Wir werden Weltmeister!

TRIER. (cofi) Zum dritten Mal hatte TV-Redakteur Dieter Lintz beim TV-Spätschoppen in der Europäischen Kunstakademie vier namhafte Experten zur sonntäglichen Talkrunde vor dem Weltmeisterschaftsspiel um sich versammelt.

Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel, Ex-Eintracht-Trainer Paul Linz, Tenor Thomas Kiessling und Hobby-Kicker Ingo Popp unterhielten sich über das Thema "Fußball, Fans und fromme Wünsche". Mit 45 Minuten Dauer war der Gesprächskreis fußballverrückter Männer zwar um die Hälfte kürzer als das Spiel mit dem runden Leder, aber ebenso spannend. Für Herbert Fandel hatte der Platz auf der Bank vor dem Spiel zwischen Ecuador und England wohl doppelte Bedeutung und war mit einem Wermutstropfen verbunden. Denn der Fifa-Schiedsrichter war einer der 45 Anwärter, die bei der Weltmeisterschaft mit Pfeife, roten und gelben Karten auf den Platz hätte laufen können. Das wäre der Höhepunkt in der Karriere des 42-Jährigen gewesen. Die Fifa berief aber nur einen deutschen Schiri ins Team der WM-Pfeifen, Markus Merk. Fandel: "Ich habe anderthalb Jahre um diesen Job gekämpft. Das nagt natürlich an einem, aber ich habe trotzdem alle Spiele der deutschen Mannschaft im Fernsehen angeschaut." Neben ihm auf der Bank machte Ex-Eintracht-Trainer Paul Linz eine gute Figur und eine sympathische obendrein. Denn zwischen zwei Tennis-Turnieren hatte der bekennende Trierer den Weg in die Viererkette von Dieter Lintz gefunden. Der Eintracht "wollte und würde ich immer wieder helfen. Ich bin immer für den Verein da." Das Kapitel "Eintracht" ist für den 50-Jährigen noch nicht abgeschlossen. "Vielleicht trainiere ich die E-Jugend oder ich werde Präsident - in ein paar Jahren." So optimistisch "Linze Paul" sich gab, so wurden aber auch skeptische Töne laut. "Bis jetzt läuft alles rund bei der deutschen Mannschaft und es ist alles Gold, was glänzt", sagte Ingo Popp, Konzert-Veranstalter und Hobby-Kicker für die Freunde des brasilianischen Fußballs. "Aber wenn eine richtig harte Nuss und Argentinien wieder in die Spur kommt..." Auch für die Diskussion um einen Stadion-Neubau in Trier fand er deutliche Worte: "Sehr dumm gelaufen. Die Stadiondiskussion war kleinstädtisch und peinlich." Versöhnlicher zeigte sich Tenor Thomas Kiessling, der nach Selbstauskunft noch nie ein Spiel der Eintracht live gesehen hat. "Das Motto der WM ist gut gewählt." Ein neues Bewusstsein für die eigenen Werte sei entstanden und die Deutschen würden sich wieder trauen, Nationalstolz und ihre Fahne zu zeigen. "Scheinbar wollen die Menschen feiern, und wenn es uns gelingt, den Nazis auch nach der WM ihr Markenzeichen streitig zu machen, haben wir sowieso gewonnen", pflichtete Popp ihm bei. Positiv für Jugendliche hierzulande sei außerdem, dass die Nationalelf Stars und Vorbilder hervorbringe und die Qualität des Fußballs Aufschwung erhalte. Da waren sich alle einig. So könnten bald vielleicht wie beim Boris-Becker-Boom lauter kleine Poldis die Fußballstadien bevölkern. Der fromme Wunsch zum Schluss: "Wir werden Weltmeister", prognostizierten Kiessling und Popp, und zeigten sich dabei zuversichtlicher als Fandel ("Wir scheiden gegen Argentinien aus") und Linz ("Ich will da nicht spekulieren"). Die vierte und letzte TV-Spätschoppen-Runde steigt am Endspiel-Tag, 9. Juli, um 18 Uhr.