"Wir wollten einen richtigen Grünen"

"Wir wollten einen richtigen Grünen"

"Ich war sofort Feuer und Flamme" - so schildert der Landtagsabgeordnete und Mediziner Fred Konrad seine Reaktion auf die Anfrage, ob er nicht als Kandidat der Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl in Trier antreten wolle.

Trier. Noch hat die Mitgliederversammlung der Grünen den 52-jährigen Fred Konrad nicht als Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 28. September bestätigt, diese Abstimmung steht am 11. Juni an. Doch weder Konrad selbst noch die Führungsspitze der Grünen machen sich darüber ernsthaft Sorgen. "Wir wollten einen richtigen Grünen", sagt die am Montagabend einstimmig gewählte Fraktionschefin im Stadtrat, Petra Kewes. "Wir haben ihn gefunden."
Konrad geht die Situation offensiv an. "Ich weiß, wie kritisch unsere Basis ist, und darauf bin ich vorbereitet", sagt er. Das gelte auch für die zu erwartenden Tücken des Wahlkampfs, in den der Grüne als Späteinsteiger eintritt. Seine Mitbewerber Hiltrud Zock (CDU) und Wolfram Leibe (SPD) sind schon längst im Rennen. "Das heißt, dass beide schon mehr Volksfeste besucht haben als ich." Kurze Pause. "Konzeptionelle Vorsprünge sehe ich nicht."
Warum will ein beruflich und familiär in der Südwestpfalz verankerter Mediziner Oberbürgermeister der Stadt Trier werden? "Trier gehört zu den Städten mit dem meisten Potenzial", sagt Konrad. "Ich lebe zwar schon seit fast 30 Jahren nicht mehr in Trier, habe aber den Kontakt nie verloren." Die Alleinherrschaft der CDU habe er miterlebt. "Da war Trier so schwarz, dass man sogar in der Nacht Schatten geworfen hat."
1987 sei er den Grünen beigetreten. "Ich habe vieles erlebt und mitgemacht und bin auch bei Blockaden weggetragen, angeklagt und später freigesprochen worden." Daraus entwickelte sich ein sozial geprägtes Politikverständnis, das lässt Konrad immer wieder deutlich erkennen. Seine Vision, sollte er die OB-Wahl gewinnen, definiert er mit "der Weiterentwicklung der Stadt als soziales Wesen".
Fred Konrad geht näher ins Detail: "Es hat keinen Sinn, sich auf Strukturen zu konzentrieren und dabei die Menschen zu vergessen." Dem Einwand, gerade Trier habe viele Probleme struktureller Natur, begegnet Konrad mit dem Verweis auf Instrumente wie den kommunalen Finanzausgleich. "Die Kommunen müssen in einer Art und Weise finanziell ausgestattet werden, die ihnen die Bewältigung solcher Situationen ermöglicht." Ein Hauptproblem der Städte und Gemeinden seien die enormen Soziallasten, die sie tragen müssen. "Allein diese lassen schon keinen Bewegungsspielraum mehr."
Seine Stärke, so Konrad, sei das Durchblicken und Entwickeln von Konzepten. "Die Umsetzung dieser Konzepte liegt dann in den Händen fähiger und hoffentlich begeisterter Mitarbeiter." Womit auch die Dezernentenriege im Stadtvorstand gemeint ist. "Der Umgang auf dieser Ebene ist verbesserungswürdig", meint der wahrscheinliche Kandidat der Grünen. "In einem Team arbeitet man miteinander und nicht zum eigenen Wohl gegen andere." Doch weiter wolle er sich diesem Thema nicht nähern. "Ich werde zum jetzigen Zeitpunkt keine Personalfragen in den Mittelpunkt stellen."
Der Wahlkampf werde eher kurz, kündigt Konrad an. "Natürlich liegen die Sommerferien dazwischen, und eine Woche Urlaub brauche ich dringend." Außerdem reise er Ende August zwei Wochen nach Ruanda, um in einem Zentrum für behinderte Kinder zu arbeiten. "Aber ein intensiver Wahlkampf kann das aufholen, und einen solchen werde ich führen."Extra

Der TV fragte die Ratsfraktionen nach ihrer Meinung zur Vorstellung von Fred Konrad als OB-Kandidat.Sven Teuber, Vorsitzender und Fraktionschef der SPD Trier, reagiert kurz und knapp: "Ich kenne den Mann nicht, daher kann ich zu ihm auch nichts sagen. Es aber doch schön, dass die Grünen nun jemanden gefunden haben." Tobias Schneider (FDP) äußert sich zurückhaltend. "Die FDP hat sich zur Oberbürgermeisterwahl bislang noch nicht positioniert", erklärt Schneider. "Es gab bereits Gespräche mit Hiltrud Zock und Wolfram Leibe. Auch Herrn Konrad werden wir zeitnah einladen. Alles Weitere werden wir in den Gremien der Partei besprechen." Christiane Probst (FWG) bedauert: "Leider ist mir Fred Konrad unbekannt, auch als Landespolitiker." Die FWG-Fraktion werde aber mit allen Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl in der nächsten Zeit einen Gesprächstermin "für einen intensiven Austausch vereinbaren, um deren Standpunkte zu allen relevanten kommunalpolitischen Themen zu erfahren". Ulrich Dempfle (CDU) bleibt ebenfalls zurückhaltend. "Es ist das gute Recht der Grünen, einen eigenen Kandidaten zu nominieren", sagt der Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten. "Alles Weitere werden die Wähler am 28. September entscheiden." Katrin Werner, Bundestagsabgeordnete und ehemalige Stadträtin der Linken, äußert sich kritisch. "Fred Konrad wird es gegen Hiltrud Zock und Wolfram Leibe schwer haben, die über bessere Netzwerke verfügen." jpExtra

Fred Konrad studierte Medizin in Homburg und Bonn und absolvierte die Facharztweiterbildung zum Kinder- und Jugendarzt. Seit 2004 ist der gebürtige Trie rer niedergelassener Arzt in einer Gemeinschaftspraxis in Kusel. Bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl 2011 zog er, positioniert auf Platz 14 der Landesliste der Grünen, in den Landtag ein. Neben dem Landtagsmandat führt er seine Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in geringem Umfang weiter. jp

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