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"Wir verschlafen die Zukunft"

"Wir verschlafen die Zukunft"

TRIER. "Es ist nicht akzeptabel, dass der Hunsrück und die Tal-Lagen konzeptionslos und unvorbereitet in die Zukunft gehen." Mit diesem Satz und der ihm folgenden Vision von Kompetenzregionen in Tal und "Gebirge" beenden Hugo Kohl und seine FWG die politische Sommer-Siesta in Stadt und Kreis.

Es war lange ruhig im Landkreis Trier-Saarburg. Seit Günther Schartz im Juni 2005 die Landratswahl gegen Katarina Barley gewonnen hatte, plätscherte die Kreispolitik beschaulich vor sich hin. Doch jetzt ist es ausgerechnet die kleine FWG mit ihren sieben Sitzen im Kreistag, die sich mit einem Thema aus der Sommerpause zurückmeldet, das die Stadt Trier ebenso betrifft wie den Landkreis. Denn offenbar richten sich schon seit einiger Zeit immer wieder viele Augen auf die Eifel. "Dort wurde eine vorbildliche Zukunftsentwicklung auf den Weg gebracht", sagt FWG-Fraktionschef Hugo Kohl. Die Zukunftsinitiative Eifel als Gemeinschaftsprojekt mehrerer Landkreise und Erfolgsgeschichten wie die einheitliche Vermarktung touristischer Dienstleistungen und auch typischer Produkte unter der Dachmarke Eifel inspirierte und provozierte die Frage, warum derartige Geschichten in Trier und Trier-Saarburg nicht auch funktionieren könnten und sollten. "Wir können nur herzlich gratulieren", meint Hugo Kohl. Dabei soll es jedoch nicht bleiben. Kohl will die Schaffung gleich mehrerer Kompetenzregionen anstoßen. "Viele werden jetzt sagen, dass es eine Dachmarke Mosel schließlich schon ewig gibt. Damit werden sie den Wein meinen." Seine Thesen gehen darüber hinaus. "Der Gedanke ist hier bei uns nie so effektiv weiterentwickelt worden wie in der Eifel. Mit einem Produkt allein lässt sich keine Dachmarke aufbauen." Kultur, Tourismus, Landschaft - alles soll mit rein in die Vision.Überall nach Partnern suchen

"Kommunale Grenzen sind dabei zunächst unbedeutend", betont der FWG-Chef. "Wir müssen überall nach Partnern suchen, in der regionalen Wirtschaft ebenso wie in der Kommunalpolitik." So lautet auch seine Empfehlung an Landrat Günther Schartz, die sowohl im Kreisausschuss (28. August) als auch im Kreistag (11. September) diskutiert werden soll. Kohl ist sich dabei der großen Unterschiede zwischen Berg und Tal bewusst, und er will deshalb nicht eine große, sondern zwei parallel funktionierende Dachmarken anstoßen. Der Hunsrück könnte mit den Kreisen Birkenfeld, Simmern sowie den saarländischen Nachbarn Merzig-Wadern und St. Wendel zusammenarbeiten, die tiefer liegenden Kommunen sollen Anschluss suchen an Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell. Kohl versteht seinen Vorstoß ebenso als Vision wie als Warnruf: "Denn im Moment verschlafen wir die Zukunft."