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Wirklich keine leichte Entscheidung

Bei der Diskussion über den Flächennutzungsplan in Trier haben sich nun schon zwei Bürgerinitiativen formiert. Eine aber fehlt eigentlich noch.

Als Stadtratsmitglied in Trier ist man ja wahrlich nicht zu beneiden. Für die meisten Mitglieder in Ortsbeiräten oder Gemeinderäten dürfte das im Übrigen in ähnlicher Weise gelten. Es gibt kaum noch ein Großprojekt, bei dem sich nicht Widerstand von Bürgerseite formiert. Oft genug von denen, die direkt von Projekten betroffen sind. Bei der Diskussion um zusätzlichen Wohnraum in Trier, der im neuen Flächennutzungsplan ausgewiesen werden soll, ist das in dieser Woche besonders augenfällig geworden. Zwei mögliche Baugebietsstandorte sind nach längerer Suche in der engeren Auswahl geblieben: eines beim Stadtteil Mariahof, eines zwischen Euren und Zewen. In Mariahof machen Gegner des möglichen Wohngebiets mit Demonstrationen, Unterschriftensammlungen und Leserbriefen schon länger mobil, und nun hat sich auch in Euren eine Bürgerinitiative formiert. Aus der jeweiligen Sicht der Betroffenen sind die Proteste verständlich. Sie fürchten mehr Verkehr, mehr Lärm, letztlich auch eine Wertminderung ihres Eigentums. Das Problem für die Entscheider, sei es in der Stadtverwaltung oder in den Gremien wie dem Stadtrat oder Gemeinderäten, ist: Sie dürfen nicht nur das Interesse der Bürger eines Stadtteils, eines Viertels, einer Straße vertreten, sondern sie müssen das Gesamtinteresse der Kommune im Auge behalten. Im Falle des Flächennutzungplans in Trier besteht das nun mal darin, weiteren Wohnraum zu schaffen, damit die Stadt attraktiv als Wohn- und Lebensraum bleibt. Ein Gedankenspiel: Man stelle sich vor, zu den beiden Bürgerinitiativen aus Mariahof und Euren hätte sich in dieser Woche eine dritte Demo hinzugesellt: Menschen aus Trier, darunter junge Familien, Alleinerziehende und ältere Leute mit kleiner Rente, stehen mit Plakaten vor dem Rathaus. Ihre Forderungen: Schafft mehr bezahlbaren Wohnraum! Sorgt dafür, dass ich mir mit meiner Familie in fünf Jahren ein Baugrundstück oder eine Wohnung in Trier leisten kann! Tut was dagegen, dass die Mietpreise in Trier so hoch sind! Gäbe es zusätzlich zu den zwei Bürgerinitiativen eine solche Bewegung, die eigentlich zahlenmäßig viel, viel größer sein müsste als die BIs, dann würden die Intereressen aller Trierer tatsächlich gespiegelt. Für das Gesamtinteresse der Stadt aber gibt es keine Bürgerinitiative und oft auch keinen Beifall. Es liegt allein in der Hand der Stadtratsmitglieder, zwischen Allgemeinwohl und Stadtteilinteressen abzuwägen. Wahrlich keine leichte Entscheidung. m.schmitz@volksfreund.deKolumne Klartext