"Wir selbst sind der Wandel"

Sechs Wochen intensive Diskussionen liegen hinter Brenda Mbaja, Hellen Bitieka und James Ouma. Für einen Sommerkurs an der Universität waren die drei Studenten aus Nairobi in Trier. Sie setzen sich für nachhaltige Entwicklung in ihrer Heimat ein.

Trier. Keine Woche vergeht, ohne dass eine neue Horrormeldung aus irgendeiner Ecke des afrikanischen Kontinents eintrifft. Gerade beherrscht die Ebola-Epidemie in Westafrika die Nachrichten. Die westliche Welt nimmt den Schwarzen Kontinent als einen einzigen Problemherd wahr - oder als exotisches Reiseziel.
Dass es auch eine hoffnungsvolle, tatkräftige Generation junger Afrikaner gibt, die die Probleme in ihrer Heimat erkennt und sich für Entwicklung einsetzt, beweisen Brenda Mbaja, Hellen Bitieka und James Ouma. "Wir müssen endlich daran glauben, dass wir selbst Lösungen finden können", sagt die 23-jährige Brenda. Entwicklungshilfe sei zwar nötig, müsse aber viel partnerschaftlicher angelegt sein.
Alle drei studieren an der Kenyatta Universität in Nairobi und haben an dem entwicklungspolitischen Partnerschaftsprojekt der Universität Trier teilgenommen. Hellen, 21, studiert Agrarökonomie und sieht die Ursachen von Armut und Leid nicht in den natürlichen Voraussetzungen des Kontinents: "Wir haben genügend Rohstoffe und Nahrungsmittel - nur die Verteilung stimmt einfach nicht."
1998 baute Johannes Michael Nebe, Dozent für Raumentwicklung und Landesplanung an der Universität Trier, die Partnerschaft mit der kenianischen Universität auf. Zweimal im Jahr findet ein vierwöchiges Projekt zu unterschiedlichen Fragestellungen rund um das Thema nachhaltige Entwicklung statt. Jeweils 15 Trierer und 15 afrikanische Studenten aus unterschiedlichen gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen können daran mitarbeiten.
Der 22-jährige James studiert Soziologie und Gender Studies: "Man bekommt einen völlig anderen Blick auf das, was in dem eigenen Heimatland passiert", erzählt er.
Jedes Jahr lädt Nebe drei der afrikanischen Projektteilnehmer zu einem Sommerkurs an der Universität Trier ein. Vier Wochen lang Deutschunterricht, Exkursionen in der Region und einen Besuch in Berlin haben Brenda, Hellen und James erlebt. "Ich denke sehr viel über mein Land nach und vergleiche es mit Deutschland", erzählt James. Er sei beeindruckt, wie die Deutschen aus einer so schrecklichen Geschichte heraus ein so schönes Land geschaffen hätten. Das gebe ihm Hoffnung und Zuversicht, auch für seinen, so oft als gescheitert bezeichneten, Heimatkontinent.
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"Wir müssen in Afrika endlich Verantwortung übernehmen," sagt auch Brenda. "Wir selbst sind der Wandel!" Sie studiert Gesundheitsökonomie und arbeitet für ein Projekt, das in Radio und Fernsehen über Gesundheits- und Gesellschaftsthemen informiert. "Wir brauchen mehr gesellschaftliche Bildung", erklärt sie. "Die Afrikaner müssen aufhören, die Regierung als unantastbare Person zu sehen und erkennen, dass sie selbst die Macht und auch die Verantwortung haben."
Außerdem müsse es endlich möglich sein, über unangenehme, angstauslösende Themen zu sprechen, anstatt sie totzuschweigen.
Nur dann sei es zum Beispiel möglich, Krankheitsepidemien wie die aktuelle Ebola-Welle zu stoppen. "Die öffentlichen Gesundheitssysteme sind schlecht, aber noch viel schlechter ist die Aufklärung über Krankheiten", sagt Brenda.
Seit dem großen Ebola-Ausbruch in Westafrika sind Brenda, Hellen und James in Europa. Sie sind froh, dass die kenianische Regierung einen Einreisestopp für Menschen aus den betroffenen Regionen verhängt und alle Flugverbindungen gekappt hat. Das sei eine gute gesundheitspolitische Maßnahme.
Alle drei nehmen viel von ihrem Deutschlandbesuch mit - für ihr Studium, ihre Einstellung zu Staat und Gesellschaft und ihren persönlichen Weg. "Ich werde mich auf jeden Fall für einen Masterplatz in Deutschland bewerben", sagt James. Hellen und Brenda haben das ebenfalls vor. Der Sommerkurs hat sie auf ihrem Weg bestärkt und eine noch größere Entschlossenheit geweckt: "Ich nehme eine neue Einstellung mit", sagt Brenda. "Ich will mein Studium durchziehen, und zwar nicht irgendwie, sondern so gut wie möglich."

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