Winnetou mit Leib und Seele - seit der Kindheit fasziniert von Indianer-Romanen

Winnetou mit Leib und Seele - seit der Kindheit fasziniert von Indianer-Romanen

Wer kennt sie nicht, die Abenteuerromane des Schriftstellers Karl May? Vor allen Dingen die Wild-West-Erzählungen, die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand, haben Reinhold Schomer von Kindheit an nie mehr losgelassen. Der 53-Jährige aus Trier-Irsch ist Indianer-Häuptling aus Leidenschaft. Sein Verein sind die Pluwiger Karl-May-Freunde - seine Rolle ist die des Winnetou.

"Es war schon immer ein großer Traum von mir, in die Rolle des edlen Häuptlings zu schlüpfen. Mein erstes Winnetoukostüm habe ich im Alter von sieben Jahren bekommen - handgenäht von meiner Mutter. Seither habe ich mich an Karneval immer als Winnetou verkleidet. Ich bin einfach ein totaler Karl-May-Freak. Sonst würde das alles ja auch gar nicht klappen. Du musst ja irgendwo drauf aufbauen. Als echter Karl-May-Freund kannst du ja nicht den Räuber Hotzenplotz spielen.
Anfangs wollte ich nur ein, zwei Mal den Winnetou spielen - für einen guten Zweck oder so. Deshalb habe ich reiten gelernt und mir mein eigenes Pferd - es heißt natürlich Iltschi, zugelegt. Eigentlich hatte ich nie den richtigen Zug zum Reiten. Aber wenn ich Winnetou spielen will, muss ich ja auch reiten und ein Pferd haben. Ein Holzsteckenpferd wäre da schlecht gewesen. Eine riesige Überwindung war es am Anfang, auf die Bühne zu gehen und vor so vielen Leuten zu spielen. Aber von Probe zu Probe steigerst du dich da rein, und irgendwann geht es halt einfach.
Auf unsere erste, 60 Mann starke Winnetougruppe aus 1989 folgte im Jahr 2000 die offizielle Vereinsgründung. Besonders schön bei uns ist, dass alle eifrig mitmachen und an einem Strang ziehen. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team, bei dem sich jeder auf den anderen verlassen kann - das ist toll.
Mein schönstes Erlebnis war unsere allererste Vorstellung, damals noch in Hockweiler. Wenn du vor so vielen Leuten spielst und dann den Applaus bekommst - da stehen dir die Haare zu Berge, da hältst du nichts mehr zurück. Mir sind sozusagen die Tränen gekommen.
Und als ich dem Pierre Brice in Pluwig gegenüber gestanden habe und meinem Idol die Hand geben durfte - auch das war einfach ein unbeschreibliches Erlebnis für mich. Keiner hat den Winnetou so verkörpert wie er. Er ist und bleibt der Winnetou, daran kann keiner tippen. Nicht so schön ist es, wenn unsere Spielfläche vor lauter Hagelschauern unter Wasser steht. Da hast du dich geplagt wie der Teufel und dann so etwas.
2009 hatte ich mir während der fünften Aufführung die Achillessehne abgerissen. Zum Glück wurde der Fuß so geschient, dass ich spielen konnte. Und was die Schmerzen betrifft - das war auszuhalten. Ein Indianer kennt keinen Schmerz!
Irgendwann werde ich den Winnetou mal abgeben müssen, das wird mehr als hart für mich sein. Aber meinen Nachfolger will ich selber aussuchen. Natürlich, es gibt viel bessere Schauspieler als mich, aber Winnetou und Old Shatterhand - die dürfen nicht von irgendjemand gespielt werden. Diese Rollen müssen gelebt werden! Für meinen Verein wünsche ich mir, dass wir weiterhin den Erfolg haben, wie bisher.
Für unsere kleine Laienbühne stehen wir mittlerweile auf einem Niveau, das nicht mehr zu übertrumpfen ist. Wir brauchen uns nicht zu verstecken."

Aufgezeichnet von Anja Fait

In unserer neuen TV-Serie "Mein Verein" lassen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu Wort kommen. Jeden Mittwoch stellen wir einen Verein aus der Perspektive eines Mitglieds vor. Dazu gibt es die wichtigsten Daten über den Verein in Kurzform. Sie wollen Ihren Verein vorstellen? Schreiben Sie uns bitte eine E-Mail mit einigen Daten an trier@volksfreund.de
Die Pluwiger Karl-May-Freunde wurden 2000 gegründet. Mittlerweile zählt der Verein rund 300 Mitglieder, 120 davon sind aktiv an den Festspielen beteiligt. Ansprechpartner und erster Vorsitzender des Vereins ist Ernst Witz aus Trier-Irsch. Die Alters- und Geschlechtsstruktur bei den Karl-May-Freunden ist bunt gemischt. Das jüngste aktive Mitglied ist sechs Jahre, das älteste 72 Jahre alt. Der Verein verfügt über eine eigenständige Jugend- und eine Schützenabteilung. In diesem Jahr finden wieder Vorführungen auf der Freilichtbühne in Pluwig statt; das Stück heißt "Der Geist des Llano Estacado". Für folgende Termine (Beginn jeweils um 19.30 Uhr) sind noch Karten im Vorverkauf erhältlich: 29. und 31. Juli, 5., 7., 12. und 14. August. Sämtliche Samstagsveranstaltungen sind bereits ausverkauft. anf Weitere Informationen im Internet unter karl-may-freunde.de

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