"Wir werden Sie vermissen"

Trier-Mariahof · Seit 1988 ist Norbert Feichtner Rektor der Grundschule Mariahof. Sieben Generationen begleitete er vom ersten bis zum vierten Schuljahr. Jetzt feiert er mit Schülern und Lehrern seinen Abschied. Er blickt zurück auf Höhepunkte und anstrengende Zeiten in seiner Karriere.

Offizieller Akt: Regierungsschuldirektorin Julia Koch überreicht Norbert Feichtner seine Ruhestandsurkunde. TV-Foto: Christian Altmayer

Foto: Chrsitian Altmayer (cha) ("TV-Upload Altmayer"

Trier-Mariahof. Norbert Feichtner steht nicht gern im Mittelpunkt. Aber an diesem Tag dreht sich alles um ihn. Der 64-Jährige feiert Abschied von der Grundschule Mariahof, die er 27 Jahre lang geleitet hat. Mehr als die Hälfte seiner Karriere hat er hier verbracht.
Bevor er in den Ruhestand tritt, haben Schüler und Lehrer die Gelegenheit genutzt, sich bei ihrem Rektor zu bedanken. Wochenlang haben sie das Programm für die Abschiedsfeier in der Turnhalle geplant und eingeübt. "Ich durfte mich in meiner eigenen Schule nicht mehr frei bewegen", scherzt Feichtner. Die Sporthalle und einige Klassenzimmer seien zum "Sperrgebiet" erklärt worden. Schließlich sollte er nichts von den Proben mitbekommen.
Gelungene Überraschung


Die Überraschung ist geglückt. Schüler aller Klassenstufen führen Tänze auf und singen Lieder. Sie haben ihm Geschenke mitgebracht, darunter einen Koffer mit Briefen der Schüler. "Wir werden Sie vermissen", sagt ein Mädchen bei der Geschenkübergabe.
Eine Diashow bietet einen Rückblick auf Feichtners Zeit am Mariahof. Fotos zeigen Bilder vom Protest gegen die Schließung der Schule im Jahr 2009. Lehrer, Eltern und Schulleitung wehrten sich damals gegen die geplante Angliederung der Grundschule an die Integrierte Gesamtschule Trier. Heute ist das Thema vom Tisch. "Das war meine anstrengendste Zeit hier", sagt Feichtner. Es sind aber auch Fastnachtsfotos dabei. Auf einem Bild ist er als Zauberer verkleidet, mit Zylinder und Umhang.
"Wir hatten mit Herrn Feichtner viel Spaß", sagt Harald Buck, Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule, in seiner Rede. Dabei hätten ihn damals viele gewarnt, als Feichtner das Amt des Rektors übernahm. Er sei ein "Nein-Sager", ein "Paragraphenreiter". Das habe sich schnell als Irrtum herausgestellt. Feichtner habe viele Projekte an der Schule auf den Weg gebracht. Darunter den Bau einer Kletterwand und die Einrichtung eines Grünen Klassenzimmers. Heute sei Mariahof besser ausgestattet als die meisten Grundschulen in Trier.
Bevor Feichtner nach Trier kam, arbeitete er an einer Förderschule in Neuerburg. Die Zeit dort habe ihn sehr geprägt, sagt er. Sie habe ihm gezeigt, wie wichtig es sei, jedes Kind so anzunehmen, wie es ist.
Benachteiligte im Blick


Besonders die Benachteiligten habe er immer im Blick gehabt - auch die Schüler mit Sprachschwierigkeiten. Der Migrantenanteil im Stadtteil Mariahof ist sehr hoch, die Schule ein Schmelztiegel der Nationen. "Rassismus hat hier keinen Platz", sagt Feichtner. In der Grundschule am Mariahof werde jeder Schüler individuell gefördert, kein Kind werde aufgegeben: "Ich freue mich immer, wenn ich ehemalige Schüler von mir treffen, die heute im Leben zurechtkommen." Da sehe er, dass seine Arbeit Früchte trage.
Zur Abschiedsfeier kamen neben Feichtners Familie und einigen seiner ehemaligen Kollegen auch der stellvertretende Ortsvorsteher Ludwig Limburg (SPD) und die Regierungsschuldirektorin Julia Koch. Sie überreicht dem scheidenden Schulleiter seine Ruhestandsurkunde. Er werde sich aber auch weiterhin in Mariahof engagieren. "Vielleicht in der Nachmittagsbetreuung", meint er.
Wer seine Nachfolge antritt, dürfe er noch nicht verraten. Klar ist nur, dass es eine Lehrerin aus seinem Kollegium sein wird.