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"Wir fühlen uns in Trier wohl"

"Wir fühlen uns in Trier wohl"

Elf Prozent der Studierenden an der Uni Trier kommen aus dem Ausland, genauer gesagt aus 96 verschiedenen Ländern. Um in die fremde Stadt eintauchen zu können, bietet das Internationale Zentrum viele Möglichkeiten - von Patenschaften bis hin zu Weihnachtsessen in Trierer Familien.

Trier. "Riesling und Porta, das ist für mich typisch trierisch", sagt Anna Samoplyasova (23). Die Russin studiert im fünften Semester Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Universität Trier und lebt seit zwei Jahren an der Mosel. Dass jeder jeden kennt, findet sie "super". Das ist sie von zu Hause nicht gewohnt. Anna kommt aus der Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt St. Petersburg.
Ani Ohanyan (28), Doktorandin im Studienfach Umweltökonomie, stammt aus Armenien. Sie findet das Wort "gell" typisch für Trierer. Den Pizzasalat, ein Spezialgericht einer Trierer Kellerkneipe, hält sie für etwas Besonderes in Deutschlands ältester Stadt.
Anna und Ani haben schon Stadt und Leute gut kennengelernt. Es dauere ein, zwei Jahre, bis man Kontakt zu Trierern bekomme, sagt Ani. Aber dann entstünden ehrliche Freundschaften.TV-Serie Studieren in Trier


Die Uni Trier hält für die Studierenden aus insgesamt 96 verschiedenen Ländern unterschiedliche Angebote parat, damit die Eingewöhnung im Ausland leichter fällt und schneller klappt.
Zum einen ist das Akademische Auslandsamt Anlaufstelle für Studierende aus dem Ausland und zum anderen das Internationale Zentrum (IZ), ein Verein an der Uni Trier, der sich für die Integration internationaler Studierender einsetzt.
Aktuell laufen dort sieben Projekte. Karolina Urban (18) leitet etwa das Buddy-Programm des IZ: Wer möchte, bekommt einen deutschen Studenten an die Seite gestellt, der ihm Uni, die City und seine eigene Welt näher bringt. Zu den jüngsten IZ-Angeboten zählt das Projekt Fremde werden Freunde: "Gaststudenten besuchen Familien in Trier und der Region und lernen fernab des Uni-Lebens hautnah deutsche Kultur kennen", erklärt Tiago Nunes (26) vom IZ-Vorstand. Ende November ist jeweils ein Weihnachtsessen in den rund 30 Familien, die Studierende zu sich nach Hause eingeladen haben.
Oder andersherum, Gaststudenten machen Angebote: Marin Milavic (22), kroatischer Informatik- und Germanistikstudent, bietet an der Uni einen Kroatisch-Kurs an. "Ich erzähle gerne von Kroatien", erklärt er seine Motivation, anderen seine Muttersprache beizubringen.
Dass internationale Studierende unter sich bleiben, muss nicht sein. Angebote gibt es genügend, und die überschaubare Größe der Stadt macht vieles möglich. Da sind sich die neun Gaststudenten, die zum Gespräch mit dem Volksfreund gekommen waren, einig. Und sie sagen: "Wir fühlen uns in Trier wohl."
Kartik Mokrala (24), Umweltwissenschaftsstudent aus Indien, sagt sogar: "Ich liebe diese kleine Stadt. Sie ist mir eine zweite Heimat geworden." Einziges Manko: "Wer anfangs nicht gut Deutsch spricht, bekommt Probleme." Etwa bei der Wohnungssuche. Das hat auch Maryna Klimavets (26) erfahren. Das Vorurteil "Du bist zwar nett und freundlich, aber du brauchst bestimmt oft Hilfe", hat sie häufig bei Absagen gehört. Auch während Gruppenarbeiten an der Uni habe man sie anfangs ungerechtfertigt als mögliche Bremse eingestuft.
Mittlerweile sind die Anfangsschwierigkeiten vergessen. Ihr Deutsch ist sehr gut, und Maryna weiß das Wort "gell" einzuordnen.