"Wir brauchen einen Bolzplatz"

"Wir brauchen einen Bolzplatz"

EHRANG. Sie heißen Manuel, Klaus, Jennifer und Benjamin, sind 15 oder 16 Jahre jung, spielen gerne Fußball und tanzen - und "bauen zu oft Schei...", wie sie selbst sagen. Ein Streetworker soll helfen, das zu verhindern.

"Eigentlich wollen wir keinen Schei... bauen, aber dann machen wir es doch", meint der 15-jährige Benjamin, und dabei schwingt so etwas wie Resignation und ein Stück Wut mit. "Wenn wir einen Bolzplatz hätten, wären wir jeden Tag dort", glaubt der Blondhaarige. Doch einen zentralen Treffpunkt gibt es im Ortskern eben nicht, sondern nur eine ramponierte Haltestelle, deren Beschädigungen ein beredtes Zeugnis abgeben.Überall nur Verbote

Dazu kommen Verbote: Fußball spielen ist tabu auf dem Schulhof, tabu auf dem Platz vor der Feuerwehr, tabu auf dem Kirchvorplatz. Tabu sind manche Geschäfte und auch der Waschsalon für die "Möchtegerngangster von Ehrang", wie ein Schild verkündet. Ein Lichtblick für die Jugendlichen ist das Pfarrheim neben der Kirche St. Peter, wo sie sich zweimal wöchentlich treffen dürfen, und zwar unter kompetenter Aufsicht. Denn seit Oktober läuft in Ehrang ein Streetwork-Projekt, das im Stadtteil "aufsuchende Jugendarbeit" leistet. Möglich wird dies durch das Programm "Lokales Kapital für soziale Zwecke" (Los), das das Ehranger Projekt mit 10 000 Euro jährlich finanziert, befristet auf drei Jahre. Alex Elsen heißt der Streetworker, ein 45-Jähriger, der mit seiner tiefen Stimme und ruhigen Art eine ausgleichende Wirkung ausstrahlt. Goldschmied ist er und Erzieher, studierte aufs Lehramt, war zuletzt Gruppenleiter in einer Therapieintensivgruppe für schwer erziehbare und straffällige Jugendliche. "Alex", wie ihn die Jugendlichen nennen, wandelt zusammen mit dem ehrenamtlichen Jugendpfleger Michael Binder auf einem schmalen Grat. Einerseits Interessen der Anwohner und Pfarrgemeinde wahrnehmen, andererseits Freiraum für die Jugendlichen schaffen, sie mit Regeln vertraut machen und Vertrauen bilden. "Ein langer Prozess", weiß Elsen. "Ich bin noch in der Aufbauphase, die Akzeptanz ist aber recht groß." 25 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren kommen regelmäßig in das Pfarrheim - "eigentlich müssten zwei Sozialarbeiter in Vollzeit angestellt sein", meint Elsen. Doch die Probleme scheinen in den vergangenen Monaten zurückgegangen zu sein. Seit Oktober verfolgt die Polizei ein neues Konzept, zeigt mehr Präsenz in Ehrang, sucht gezielt die Treffpunkte der Jugendlichen auf, in Absprache mit Elsen und behördlichen Vertretern. Das Konzept scheint aufzugehen. "Wir haben rückläufige Zahlen von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten", berichtet der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Schweich, Harald Licht. Was am Thema Bolzplatz allerdings nichts ändert. "Wir brauchen dringend einen Platz, wo wir uns treffen können", sagen die Jugendlichen. Und Klaus fügt ironisch hinzu: "Wie wäre es mit einer beheizbaren Bushaltestelle?"

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