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"Wir äußern nicht nur Wünsche"

"Wir äußern nicht nur Wünsche"

"So sehen wir das" lautet der Slogan der Trierer FDP für den anstehenden Kommunalwahlkampf. Ihre Kandidatenliste für den Stadtrat haben die Liberalen am Samstag in großer Einigkeit gewählt.

Trier. "Nine-Eleven": Der englische Ausdruck steht für das Datum der Terroranschläge auf das World-Trade-Center in New York am 11. September 2001. "Und der 22. September 2013 war das Nine-Eleven der FDP", spielt Martin Neuffer auf den verpassten Wiedereinzug in den Bundestag an. Statt um Kommunalpolitik - der Jurist kandidiert auf Platz zwei der FDP-Kandidatenliste für die Trierer Stadtratswahl - geht es um Grundsätzliches: "Man kann doch nicht die Schwachen stärken, indem man die Starken schwächt!", ruft der 46-Jährige den 24 FDPlern zu, die zum Kreisparteitag ins Bürgerhaus in Trier-Nord gekommen sind. Auch in Sachen Frauenquote findet der Tarforster klare Worte. Bei einer Sitzung des städtischen Schulträgerausschusses habe er kürzlich beobachtet, wie eine "Dame, die nur dank Quote in den Stadtrat gekommen ist" sich die ganze Zeit mit Sudoku-Rätseln beschäftigt und eine andere Frau permanent mit ihrem Handy gespielt habe. Kommunalwahl 2014

"So was bringt doch nichts!", ruft Neuffer, "wir brauchen Leute, die engagiert Politik machen!" Grundsätzlich freue er sich allerdings über Frauen in der Partei. "Frauen machen Spaß - sonst hätte ich ja auch in meiner Studentenverbindung bleiben können." Tatsächlich hat es auf den Kandidatenzettel, die der Parteivorstand am Samstag der Basis vorgeschlagen hat, doch noch eine Frau auf einen aussichtsreichen vorderen Listenplatz geschafft. Der FDP-Vorstand hatte die Liste noch in den vergangenen Tagen umsortiert. Nach dem Rückstritt von Yvonne Romes als Parteivize (der TV berichtete) war zuletzt keine Frau mehr für einen vorderen Listenplatz vorgesehen. In letzter Minute hievte der Vorstand dann doch noch die 30-jährige Katharina Haßler, die seit dem Abschluss ihres Studiums als Kellnerin arbeitet, auf den dritten Platz. Die Basis stimmte dem Listenvorschlag des Parteivorstandes nahezu vorbehaltlos zu: Für alle 56 Kandidaten gab es Spitzenergebnisse: Tobias Schneider holte auf dem ersten Listenplatz 22 von 23 abgegebenen Stimmen, auf Neuffer entfielen 22 von 24 Stimmen und auf Haßler 24 von 25 Stimmzetteln. Parteichef und Spitzenkandidat Schneider hatte zuvor die kommunalpolitischen Ziele der FDP umrissen: "Wir sind die einzige Partei, die nicht einfach Wünsche äußert, sondern ihre Verantwortung ernst nimmt. Das zeigen viele schmerzhafte Entscheidungen, die die FDP-Fraktion im Stadtrat in den letzten Jahren getroffen hat", sagte Schneider. So könne es beispielsweise nicht mehr darum gehen, dass jeder Stadtteil unbedingt seine eigene Schule habe. "Mir ist es lieber, Kinder aus mehreren Stadtteilen besuchen eine Schule, für die dann genug Mittel da sind, um sie gut auszustatten und frei von Schimmel zu halten." Meinung

Vorwärts ohne SprücheAußer Tobias Schneider, der sich im Stadtrat in den vergangenen Jahren ein gutes Profil erarbeitet hat, sind die vorderen Listenkandidaten der Liberalen weitgehend unbekannt. Trotzdem hat der Parteichef es sich zum Ziel gesetzt, das Ergebnis der Kommunalwahl 2004 zu wiederholen. Das wird nicht nur deshalb schwierig, weil mit AfD und den Piraten neue Parteien in den Rat drängen. Auch die Personalquerelen bei den Liberalen mit dem Rücktritt von Parteivize Yvonne Romes, dem Austritt von Stadtrat Felix Brand und die schlechte Listenplatzierung der erfahrenen Kommunalpolitikerin Katrin Braun-Hülsmann haben für Irrungen und Wirrungen gesorgt. Jetzt muss die Partei den Vorwärtsgang einlegen. Denn in der Kommunalpolitik können die Liberalen ein gutes Korrektiv sein. Sprüche wie "nicht die Schwachen stärken, indem man die Starken schwächt", sollten sie allerdings lassen. c.wolff@volksfreund.deExtra

Die Kandidaten: Tobias Schneider, 2. Martin Neuffer, 3. Katharina Haßler, 4. Jürgen Erfurth, 5. Wolfgang Schaab, 6. Helmut Berka, 7. Laura Marquardt, 8. Sven Dahmen, 9. Katrin Braun-Hülsmann, 10. Hartmut Rudat, 11. Henrick Meine, 12. Holger Alisch, 13. Friedrich Hiller von Gaertringen, 14. Roman Straub, 15. Daniel Leiders, 16. Frederik Seibert, 17. Svenja Marschall, 18. Matthias Wolfger, 19. Thorsten Kläs, 20. Michal Dorbrajc, 21. Jacqueline Husemann, 22. Rico Herzog, 23. Sara Ülkümen, 24. Thu Van Huynh, 25. Yvonne Rosenbauer, 26. Julian Burhenne, 27. Jörn Christophersen, 28. Silke Reinert, 29. Johannes Stoller, 30. Oliver Wolf, 31. Thomas Alt, 32. Peter-Stephan Berens, 33. Jan Seger, 34. Dennis Domanski, 35. Lenhard Pham, 36. Leif-Erik Klinnert, 37. Gernot Niebling, 38. Benno Schulz, 39. Martin Deubel, 40. Leonard Mack, 41. Philipp Kocks, 42. Jonas Warlich, 43. Martin Hiller von Gaertringen, 44. Norman Vogtel, 45. Robin Grefe, 46. Philipp Divivier, 47. Felix Friedrichsen, 48. Stephan Schollenberger, 49. Marc Fischer, 50. Thomas Dewitz, 51. Lydia Lamberty, 52. Michael Metzler, 53. Michael Grundheber, 54. Stefan Geuppert, 55. Monika Indig, 56. Karl-Josef Gilles.