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Wildschwein Plage Kenn Trier-Ruwer

Kostenpflichtiger Inhalt: Tiere : Wenn Säue den Garten verwüsten

In Kenn und Trier-Ruwer werden Wildtiere immer mehr zur Plage. Die Jagdgenossenschaft will auf eigene Kosten tätig werden.

Im Höhenviertel Kenner Ley/Ruwer-Zentenbüsch mehren sich die Klagen von Anwohnern über Wildschweine. Die Tiere verwüsten Wiesen und Gärten, werden immer mehr zur Plage.

Hermann-Josef Esser wohnt in der Straße Auf Feiser in Ruwer. Sein im Hang liegender Garten sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die Wildsäue haben das Grundstück auf der Suche nach Nahrung regelrecht umgepflügt und dabei auch eine Trockenmauer zum Einsturz gebracht. Auch Rehe sind regelmäßige Gäste bei Essers hinterm Haus, knabbern junge Triebe und Rosenknospen ab.

Esser beklagt, dass die Betroffenen mit ihrer Situation alleingelassen werden, dass es keine verlässlichen Infos und auch keine offiziellen Ansprechpartner gibt. Schäden, die Wildtiere bei bei Privatleuten anrichteten, würden statistisch nicht erfasst.

Auch gebe es keinen unabhängigen Wildschadensbeauftragten oder eine Stelle, bei der man sich über Präventionsmaßnahmen, rechtliche Fragen oder Schadensausgleich informieren könne.

Wie schwierig es ist, einen Zuständigen zu finden, erlebte Hermann-Josef Esser vor einigen Monaten: Seine Frau rief ihn an, dass sie nicht ins Haus könne, weil ein Wildschwein vor der Tür stehe. Weder Polizei noch Ordnungsamt hätten sich zuständig gefühlt, sagt Esser. Schließlich habe er über die Ortsvorsteherin von Ruwer, Christiane Probst, die Telefonnummer des Jagdpächters erfahren.

Heinzpeter Hank aus Longuich ist Jagdpächter in den Jagdbezirken Kenn und Ruwer, zudem ist er Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Ruwer-Eitelsbach. „Wir tun alles, um das Wildschweinproblem in den Griff zu bekommen”, sagt Hank. Aber in Wohnbezirken könne man halt nur bedingt jagen. Treibjagden mit Gewehr am Anschlag seien nicht möglich, weil es sich um einen befriedeten Bezirk handle. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Tiere in Richtung Autobahn oder Landesstraße laufen und Unfälle verursachen.

Die Jagdgenossenschaft habe vor, auf ihre Kosten „Dickungen” oberhalb der Straße Im Feiser zu fräsen. In diesen Hecken suchten die Tiere Unterschlupf und starteten ihre Abstechen in die Gärten. Die vorgegebenen Abschlusspläne seien übererfüllt worden, so Hank. Seit April seien in Kenn und Ruwer mehr als 50 Wildschweine erlegt worden. Die Wildschäden in den Kenner Weinbergen und auf den Feldern halten sich laut Hank in diesem Jahr in Grenzen.

Auch zwischen den Baugebieten Kenner Ley 1 und 2 nehmen die Schwarzkittel überhand. Dort finden sie Schutz in einem Wäldchen zwischen den Wohngebieten. Das Gelände sei in Gemeindebesitz, sagt Kenns Ortsbürgermeister Rainer Müller, aber zuständig für den Bewuchs sei die Forstverwaltung. Müller, der sein Privatgrundstück selbst schon mit einem Stahlgitterzaun gegen unerbetene Tierbesuche abgeschirmt hat, wird vermehrt von Bewohnern auf dieses Thema angesprochen.

Kürzlich informierte er darüber auch im Amtsblatt. Eine Entschädigung gebe es vom Jagdpächter nur für Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen, schreibt Müller. Im Privatbereich sei die Umzäunung der Grundstücke eine bewährte und wirksame Maßnahme zur Schadensvermeidung.

Auch Hermann-Josef Esser zieht Konsequenzen. Er möchte, wie von Jagdpächter Hank empfohlen, einen Elektrozaun um seinen Garten ziehen und hofft, dass sich davon die Wildtiere abschrecken lassen.