den an den Rhein verlegten römischen Legionen in deren Standorte und in die um 17 v. Chr. gegründete Stadt Augusta Treverorum, das heutige Trier, folgten. Und trotz 150 Kilometer Entfernung zwischen Trier und Mainz standen die Bildhauerwerkstätten in engem Kontakt.
Die einheimische Menimane-Mode war eine Erscheinung des 1. Jahrhunderts. Im 2. Jahrhundert trugen die noblen Damen auch im Treverergebiet das, was in Rom en vogue war.
Der "Funde und Ausgrabungen"-Band für 2012 enthält auf insgesamt 116 Seiten neun weitere Kapitel. Sie bieten auch Laien eine spannende Lektüre, weil die Autoren allgemein verständlich schreiben und auf Fachchinesisch weitestgehend verzichten.
Themen sind unter anderem das in der Zeit von Julius Caesars Gallischem Krieg (50 bis 50 v. Chr.) bei Hermeskeil errichtete römische Militärlager (Autorin: Sabine Hornung), 100 Jahre Ausgrabungen und Restaurierungen an den Kaiserthermen (Michael Dodt), Soldatengrabsteine (Frank Unruh), das Wirken des Archäologen Johann Baptist Metz (1858-1937) in seiner Heimatstadt Trier und in Metz (Jürgen Merten und Julien Trapp) und Neues zur Geschichte des im 14. Jahrhundert gegründeten Karthäuserklosters im Trierer Altbachtal (Simon Mewes).
Band 44 der "Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier" (116 Seiten, broschiert) ist für 8 Euro im Shop des Rheinischen Landesmuseums Trier (Weimarer Allee 1) und im Buchhandel erhältlich.