"Wir könnten mehr Wein verkaufen"

"Wir könnten mehr Wein verkaufen"

Die Winzergenossenschaft Moselland eG in Bernkastel-Kues blickt aus Sicht ihres Vorstandsvorsitzenden Henning Seibert auf ein positives Geschäftsjahr 2015/16 zurück. Im kommenden Jahr will die Genossenschaft verstärkt um weitere Mitglieder werben. Seibert: "Wir könnten mehr Wein verkaufen, als wir haben."

Bernkastel-Kues. Henning Seibert, seit Juni 2014 Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft Moselland eG, hält eine Weinflasche mit einer ungewöhnlichen Ausstattung in der Hand. Die Flasche ist in braunes Packpapier gehüllt, darauf steht: "Eklat - Verboten gut". Der Inhalt der Flasche: ein trockener Rotwein aus der Pfalz. Im Lebensmitteleinzelhandel ist er für 7,99 Euro zu haben. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass der Großteil der Weine, die die Moselland vermarktet, im Supermarkt zwischen drei und vier Euro kosten. Seibert: "Man muss sich im harten Wettbewerb immer wieder etwas Neues einfallen lassen." Ein anderes Produkt ist ein Wein von der Nahe mit Namen Riesling Rosengarten. Die Rosen sind direkt auf die weiße Flasche gedruckt, was einen besonderen Effekt ergibt. "Der läuft ganz gut in den USA", erklärt Seibert. Ebenfalls erfolgreich sind die Bio-Weine.
Doch der Wettbewerb ist hart. Die Genossenschaft konkurriert mit den Großkellereien und kämpft wie diese um jeden Meter Regalplatz im Lebensmitteleinzelhandel, der sich nach der Übernahme der Kaiser's Tengelmann-Filialen durch Rewe und Edeka noch mehr konzentriert hat. Seibert: "Es ist ein schwieriges Geschäft."
Im Geschäftsjahr 2015/16 machte die Moselland einen Umsatz von 81,5 Millionen Euro, das sind 2,5 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor.
Längst vermarktet das Unternehmen nicht nur Moselwein. Die Genossenschaft hat Mitglieder auch in Rheinhessen, an der Nahe und in der Pfalz, die zusammen rund 850 Hektar bewirtschaften. Insgesamt beträgt die Rebfläche der Mitglieder 1900 Hektar. Seit wenigen Wochen gehört die Niersteiner Winzergenossenschaft, deren Weine die Moselland bereits seit 2004 vermarktet, ganz zu dem Bernkasteler Unternehmen.
Im kommenden Jahr will Seibert eine Informationsoffensive starten. Seibert: "Eigentlich müssten wir uns vor Mitglieder-Zugängen nicht mehr retten können, denn im Durchschnitt ist unsere Auszahlungsleistung höher als auf dem freien Markt." Es sei an der Zeit die vielen Vorteile, die die Winzer durch eine Mitgliedschaft erfahren, offensiv zu kommunizieren. Seibert will auch dem "verstaubten Image", das den Winzergenossenschaften anhängt, entgegenwirken. Seibert: "Unsere Produkte beweisen das Gegenteil. Genossen ist nicht die Vergangenheitsform von genießen." Zu schaffen machen der Winzergenossenschaft die schwankenden Erträge und die Preisspekulation auf dem freien Markt. Sie bietet den Winzern Qualitätsprojekte wie "Riesling-Steillage" an. Die Winzer müssen die Hektarerträge reduzieren, ein Beratungsring gibt Hinweise zum Pflanzenschutz, Anschnitt und Bodenbearbeitung. Dafür gibt es höhere Auszahlungspreise. Außerdem kümmert sich die Moselland im Herbst um die Logistik - beispielsweise, wenn der Winzer einen Vollernter einsetzt.Extra

Vorstandsvorsitzender Henning Seibert zeigt zwei neue Produkte. Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"

Die Winzergenossenschaft Moselland eG ist 1969 aus dem Zusammenschluss mehrerer regionaler Genossenschaften hervorgegangen. Sie hat heute rund 2000 Mitglieder, die insgesamt 1900 Hektar in den Anbaugebieten Mosel, Pfalz, Rheinhessen und Nahe bewirtschaften. Im Jahr 2000 fusionierte die Moselland mit der Winzergenossenschaft Nahe Winzer und 2004 mit der pfälzischen Winzergenossenschaft Rietburg. Im Jahr 2012 unterzeichnete die Moselland eG einen Kooperationsvertrag mit der Winzergenossenschaft Rheingau eG, Eltville, im Jahr 2004 mit der Niersteiner Winzergenossenschaft. Vor wenigen Wochen hat die Moselland die Niersteiner Winzergenossenschaft Nierstein komplett übernommen. Die Moselland vermarktet zwei Drittel ihrer Weine und Sekte im Inland, ein Drittel im Ausland. Die Lagerkapazität beträgt rund 70 Millionen Liter Fasswein und 6,3 Millionen Liter Flaschen. Das Unternehmen hat 200 Beschäftigte, der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr betrug 81,5 Millionen Euro bei einem Absatz von 36,4 Millionen Liter Wein und Sekt. Die Moselland vermarktet 20 Prozent des gesamten Moselweins. sim

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