Winter bringt sich um
Das war einer dieser Abende, die man so schnell nicht vergisst: Im Café des Exhauses verzauberten Singer-Songwriter aus Schweden und den USA die gut 70 Gäste.
Trier. (fgg) Songwriter Björn Kleinhenz steht mit einer Gitarre mit abgeknickter Mechanik vor gut 70 Besuchern im Café des Exhauses. Das lädierte Instrument gehört einem Musiker von "Communicaution", die im Vorfeld aufgetreten sind, und ist unbemerkt irgendwie zu Bruch gegangen. "Vielleicht können wir helfen, dass er sich eine Neue kaufen kann", sagt Kleinhenz, steckt demonstrativ einen Schein in das Schallloch der Gitarre und reicht sie dann ins Publikum.Sammeln für die neue Gitarre
Während sie herumgereicht wird, spielt Kleinhenz den nächsten Song, allerdings nicht alleine: Mit ihm auf der faktisch nicht vorhandenen Bühne stehen die Schwedin Susanne Brandin und der Amerikaner Erik Neave. Nachdem sie zusammen ein Stück gespielt haben, irgendwo zwischen Elliot Smith und Rufus Wainwright einzuordnen, bedankt sich Kleinhenz: "Es war wunderschön, während des Spielens die Münzen in die Gitarre fallen zu hören."Die drei tauschen fleissig die Instrumente untereinander: Wer mit der Gitarre am Mikro steht, wird von den anderen jeweils mit Orgel, Drums oder auch Glockenspiel begleitet. Das funktioniert wunderbar, denn die Songs der Musiker sind zwar nicht austauschbar, haben aber eine gemeinsame Wurzel. Susanne Brandin singt ihre Balladen mit verträumt-ätherischer Stimme und perlenden Gitarren, während die Musik des in Stuttgart geborenen Schweden Kleinhenz etwas tänzerischer daherkommt.Kennenlernen in der U-Bahn
Brandin und Kleinhenz haben schon einige Kooperationen gemacht: Sie spielt in seiner Band, hat aber auch das eigene Projekt "Winter Took His Life". Während eines Aupair-Jahres in Boston hat die Schwedin dann den rauschebärtigen Neave ganz klassisch in einer Bostoner U-Bahn spielen gehört und sofort ins Herz geschlossen, was man durchaus nachvollziehen kann: Tritt er während des Intrumentekarussels nach vorne, wird's besonders eindrucksvoll. In seiner Musik stecken Bilder im breitesten Cinemascope ("Wisconsin Skies"), aber auch Skurriles und Tieftrauriges wie "Black Lung".Zusammen sind die drei Freunde derzeit auf einer Art Wohnzimmer-Tour auf Kleinstbühnen in und um Deutschland herum unterwegs: Für den nächsten Tag steht in Göttingen ein Konzert im "Livingroom" auf dem Plan - und das ist nicht etwa der Name eines Clubs! Wer das fantastische Konzert im Exhaus verpasst hat, bekommt aber sogar ganz in der Nähe eine zweite Chance: Am 29.Januar tritt die Truppe im "D:Cliq" in Luxemburg auf. Wer den Winter umbringen möchte, dem sei der Besuch dringend empfohlen.